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beider Jahrszeiteii bereits beinahe auf 7 Grade und ist sogar grösser,
als auf Key West am Südende Floridas. Die Jahreswärme der
Küstenregion bleibt indessen im ganzen Umfange Westindiens nahe
übereinstimmend (20 O—22 o E. ) .
So wenig nun auch weder in Bezug auf Feuchtigkeit und Niederschläge
noch auf die Temperatur die nördlichen Bahamas von
dem nahen Florida abweichen, dessen Küste kaum 14 g. Meilen von
ihnen entfernt liegt, so sind sie doch durch ihre tropische Vegetation
von dem Kontinent auf das Bestimmteste abgesondert. Die Flora
der Bahamas i) ist nur ein Glied der westindischen : die grosse Mehrzahl
der Pflanzen wächst auch in Cuba und auf andern Antillen,
hier überschreiten tropische Familien, westindische Bäume, Lianen
und Epiphyten den Wendekreis. Florida hingegen stimmt in seinem
Vegetationscharakter im Allgemeinen mit Georgien und Karolina
überein. Von westindischen Holzgewächsen sind nur einige wenige
eingewandert. Nicht einmal der kleine Archipel von Key West ist
durch solche Ansiedelungen in höherem Grade bereichert worden,
der noch jenseits der Südspitze Floridas mit New Providence beinahe
in gleicher Breite, aber dem Festlande nahe liegt. Noch weniger,
als durch das Klima, lässt sich der Gegensatz beider Vegetationsgebiete
aus Bodenverhältnissen erklären: denn wie die Küste von
Florida durch Korallenbänke umsäumt wird, so ist auch der weite
Archipel der Bahamas nichts weiter als ein grosses Bauwerk von
Korallenkalk. Wie kommt es nun, dass die westindische Pflanzenschöpfung
sich dieses Archipels bemächtigt hat und der ebenso nahe
gelegenen und gleichgebauten Keys von Florida nicht? Selbst die
,wenigen gemeinsamen Gewächse sind grossentheils auch an den
Kontinentalküsten des mexikanischen Meerbusens nachgewiesen und
können also ebenso wohl von dort, als von Cuba, zu den Keys gelangt
sein. Die nächste Ursache ist offenbar, dass die Bahamas mit
den grossen Antillen durch zahllose Inseln und Untiefen verbunden
sind, Florida hingegen mit seinen Keys von diesem Gebiete durch
den Golfstrom getrennt wird, der hier, eng zusammengepresst, am
stärksten sich entwickelt: ein Beweis, dass nicht immer die Meeresströmungen
Florengebiete verknüpfen, sondern dass sie auch zur
Erhaltung der Grenzen ursprünglich gesonderter Schöpfungen beitragen
können 1). Aber zugleich scheint doch auch der Golfstrom
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Verbindung mit den Bahamas. — Baiimformen. 341
auf die ti'opische Vegetation der Bahamas nicht ohne Einfluss zu
sein. Denn wenn auch Treibholz und Früchte, die in der Strömung
schwimmen, durch die Heftigkeit derselben meist in das atlantische
Meer hinaustreiben, so hat man doch beobachtet^), dass sie leichter
an dem Ostrande, also an den Bahamas abgesetzt werden, als an
der Küste von Florida, wodurch denn die Einwanderung von Pflanzen
aus Cubä nach den erstem befördert wird. Sodann verdanken
auch dem Golfstrom diese Inseln die hohe Wärme, die ihrem tropischen
Baumwuchs gemäss ist: denn über 20 Grad [20^,8—22^,4:^)'
hält sich die Temperatur des Meerwassers, so weit sie über den
Wendekreis hinaus von ihm bespült werden.
Tegetationsformen. Durch den Anbau hat die Vegetation
Westindiens Veränderungen erfahren, die ebenso bedeutend sind,
wie in alten Kulturländern. Im Westen von Cuba dienen zwei Drittel
des Landbesitzes der Erzeugung von Kulturgewächsen und kaum
ein Drittel besteht aus Wald und Weideland. Die Savanen, auf
denen der Viehbestand gezüchtet wird (sie werden in Jamaika Pens
genannt), befinden sich auch nicht mehr in ihrem ursprünglichen
Zustande, sondern sind durch die Einführung des Guinea- und Para-
Grases [Panictim maximum u. motte) verbessert worden. Zur Zeit
der Entdeckung von Amerika war fast ganz Jamaika mit Wäldern
von zwei Meliaceen bedeckt, von Mahagonibäumen und Cedrelen
{Swietenia u. Cedrela) \ die Urbewohner, die seitdem längst verschwunden
sind, kannten ausser dem Mais keine andere Kulturpflanze
: in der Folge wurde das Zuckerrohr das Haupterzeugniss in
der untern Region (0—2800 Fuss), an dessen Stelle nun seit der
Freilassung der Sklaven viel Weideland getreten ist, und im Gebirge
2800—5600 F u s s entstanden die Kaifeeplantagen. Die Physiognomie
Westindiens, als eines bis zu den Berggipfeln bewaldeten
Archipels, hat sich indessen dpch in den Hauptzügen erhalten, weil
der Anbau selbst zum Theil in Baumpfianzungen besteht, die Ansiedelungen
von Fruchtbäumen und Palmen, auch die Savanen von
Waldungen begleitet werden, sodann weil, wie in allen feuchten
Tropenländern, ein Nachwuchs von Holzgewächsen der Urbarmachung
des Bodens folgt, wenn dieser sich selbst überlassen wird.
Nur weil die neuen Generationen nicht derselben Art sind, wie die
früheren, und weil viele Bäume sich angesiedelt haben, welche die