
[
t : : i _
h l
ä-r
SiE
I«
„ !
t 5
• ^
492 XXTII. Antarktisches Waldgebiet.
des Buchenwalds nachtheilig sind, sondern auch der Mangel des tiefem
Humusbodens, geht aus der Beschreibung einer unfruchtbaren
Gebirgsstrecke, der Cordiilera pelada im Süden des Hafens von Valdivia^),
hervor, wo auf einem Glimmerschieferplateau der Hochwald
schon in dem niedrigen Niveau von 2500 bis 3000 Fuss plötzlich
aufhört und nur junge Stämme, bis ihre Wurzeln das Gestein treffen,,
sich einö Zeit lang-erhalten. Auf dieser nackten Ilochfläche kehren
dann manche Gewächse von Fuegia wieder, wodurch ein neuer Beweis
von der Zusammengeliörigkeit des nördlichen und südlichen
Abschnitts der antarktischen Flora gegeben ward.
Die waldlosen Landschaften nehmen nur einen verhältnissmässig
kleinen Thcil des antarktischen Gebiets ein. Am Fusse der hohen
Anden von Valdivia scheidet sich ein Streifen offenen^Weidelandes
vom Urwalde aus'^j, was vielleicht daraus erklärt werden könnte,
dass die zwischen beiden Kordilleren eingeschlossene Thalfläche
(hirch das Küstengebirge vor den Regenwinden mehr geschützt ist.
Indessen sind diese Llanos von Valdivia doch grösstentheils bewaldet
und gehen, wenn man dem grossen Längsthaie nach Norden
folgt, in die Kulturebene des südlichen Chile über, die, über dem
Gerölle der Anden von der fruchtbarsten Ackerkrume bedeckt, wohl
ursprünglich dem Walde selbst abgewonnen 'worden ist. Möglich
erscheint es daher, dass auch die Weidedistrikte daselbst erst
der Verdrängung des Waldes ihren Ursprung verdanken. Aber die
starke Humusschicht, welche der Laubfall der Bäume erzeugt, fehlt
dem Weidelande in Valdivia dessen Vegetation Philipp! mit den
baltischen Haiden vergleicht, indem mit dem Käsen der Grasnarbe
die Erikenform verbunden ist [Fernettya) nnd ein kaum fusshohes
Gestrüpp bildet. Auch nach den Waldbränden sieht man in diesen
Gegenden zunächst Gebüsche von Holzgewächsen und neben Cyperaceen
die Bambusen den Boden einnehmen. Dem feuchten Klima
gemäss ist den Holzgewächsen eine grössere Energie, als den Gräsern,
zu Theil geworden.
Erst im Süden, wo die im Boden zurückgehaltene Feuchtigkeit
die Torfbildung aus den absterbenden Organen veranlasst, weichen
die Wälder einer andern Formation, einer offenen Moorfläche. Während
in Chiloe das ebene Land vom üppigsten Walde bedeckt ist,
wachsen die Bäume in Fuegia nur an den geneigten Abhängen '],
WaldloseLandscliaften.—Verhältnissd. Bauiugrenze zur Schneelinie. 493
wo der Wasserabfluss erleiclitert ist. - Hier erzeugt jede ebene Fläche
ein starkes Torflager, das von zwei geselligen Stauden beständig erneuert
wird , deren verzweigter Rasen wenige Zoll hoch und von
kurzen, schmalen nnd anliegenden Blättern dicht bekleidet ist. Beide
sind durch ihren Bau merkwürdig, in ihrer Belaubung und Kleinheit
einander ähnlich: die eine ist eine Saxifragee [Donatia fascicularis
die andere den Liliaceen verwandt [Astelia pnmüa) . Ein Paar kleine
Stränclier, das Empetrum inid eine Myrtacee [Myrlm niimmtdaria)^
von nicht liolzigen Gewächsen eine Ranunculacee [Caliha) und eine
Binse [RoHtkovia] begleiten diese Vegetation der Torfsümpfe, die
a u f s Neue ein Beleg ist, wie die antarktischen Vegetationscentren zu
den analogen Formationen der nördlichen Hemisphäre in Verwandtschaft
stehen, aber ihnen zugleich eigenthümliche Gebilde hinznfügen.
Regionen. In den südlichen Anden rückt die Baumgrenze so
nalie an die Linie des ewigen Sclinees, wie in kehiem andern Gebirge
der Erde; in Fnegia ist die alpine Region bestimmter abgesondert.
Da jedoch die Angaben über die Schneelinie in Südchile bedeutend
von einander abweichen so benutze ich, um dieses Verhältniss
zu erläutern, nur die zuverlässigsten Beobachtungen.
V u l k a n von Osorno in Valdivia (41 S. B.)
Waldregion — 4500(Schneelinie).
F n e g i a [54-0 S. B.]
Waldregion - 1400'.
Alpine Region — 3500
Poeppig*^) war der Erste, der es ansspracli, dass auf den sndclülenischen
Anden die Baumgrenze mit der Schneelinie beinahe zusammenfällt.
Als er den Araucarien-Wald von Antuco besuchte (37*'
S. B.), den nördliclisten, der ih den Anden vorkommt, bemerkte
dass diese Conifere anscheinend häufig bis zum ewigen Schnee in das
Gebirge ansteige. In Valdivia, wo die Baumgrenze von Buchen gebildet
wird, hat P h i l i p p i d i e s e Beobaclitung bestätigt nnd erweitert.
Wir finden bei ihm sogar die Behauptung, »dass die meisten
Bäume und Sträucher der Ebene« am Vulkan von Osorno (41 S. B.)
)) so ziemlich bis zum ewigen Schnee hinanfreichena, dessen untere
Grenze er hier zu 4500 Fuss bestimmte. In der Nähe der Schnee