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500 XXIV. Oceauische Inseln.
dem Umfange der drei Archipele kann man sich eine Vorstellung
machen, wenn man sie mit der Grösse von Schweizer Kantons vergieiclit,
mit dem Waadtlande die Azoren (54 g. Quadratmeilen zwischen
37 t) und 40 ^ N. B.), mit Schwyz Madeira nebst Porto santo
(16 Q.-M. unter B.), und mit Graubündten oder Bern die
kanarischen Inseln (132 Q.-M. unter 28« und B.). Sämmtlich
aus Laven und vulkanischen Gesteinen aufgebaut, von denen
einige tertiäre Kalkgebilde mitgehoben wurden, scheinen diese Archipele
Kseit ihrer ersten Entstehung in derselben Anordnung, wie
gegenwärtig, bestanden zu haben: denn der Vorstellung, dass sie die
üeberreste eines versunkenen Festlands seien, dem man den Namen
Atlantis gab, widerspricht die gleichmässig gi'osse Tiefe des Meers,
welches sie trennt und aus dem sie gleich den noch jetzt zu Zeiten
emportreibenden Inselvulkanen zusammenhanglos zu steilen Gipfeln
ansteigen. Auch werden sie von keinem umherschweifenden Landthiere
bewohnt, welches von einer ehemaligen kontinentalen Ausdehnung
oder Verbindung zurückgeblieben sein möchte, und stimmen
hierin mit allen übrigen oceanischen Inseln überein , die stets
für sich bestanden und deren geringer Umfang den Bedingungen der
animalischen Ernährung Schranken setzt.
Vom Golfstrom werden die atlantischen Archipele der Reihe
nach berührt, zuerst die Azoren, wo man die Früchte einer westindischen
Mimosee {En^ada) mit keimfähigen Samen häufig angespült
gefunden hat J), ohne dass sie daselbst zur Entwickelung gelangen,
hierauf Madeira und zuletzt die kanarischen Inseln. Auf diesen hat
aber ungeachtet ihres wärmeren Klimas ebenso wenig, wie dort, eine
Ansiedelung von Pflanzen aus dem tropischen Amerika stattgefunden.
Europa ist der Kontinent, von welchem die eingewanderte Vegetation
der Azoren abstammt, mit dein sie durch den Sommerpassat in Verbindung
stehen und von wo auch Vögel im Winter massenweise herüberziehen
. Auch dui'ch ihr Klima und ihre geographische Lage
haben die Azoren, obgleich weit nach dem fernen Westen hinausgerückt,
doch zu Europa eine nähere Beziehung, als zu Amerika.
Der Küste Portugals liegen sie fast um ein Drittel näher, als den am
weitesten nach Osten vorspringenden Theilen von Newfoundland und
Brasilien (etwa im Verhältniss von 240 zu 345 g. Meilen). Ihr
Klima-'), wie das vonSndeuropa durch deii Sommerpassat beeinflusst,
Azoren. Stammkontinent der eingewandert. Pflanzen. — Vegetation. 501
stimmt in seiner Mittelwärme mit den Messungen in Cadix überein :
allerdings ist die Temperatur noch gleichmässiger, als in Andalusien,
der kälteste Monat entspricht noch dem Mai von Berlin. Auch der
Winterregen Portugals (November bis März) wiederholt sich in
S. Miguel, wo die Niederschläge in der wärmeren Jahrszeit schwacli
sind. Aber freilich beziehen sich die Beobachtungen nur auf die
Küste der Azoren : in höheren Lagen verdichtet sich der Wasserdampf
bei jeder Windesrichtung und hüllt auch im Sommer das Gebirge
in Wolken, dessen Wälder daher beständig von Nebel und
Regen getränkt werden.
Die Vegetation der Azoren ist der des Mittelmeergebiets in soweit
ähnlich, dass die Waldbäume der Lorbeerform angehören und
immergrüne Sträucher die Holzgewächse sind, welche den grössten
Theil der Insel bekleiden. Der reineren Ausbildung des Seeklimas
und der grösseren Feuchtigkeit entsprechend, gedeihen die Farne
üppiger und wachsen in grössern Massen zusammen, namentlich in
der Kegion der Wolken, wo die ansehnlichste der atlantischen Arten
{Dtaksom'a culeüa, von 20ÜÜ Fuss an) zuerst auftritt. Ferner äussert
sich der Einfluss des feuchten Bergklimas darin, dass die immergrüne
Region in ein viel höheres Niveau hinaufreicht, als in Europa,
j a auf den meisten Inseln bis zu ihren Gipfeln die einzige ist. So
erscheint selbst die innere Böschung des Kraters von FayaH) (13()0
bis ;^000 Fuss) als eine feuchte Schlucht, die mit einem grünen
Teppich von Farnen und von Maquis dicht bekleidet ist. Die Holzgewächse,
gerade diejenigen Formen, welche durch ihr geselliges
Wachsthum die Physiognomie der Landschaft bestimmen , sind
grösstentheils nicht von Europa eingewandert. Die meisten wachsen
auch auf den beiden andern atlantischen Archipelen, und eben durcli
sie, welche die so weit von einander entlegenen Inselgruppen verbinden
, wird der systematische Charakter der atlantischen Flora
bezeichnet. Auf den Azoren ist übrigens ihre Anzahl nicht bedeutend
: es gehören dahin die drei Bäume, welche ihren Lorbeerwald
zusammensetzen [Laiirm canarienm, die Oleinee Pieconia exeeha und
der Fayal: Myriea Faya), und ein Wachholder, die einzige, daselbst
einheimische Conifere [Juniperus brevifolia). Diese Gewächse kommen
sämmtlich auch auf Madeira vor, einer Insel, die allerdings den
Azoren beträchtlich näher liegt, als das Festland von Europa (in