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174 IX. Kalahari.
mechanischen Hindernisse den Verbindungen und Trennungen der
Vegetationscentren zu Grunde liegen.
Wird in den Naturschilderungen tropischer Gebirge von allmäligen
IJebergängen der Kegionen geredet, so ist dadurch nur bestätigt,
dass jede Pflanzenart eine bestimmte Temperatursphäre liat, so
dass mit der Abnahme der Wärme auch die Vegetation sich nach und
nach ändern muss. Wird aber die Höliengrenze einer einzelnen
Pflanzenform gemessen, deren Wachsthumsbedingungen bekannt
sind, so erhält die Untersuchung, ebenso wie bei den Formationen,
eine be.stimmtere Bedeutung, es ist nachzuforschen, welche Ursache
unter den verschiedenen klimatischen Werthen, die auf sie einwirken,
ihrer Verbreitung ein Ziel setzt. Willkürlicli ist jede Eintheiliing
der Erde in Florengebiete und Kegionen, Aveil die Natur zugleich die
eine Reihe von Gewächsen vermischt, während sie die andere sondert,
wissenscliaftlich aber wird das Bestreben, feste Grenzen aufzusuchen,
dadurch, dass es der Forschung Wege zur Lösung bestimmter
Probleme bahnt.
Dies sind die Gesichtspunkte, nach denen an der Nordgrenze
der Kalahari, je nachdem die Regelmässigkeit der tropischen Sommerregen
sich vermindert, nicht ein allmäliger Uebergang der Flora
von Sudan in die der Wüste angenommen, sondern aus der Palmengrenze
eine scharfe Berülirungslinie von zwei selbständigen Vegetationsgebieten
abgeleitet wird. Diese Grenze entspricht in klimatischer
Hinsicht dem Aufhören tropischer Bewässerung, den Wasserscheiden
derZambesi-Zuflüsse und des Cunene, in der physiologischen
Bedeutung des Klimas drückt sich darin das grosse Feuchtigkeitsbedürfniss
der Palmen aus, dem die Niederschläge der Kalahari
nicht genügen. Sehr bezeichnend für den klimatischen Charakter
der Palmengrenze im Norden des Damara-Landes ist die Beobachtung
der Missionare Hahn und Rath 43), dass die am weitesten nach
Damara vorgeschobenen Palmen noch keine Stämme haben, also
Zwergpalmen sind, während sie in dem benachbarten Ovampo-Lande
60 Fuss hoch werden.
Viel verwickelter ist die Aufgabe, eine natürliche Grenze zwischen
der Kalahari und Natal festzuhalten. Zwar scheinen die
Palmen der Ostküste die Drakenberge nirgends zu überschreiten und
weder in der Transvaalschen Republik nocli in der des Orange-Flusses
Absonderung von den Nachbarfloren. 175
vorzukommen, aber doch würden sie hier an gewissen Punkten hinlängliche
Feuchtigkeit finden. Die Drakenberge bilden, wie alle
Gebirgsketten des tropischen Afrikas, nicht einen zusammenhängenden,
gleichartigen Kamm, sondern ihre hohen Gipfel sind durcli
Zwischenräume unterbrochen, die, wie bereits nach Livingstone's
Auffassung erläutert wurde, den Passat des indischen Meers ungebrochen
in die jenseitigen Hochebenen eintreten lassen, so dass derselbe
an günstig gelegenen Orten seinen Wasserdampf entladen kann.
Hier giebt es wirkliche Flüsse, die, vom Gebirge gespeist, sich zum
Gariep'und Limpopo vereinigen. Die ergiebigeren Niederschläge
und die fliessenden Gewässer sind die Bedingungen, unter denen die
Hochgräser der Savanen und reidier belaubte Baumformen auftreten.
Für die Palmen liegt das Land vielleicht zu hoch, oder das Gebirge
hemmt ihre Einwanderung. Hat es nun aber den Anschein, als ob
die Savanen allmälig in die dürre Wüstensteppe der Kalahari übergingen,
so liegt dieser Erscheinung doch nichts weiter zu Grunde,
als dass, wie die Formationen zweier Gebiete sich vermischen, so
auch die Klimate je nach der Erhebung des Bodens, nach der Lage
der Bergseiten, nach der Zugänglichkeit für die östlichen Regenwinde,
mannigfaltig in einander greifen. Die allgemeine Ostgrenze
der Kalahari kann daher naturgemäss durch die Drakenberge bezeichnet
werden, obgleich sich in den üebergangslandschaften die
meisten Formationen Sudans noch einmal örtlicli wiederholen, gerade
so wie auf den südlichen Bergländern Europas auch die Physiognomie
des Nordens wiederkehrt.
Die Südgrenze der Kalahari gegen das Kapland bildet der
Stromlauf des Orange-Flusses oder Gariep, und hier hat schon
BurchelH^), als er in gleichem Abstände von der Ost- und Westküste
diesen merkwürdigen Thaleinschnitt überschritt, von dem auffallenden
Gegensatze der zu beiden Seiten ausgebreiteten Landschaften
genaue Nachrichten gegeben. Harvey 44) hingegen meint,
dass die Kapflora im Norden keine ))sehr bestimmte« Grenze habe,
und dass der Orange-FIuss nicht als solche gelten könne, weil dessen
unterer Stromlauf die Wüstenflora von Namaqua nicht umsäume,
sondern mitten hindurch fliesse. Gegen diese Behauptung ist zunächst
einzuwenden, dass im Westen, wo der Gariep das kleine südliche
von dem grossen nördlichen Namaqualande trennt, allerdings
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