
24 VI. Indisches Monsimgebiet.
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Schäften ausweichen. Sie fehlen dem Tafellande Vorderindiens,
dessen nördlichen und westlichen Abhängen sie angehören ^ während
sie an der regenarmen Küste von Koromandel nur im Thale des
Godaverystroms auftreten: ebenso wenig werden sie unter dem
Aequator, weder in Sumatra noch in Borneo angetroffen. Im
nordwestlichen Hindostán sind sie an den Vindhya-Bergen^ im Flussgebiete
des Nerbada, am ausgedehntesten, kehren dann an der Küste
Hinterindiens in Pegu und Tenasserim wieder und erscheinen jenseits
des Aequators noch einmal im östlichen Java und auf einigen
der kleinen Sundainseln, wo die Niederschläge abnehmen oder von
sandigem Erdreich verschluckt werden So wird von Sumbawa
a n g e f ü h r t dass, je reiner die regenlose Jahrszeit ausgebildet ist,
auch die Wälder viel allgemeiner in dieser Periode ihr Laub verlieren.
Die entlaubten Teakbäume Javas, die daselbst gesellig wachsen,
gleichen den mit der Mistel bewachsenen Laubhölzern unseres
Winters, nur dass in viel grösserem Massstabe die Epiphyten, Farne
imd Loranthaceen auf ihren kahlen Aesten fortgrünen, während die
letzteren zugleich ihre farbigen Blüthen entfalten.
Die wegen immergrüner Belaubung von der Esche abgesonderte
Tamarindenform ist nächst der des Lorbeers unter den dikotyledonischen
Bäumen der Tropenwälder die häufigste Erscheinung, die
namentlich durch Leguminosen, Sapindaceen, Meliaceen und Terebinthaceen
vertreten wird. Der in Indien allgemein vorkommende
Toona-Baum (die Meliacee Cedrela Toona), dessen Holz geschätzt
wird, ist der Esche in den gefiederten Blättern ähnlich. Durch verminderte
Zahl der Seitenorgane geht die Tamarindenform allmälig
in einfachere Laubgestaltungen über. Bei dem Ploso [Butea frondosa)
besteht das Blatt nur aus di-ei Abschnitten von bedeutender
Grösse : dieser Baum, einer der häufigsten in den trockenen Klimaten
Indiens, ist auch im entlaubten Zustande, mit reichen, fast zwei Zoll
langen, feuergelben Schmetterlingsblüthen beladen, ein herrlicher
Schmuck der Landschaft. Unter den Aurantiaceen, die sämmtlich
aus dem Monsungebiete abstammen, wird das gefiederte Blatt bei den
Agrumen [Citrus] zum einfachen Lorbeerblatt, indem die Seitenabschnitte
ganz unterdrückt, aber durch die Gliederung und Form
des Blattstiels noch angedeutet sind.
Mit dem Ploso ist in Dekkan die Mimoseenform gesellig ver-
Tamarindenform. — Mimoseenform. — Casuarinenform. 25
bunden und ebenfalls ein Ausdruck hoher Wärme in einer völlig
regenlosen Jahrszeit. Hiebei scheint es bemerkenswerth, dass, wie
der Ploso eine Kinosorte liefert, auch'ein unter gleichen Bedingungen
stehender und mit ihm in Gemeinschaft wachsender Mimoseenbaum
[Äcacia Catechu) durch die Produktion von Gerbsäuren hervorragt.
Wenn man von den feuchten Jungles des indischen Himalaja in die
dürren, waldlosen Ebenen des Punjab übergeht, äussert sich der
Gegensatz des Klimas in der Physiognomie der Landschaft dadurch,
dass dort die Lorbeerform, hier die der Mimoseen und Dornsträucher
vorwaltet. Mimoseenbäume [Albizzia, Acacia) sind es auch, die in
den Savanen an der Südküste Javas zu lichten und unvermischten
Beständen sich vereinigen, sie erheben sich, frei von Lianen und
Epiphyten, über der Grasmatte des Kalkbodens ^s).
Der üebergang der Lorbeer- zur Olivenform und dieser zu der
schmalen Blattgestalt der Nadelhölzer ist in den indischen Coniferen
dargestellt [Podocarpus^"^)], welche die oberen Waldregionen der
javanischen Gebirge bewohnen. Zuletzt geht die Blattnadel in der
australischen Casuarinenform ganz verloren, bei welcher durch blattlose
Zweige die Thätigkeit des Laubes ersetzt wird. Die Casuarinen
[C, eqiiisetifolia), anscheinend vom australischen Kontinent aus verbreitet,
werden an den sandigen Küsten des tropischen Asiens bis zu
den Südseeinseln zu einer bedeutenden Landschaftsform, aber sie
treten auch in den Gebirgen der Sundainseln auf (C. montana) und
bilden hier an gewissen Orten die sogenannten Tjemoro-Wälder
(4500—9500 Fuss), deren Boden dürr und kahl ist^S)^ i;nd wo die
gemeinsamen Bedingungen ihres Vorkommens zu erkennen sind. In
dem porösen Erdreich, in welchem sie sowohl am Meere, als im Gebirge
wurzeln, werden die Niederschläge nicht zurückgehalten, auch
ist die Humuserzeugung aus Blattnadeln oder Casuarina-Zweigen
geringfügig. Dasselbe Verhältniss kann aber auch durch verminderte
Niederschläge bedingt sein, und auf diese Weise nähert sich
die Lebenssphäre dieser Baumform, ebenso wie die der Eukalypten
auf Timor, den klimatischen Bedingungen der australischen Flora.
In den Battaländern des nördlichen Sumatras, wo die Grenzen der
Regionen hinabrücken, sind die Berg-Casuarinen von einer Kiefer
mit langen Blattnadeln [Pinns Merkusii) begleitet: die Pinus-Arten,
welche von hier aus über die Gebirge Hinterindiens mit den chinesischen
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