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22 VI. Indisches Monsimgebiet. Lorbeerform. — Sykomorenform. 23
boden eindringen und oben, an ihrem Vereinigmigspunkte, den frei
in der Luft schwebenden Stamm tragen. In einem weichen Boden,
der täglich zweimal vom Meere hoch überfluthet wird, würde eine
Keimung des Samens und Befestigung der Keimpflanze unmöglich
sein, auch ist das Laub nicht bestimmt, vom Wasser berührt zu
werden. Deshalb trennen sich die schotenförmig ausgestreckten und
abwärts hängenden Früchte erst dann von ihrem Mutterstamm, wenn
ein neuer Baum aus ihnen entstanden ist, der wie ein Fahrzeug, das.
auf mehreren Ankern ruht, kräftig genug gestützt wird, um der Bewegung
der Wellen Widerstand zu leisten.
Die Anschwellung des Stamms, wodurch die Bombaceen- vo»
der Lindenform abweicht, ist im tropischen Asien ohne bedeutende-
Vertreter. Indessen ist die Stärke, der Stämme auch hier oft weit
beträchtlicher, als in der gemässigten Zone. Die breiten oder fächerförmig
getheilten Blattgestalten sind bei diesen Baumformen häufig
unter den Fruchtbäumen besitzt sie der Brodbaum {Artocarpus incisa),.
dessen Kulturgebiet von den Sundainseln bis zu den fernsten pacifischen
Archipeln reicht. Einige Araliaceen [Heptapleurum) verhalte»
sich in ihrer Stammbildung der Bombaceenform, der sie in ihrer Belaubung
gleichen, gerade entgegengesetzt, sie bilden einen Uebergang
zu der amerikanischen Clavija-Form. Sie tragen nämlich, wie monokotyledonische
Bäume, nur auf dem Gipfel des einfachen Stammsoder
der Aeste ihre grossen, fächerförmig zusammengesetzten Blätter,
sind aber nur von geringer Grösse.
Wenden wir uns nun von den Stämmen der dikotyledonischen-
Bäume zu der Bildung ihrer Blätter, so finden wir das klimatisch,
bedeutendste Moment in der Dauerhaftigkeit ihres Gewebes. Daa
immergrüne Laub in seiner lange Zeit anhaltenden Thätigkeit entspricht
der gleichmässigen Wärme der Tropenzone und wird mit der
zunehmenden Dauer der Regenperiode zur vorherrschenden Gestaltung
des Waldes. Unter allen im Jungle vereinigten Bäumen ist die
Lorbeerform die häufigste und in der Reihe der Familien, denen dieseeinfache
Laubgestaltung zukommt, lassen sich wiederum einige Verschiedenheiten
nach den Feuchtigkeitsgraden, deren sie bedürfen,,
erkennen. Die Laurineen selbst gehören zu denjenigen Gruppen,
die unter demEinfluss ununterbrochener Niederschläge in der Wolkenregion
des Himalaja und der Sundainseln vorzugsweise gedeihen.
Dass aber hiebei die Organisation der Fortpflanzungsorgane, oder,
was dasselbe ist, die systematische Stellung nicht allein massgebend
sei, geht schon daraus hervor, dass unter denselben klimatischen
Bedingungen auch die immergrünen Eichen und Kastanien Javas
stehen und daselbst mit den Laurineen in Gesellschaft wachsen.
Einige Familien aus dem Kreise der Lorbeerform sind in den meisten
Tropenländern im Bereich ihrer feuchten Wälder artenreich, wie die
Rubiaceen, Urticeen, Anonaceen, Sapoteen, Combretaceen. Aber
mit anderen Floren der alten Welt verglichen, ist das Monsungebiet
nicht bloss überhaupt reicher an Vertretern dieser Baumform, sondern
auch in mehrfacher Beziehung eigenthümlich ausgestattet. So
sind hier die Guttiferen, Ternstroemiaceen [Sauratjja] und Myristiceen
am zahlreichsten; zu den Magnoliaceen [Michelia), Myrtaceen
[Barringtonia) und Hamamelideen [AUingia] gehören durch Häufigkeit
des Vorkommens ausgezeichnete Gattungen ; die Dipterokarpeen
sind fast ganz auf das tropische Asien eingeschränkt. Endlich bilden
hier die Amentaceen feinen bedeutenden Bestandtheil der Wälder
in jener feuchten Zone, die vom indischen Himalaja durch Hinterindien
über den Archipel sich erstreckt. Unter den in technischer
Beziehung wichtigsten Bäumen sind zwei Dipterokarpeen anzuführen,
der als Bauholz geschätzte Salbaum [Shorea rohusta), der längs des
Terai am Fuss des Himalaja einen schmalen, vom Gangesdurchbruch
bis zum Brahmaputra in Bootan fast zusammenhängenden Waldgürtel
bewohnt 26), und der Kampherbaum Borneos [Dryohalanops
Camphora), dessen Erzeugniss mit dem aus einer chinesischen Laurinee
[Cinnamomum Camphora) gewonnenen Kampher, so wenig auch
beide Gewächse systematisch verwandt sind, doch völlig übereinstimmt.
Einige Bäume der indischen Jungles werfen in der trockenen
Jahrszeit ihr Laub ab und entsprechen der Sykomorenform Afrikas.
Zu diesen gehört der als Bauholz wichtigste Baum des Monsungebiets,
der Teak (die Verbenacee Tectona grandis), durch grosse und breite
Blätter ausgezeichnet, deren Durchmesser einen Fuss und mehr beträgt.
In vielen Gegenden sind die Teakwälder durch den Verbrauch
verschwunden, doch lehrt ihre Verbreitung noch jetzt, dass sie eines
mittleren Grades von Feuchtigkeit bedürfen und sowohl den anhaltenden
Niederschlägen des Aequatorialklimas als den dürren Land-
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