
16 VI. Indisches Monsungebiet. Pandanusform. — Pisangform. — Farnbäume. 17
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Zeitraum von drei bis vier Monaten und sinkt dann, in der trockenen
Jahrszeit absterbend, zu B o d e n U n t e r welchen Bedingungen
gewisse Arten von Bambusen auch bei niedrigen Temperaturen gedeihen,
wird bei den Regionen des Himalaja nachgewiesen werden,
wo dieselben in Sikkim bis zur Baumgrenze ansteigen.
Die Pandanusform, die von den Palmen sich durch eine Rosette
von einfachen, starren Schilfblättern unterscheidet, pflegt den Stamm
zwar in einige Aeste zu theilen, aber die Lauborgane krönen deren
Gipfel, wie bei anderen monokotyledonischen Bäumen. Wechselnd
in ihren Grössenverhältnissen und von dem Jungle nicht ausgeschlossen,
sind die Pandaneen für die Küstenphysiognomie des Monsungebiets
und namentlich auf den Südseeinseln besonders charakteristisch,
wo sie, auf Luftwurzeln gestützt, den dürren Sandboden
oder auch den nackten Fels bewohnen. Nach ihrem Vorkommen zu
urtheilen, scheinen sie weniger des dauernden Wasserzuflusses durch
die Wurzeln, als der Feuchtigkeit der Luft zu bedürfen, die ebenso
wie die Festigkeit ihres bläulich fahlen Laubes, den Saft zu entweichen
hindert. Auch unter den Pandaneen giebt es stammlose
Formen, die auf dem sumpfigen Küstenboden einiger Molukken der
Nipa-Vegetation entsprechen [Pandanns caricosus), und in einer auf
den indischen und pacifischen Inseln weit verbreiteten Gattung {Fretjeinetia)
wiederholt sich auch der rankende Wuchs der Rotangpalmen.
Das weichere und biegsamere Blattgewebe der der Pandanusform
übrigens so ähnlichen Liliaceenbäume ist auf dem indischen Archipel
durch einige Dracaenen [CordyUne] vertreten, aber im Ganzen dem
Monsungebiete ziemlich fremdartig.
Die Pisangform trägt eine Rosette von ungetheilten, breiten,
elliptisch gerundeten, glänzend grünen Blättern, die in der Richtung
der Gefässbündel wegen ihrer Grösse leicht zu Fetzen zerreissen.
Der einfache Stamm bleibt verhältnissmässig niedrig und weich,
wenn auch seine Dicke leicht einen Fuss betragen mag. Dass der
Pisang und die Banane [Mtisa paradisiaca und M. sapientum), diese
Nahi^ingspflanzen ersten Ranges unter den Tropen, aus Indien stammen,
obgleich sie schon vor der Entdeckung Amerikas in diesen
Erdtheil gelangt zu sein scheinen, hat bereits R. Brown aus der Verbreitung
der übrigen Arten dieser Gattung gefolgert und es fehlt
auch nicht an Beobachtungen, dass jene Bäume noch jetzt in
Hinterindien und auf einigen Inseln des Archipels als einheimische
Erzeugnisse des Jungle angetroffen werden ^o). Sie entsprechen daher
einem Klima von intensiven Regenzeiten und gleichmässiger
Tropenwärme. Weniger sind sie von der Höhe der Temperatur
abhängig, in Java wächst der Pisang noch im Niveau von 6000 Fuss
allgemein und in grösster Ueppigkeit, wo Junghuhn die Mittelwärme
zu 14 0 bestimmtest), ^b^r in den Wäldern dieser Region sind
die Niederschläge noch weit stärker, als an der Küste, es ist die
eigentliche Wolkenregion der Insel, wo dichte Nebel sich täglich in
den Morgenstunden bilden, um später in Regengüsse sich aufzulösen.
Der natürliche Standort der Pisangform ist der schattige Raum des
Junglewaids, im Archipel werden etwa zehn Arten unterschieden.
Durch die Farnbäume, deren Laubrosette der der Palmen ähnlich
ist, aber aus mehrfach getheilten, zarter gebildeten Blättern
besteht, wird die Reihe der Formen mit unverzweigtem Holzstamm
abgeschlossen. Ihre geographische Verbreitung beweist, dass sie
unter ähnlichen klimatischen Bedingungen stehen, wie der Pisang,
dass aber einzelne Arten über dessen Kulturgebiet hinausreichen.
Sie fehlen den Wäldern des Tafellandes von Dekkan, wie die Aroideen,
die Piperaceen und Laurineen, alle diese Familien treten aber
in den feuchten Jungles des indischen Himalaja auf. Von hier aus
begleiten die Farnbäume die feuchten Klimate Hinterindiens bis zur
Aequatorialzone des Archipels, wo sie an Mannigfaltigkeit zunehmen.
In Java bewohnen sie, in den Arten wechselnd, die Gebirge, so weit
sie bewaldet sind, bis zu den Gipfeln (1200—9000 Fuss). Auch
auf den Philippinen beginnen sie erst über demNiveau von 1000 Fuss
im Jungle sich zu z e i g e n -^vo die Luft sehr feucht ist. Ihr
schlanker Stamm ist in den meisten Fällen von geringer Höhe und
erreicht die Krone der beschattenden Laubhölzer nicht. Zu der
elastischen Biegsamkeit des übrigens festen Holzkörpers tragen ohne
Zweifel die den Farnen eigenen gestreiften Gefässe bei, die ihn erfüllen.
Die in der unteren Waldregion Javas häufigste, von Junghuhn
abgebildete^^) Art [AhopMla contaminans) wird nur 10 bis
15 Fuss hoch und breitet ihre Gipfelrosette von feingefiederten Blattwedeln
in sanft gewölbtem Bogen zu einem Schirm aus, dessen
Durchmesser der Stammhöhe gleicht. Aber merkwürdig ist es, dass
einer der grössten Farnbäume, dessen Stamm aber doch im Verhältniss
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