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sie begleitenden j in unerschöpflicher Mannigfaltigkeit sich darbietenden.
Stauden mit ihrem Blüthenschmnck befördert 7a\ werden.
Als Weideland nehmen daher die Campos keinen so holien Hang ein,
wie die Grasebenen anderer Kontinente.
Eine bemerkenswerthe Staude der Urwälder ist die Ipecacuanha
(die Kubiacee Cephadis Ipecacuanha), die, als sie in den Küstenland-
Schäften selten geworden war und dem Bedarf nicht mehr genügte,
in den Pantanals von Mattogrosso aufgefunden wurde wo sie so
häufig vorkommt, dass die Befürchtung, diese unersetzliche Arzneipflanze
einmal aus dem Handel verschwinden zu sehen, seitdem
weniger gerechtfertigt ist. Sie kann als ein Beispiel der Verbindungen
gelten, wodurch die Vegetation an den inneren Stromniederungen
mit der Küstenzone verknüpft wird.
Yegetationsformationen. Die Wälder Brasiliens und
ebenso auch andere Formationen werden von den Bewohnern durch
besondere Bezeichnungen unterschieden. Der dem Ete der Hylaea
entsprechende, aber noch formenreichere Urwald heisst Mato virgem :
gelichtet erzeugt der Boden desselben, nun mit anderen Holzgewächsen
sich einförmiger bekleidend, den Capoeira. Wo im Inneren durch die
Feuchtigkeit des Bodens, wenn die Erdkrume sie zurückhält oder
Sümpfe und Zuflüsse aus den Strömen sie anstauen; die regenlose Jahrszeit
ausgeglichen wird, können dem Mato virgem ähnliche immergrüne
Wälder von geringem Umfange entstehen, die Capóes [Waldinseln
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genannt werden.
Kaum ist irgendwo auf der Erde, wenn nicht im indischen Archipel,
die Pracht der Tropennatiir mit so glänzenden Farben gepriesen
worden, alsimUrwalde der brasilianischen Küstenlandschaft.
Aber wie die feuchte Wärme des Klimas die Empfängliclikeit des
Gemüths herabstimmt und wie die Mühsal, in das verwachsene
Dickicht einzudringen und von den Bäumen und ihren Lianen sich
die Blüthen und Früchte zu. verschaffen, dem Beobachter beschwei'-
lich ist, so dass die Kenntniss aller einzelnen Bestandtheile auch in t
den am meisten besachten Gegenden noch immer unvollständig bleibt,
so weicht das anfängliche Staunen über ein solches Mass vegetativer
Bildungskräfte bald einer gewissen Ermüdung, welche durch die
Wiederholung gleichartiger Eindrücke erhöht wird. Die Einzelnheiten,
sagt ein neuerer R e i s e n d e r . erscheinen wunderbar, die
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Gesammtheit lasse unbefriedigt, dieser Fülle sich gegenseitig stützender
Organismen fehle es an Harmonie, es fehle an Luft und Beleuchtung,
durch keinen Horizont werde das Bild abgegrenzt, durch
eine drückend heisse, mit Modergeruch erfüllte Atmosphäre werde
das Herz beengt, welches an freien Fernsichten sich ausweitet und
durch das Unbegrenzte sich erleichtert fühlt.
Die offener, gelegenen Abhänge des Orgelgebirgs bei Rio sind
sowohl in der Mischung' der Baumformen, als in der Menge der
Epiphyten und Schattengewächse reicher ausgestattet, aber von minder
grossartigem Wachsthum geschmückt, als die tiefen, mit fettem
Humus erfüllten Flussthäler . In diesen bilden starke Baumkolosse,
von kleineren Stämmen weithin umgeben, ein so dichtes Laubdach,
dass die Lichtstrahlen vom Boden abgehalten werden. Deshalb fehlt
das niedrige Gebüsch und die Bäume sind arm an Epiphyten. Zu
den auffallendsten Baumgestalten gehören einige Myrtaceen und die
Ayri-Palme [Astrocaryum Ayri). Von den Baumformen, welche die
Gebirgswälder von Rio enthalten, fehlen in diesen dunklen Gründen
die Farnbäume, die Bambusen , die dort, in den Lichtungen am
oberen Saume des hochstämmigen Waldes 50 Fuss hoch werden,
ferner die in dessen Schatten wachsenden Kohlpalmen [Euterpe ole~
raced und die durch ihre grossen, weisslichen Blätter ausgezeichneten
Cecropien.
In den Campos entfalten die Capóes eine ähnliche Ueppigkeit
innig verbundener Vegetationsformen, hier gewährt der Wechsel der
Formationen selbst ein anziehendes Landschaftsbild. Von aussen
betrachtet gleichen diese Capóes bewaldeten Hügeln, indem die höheren
Stämme den Mittelpunkt einnehmen und von niedrigeren Bäumen
stufenweise umgeben sind ; im Inneren herrscht die Lorbeerform,
die daselbst durch eine Menge verschiedener Pflanzenfamilien vertreten
ist . Man erkennt auch in dieser Anordnung, wie die
Feuchtigkeit des Erdreichs, welche die Capóes von den übrigen Formationen
der Campos abscheidet, durch die Bäume selbst und ihre
unterirdischen Organe zurückgehalten wird.
In den Pantanals an den westlichen Strömen dehnen diese
feuchten Waldinseln sich zu einer zusammenhängenden Uferwaldung
aus, weil durch das tiefe Niveau des Flussthals die Bewegung des
Wassers gemässigt wird. Dadurch unterscheiden sich diese Wälder
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