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528 XXIV. Oceanische Inselu.
des stillen Meers liegen, haben auch in ihrem Klima einen gemeinsamen
Typus, der dem von Jamaika ähnlich ist. Sie sind an ihrer
Windseite, wo die Wolken zu jeder Zeit sich sammeln können,
feuchter und dichter bewaldet. Aber wenn an den Leegehängen
auch wenig tropischer Regen fällt und die dürftigere Vegetation auf
dürrem Felsboden dies erkennen lässt, so kann durch die Bewässerung
der Thäler von den Höhen aus doch auch hier die Fruchtbarkeit
gross sein. Auf Hawaii, wo man auf eine fünfmonatliche Regenzeit
rechnet (Mai — September), ist der Niederschlag an der Küste unbedeutend,
aber schon eine Stunde landeinwärts unterhält die herabfliessende
Feuchtigkeit, gespeist von der Wolkenregion der Gebirge,
ein beständiges Grün, der grösste Theil der Insel erscheint mit üppiger
Vegetation bekleidet, die Pflanzungen der Cocospalmen und
des Brodbaums wechseln mit Zuckerrohrfeldern und über der kultivirten
Niederung breitet ein Waldgürtel rings um die Vulkane sich
ausJ9).
Die meisten endemischen Pflanzen der Sandwich-Inseln bewohnen
die Waldregion (900—5600 Fuss): nur etwa 20 Arten kommen
auch anderswo vor 50). Der herrschende Waldbaum, die Koa {Acacia
Koa), breitet seine Kronen über ein verwachsenes Dickicht von
immergrünem Unterholz aussi). Die Koa verbindet, wie gesagt, den
Typus der neuholländischen Acacien, bei denen das Mimosenlaub
unterdrückt wh'd, mit den tropischen Arten, die dasselbe ausbilden.
Sollte dieser Baum wirklich derselbe sein, wie. die ähnliche Acacie
von Bourbon, so möchte man hierin einen bestimmten Ausnahmsfall
von der Einheit der Vegetationscentren erblicken: in der That wird
dies noch von zwei anderen Gewächsen angenommen, die dem Sandwich
Archipel mit Bourbon gemeinsam sein sollen [Boehmeria stipulamund
CarexCommersoniana). Sind sie dagegen bei genauerer Vergleichung
als besondere Arten zu unterscheiden, so kann man die
Erscheinung mit der Verwandschaft der arktischen und antarktischen
Flora vergleichen und sie auf das Gesetz der klimatischen
Analogieen zurückführen. Auch unter den übrigen Bäumen, welche
die Koa begleiten, finden sich einige australische Gattungen {Metrcsideros,
Myoporum) : eine derselben {Santahm) ist durch die Ausfuhr
des wohlriechenden Santelholzes'bereits selten geworden. Bei den
Holzgewächsen des Unterholzes, welches aus mannigfachen Sträul
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Sandwich-Inseln. 529
ehern und kleineren Baumformen gemischt ist, kommen solche systematische
Beziehungen zur australischen Flora nur vereinzelt vor
(bei Exocarpus, Scaevola, Cyathodes) : die meisten stehen überhaupt
in keinem nähern Verhältniss zu einem bestimmtem Stammcontinent.
Die grösste, fünf endemische Gattungen umfassende Reihe von Arten
(29) bildet eine abgesonderte Gruppe der Lobeliaceen. In diesen
und anderen Fällen, bei den Violaceen [Isodendrion], den Caryophylleen
[Ahinidendron), den Geraniaceen [Geranium arhoreum) und den
Synanthereen [Raillardia, Wilkesia, Hesperomannia) treten hier Holzgewächse
in Familien und Gattungen auf, bei denen die Bildung
holziger , Stämme auf den Kontinenten ganz ungewöhnlich oder auf
entlegene Länder beschränkt ist. Waren es auf den atlantischen
Archipelen Halbsträucher, die diesen oceanischen Typus zeigten, so
sind es hier wirkliche Holzgewächse, die in der Wolkenregion stetig
fortwachsen können und also niclit nöthig haben, gegen Unterbrechungen
ihrer Entwicklung sich durch bloss unterirdische Stämme
zu schützen, wie die ihnen verwandten Stauden periodischer Klimate.
Andere Sträucher und Bäume und auch die meisten übrigen endemischen
Gewächse der Sandwich-Inseln stehen als durchaus selbständige
Erzeugnisse mit den Floren der verschiedensten Küstenlandschaften
des stillen Meers in systematischer Beziehung, theils mit
dem tropischen A«ien, theils mit Nord- und Südamerika, oder mit
den übrigen oceanischen Archipelen 52). Unter den endemischen
Sträuchern sind nächst den Lobeliaceen die Rubiaceen (28), die Rutaceen
(17) und die Araliaceen (7) am zahlreichsten. Durch die
monokotyledonischen Holzgewächse ist die Flora mit den Inseln des
indischen und stillen Meers verknüpft (durch die den letzteren eigenthümliche
Palmengattung Pritchardia, ferner durch Freydnetia, Dracaena,
Flagellaria): aber im Gegensatz dazu fehlen andere asiatische
Formen, wie die epiphytischen Orchideen und unter den Bäumen die
Ficus-Arten.
Ueber der Waldregion ist der Maunaloa fast ganz von Lavaströmen
bedeckt, und in einem geringen Abstände von den umwölkten
Höhen verschwindet daher bereits fast jede Vegetation (bei 6600
Fuss): über dem Niveau von 8400 Fuss wurde daselbst ausser einem
durch vulkanische Dämpfe befeuchteten Moose keine einzige Pflanze
mehr aufgefunden 49). Dass aber selbst Bäume an weit höher
G r i s e b ach , Vegetation der Erde. II.