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142 VIII. Sudan.
ganz unabliängig- zu sein. Wäre die lange Dauer seines kontinentalen
Fortbestehens seit den ältesten Perioden dabei von Einfluss
gewesen, so ist nicht zu begreifen, weshalb einzelne Gegenden eines
Vorzugs geniessen, und gleich sehr widerspricht es den Vorstellungen
von der Vervielfältigung der Organisationen im Verlauf grosser Zeiträume,
wie von der Verdrängung einer früheren Mannigfaltigkeit
durch spätere Einwanderungen, wenn wir sehen, dass die meisten
Pflanzenfamilien an Bestandtheilen arm, die Gramineen hingegen so
überaus reich sind. Wäre irgend eine Kraft thätig gewesen, die
Flora des tropischen Afrikas in dem einen oder anderen Sinne umzugestalten,
wie hätte sie in verschiedene Gruppen entgegengesetzt
eingreifen sollen? Je unregelmässiger Vertheilung und Wirkungsweise
der Vegetationscentren erscheinen, desto mehr müssen die Erklärungsversuche
sich bescheiden stehen zu bleiben vor dem Geheimniss
der Zeugungskraft, die zwar, was sie hervorbringt, den physischen
Bedingungen anpasst, aber nicht Alles, was lebensfähig wäre,
auch wirklich ins Dasein ruft.
Ungeachtet der Einförmigkeit Afrikas haben sich die meisten
Länder Sudans, die genauer erforscht wurden, als besondere Sy-'
steme von Vegetationscentren erwiesen, namentlich im Westen Senegambien,
das Aequatorialgebiet und Angola, im Osten Nubien,
Abessinien, Mozambique und Natal. Allein der physischen Gleichartigkeit
des Kontinents entspricht es, dass die Vermischung der
Erzeugnisse einen hohen Grad erreicht und nicht bloss zahlreiche,
sondern auch physiognomisch bedeutsame Pflanzenarten von Küste
zu Küste und von Norden nach Süden weithin verbreitet sind. Im
Tieflande zeigt sich dies namentlich bei der vorhin erwähnten Vergleichung
Nubiens und Senegambiens, zweier Länder, die durch den
grössten Durchmesser des Kontinents von einander getrennt sind.
Eine naturgemässe Eintheilung Sudans in engere Vegetationsgebiete
wird durch solche Verhältnisse und durch die Aehnlichkeit der
Pflanzenformen und Formationen erschwert. Weit merkwürdiger
aber ist die aus Manns Sammlungen von Hooker nachgewiesene Verknüpfung
der Gebirgsfloren Abessiniens mit dem Camerún und Fernando
Po 45). Die Hälfte sämmtlicher Arten und fast alle Gattungen
sind identisch. Man kann diese Erscheinung vergleichen mit dem
Vorkommen der Alpenpflanzen in Norwegen oder am Kaukasus und
Absondenmg der Centren. - Systematischer Charakter der Flora. 143
der räumliche Abstand der Gebirge ist in beiden Fällen ziemlich
derselbe. Dass, wie Hooker meinte, die alte Vorstellung von den
Mondbergen, von einer Gebirgskette, die sich durch das unerforschte
Gebiet von Abessinien bis zur Bai von Guinea erstrecke, durch die
Verknüpfung so entfernter Vegetationscentren unterstützt werde,
wurde schon im Eingange dieses Abschnittes als problematisch bezeichnet.
Ein nicht aus Kettengebirg, sondern aus Terrassen gebildetes
Hochland verbindet ohne Zweifel Abessinien mit den Nilseen
und reicht in seinem äquatorialen Abschnitt bis zur Mitte des Kontiuents,
aber der noch übrige unbekannte Raum zwischen dem
Albert-Nyanza und dem Camerún ist nicht grösser, als der Abstand
von den Alpen bis zu den norwegischen Fjelden, deren gemeinsame
Pflanzen mittelst atmosphärischer Agentien über das Tiefland und
Meer gewandert sind. Freilich hat Norwegen nicht so viel Antheil
an der Alpenflora, wie der Camerún an Abessinien, und von den
Holzgewächsen, die hier vielfach übereinstimmen; haben sich nur
wenige von den Alpen bis zum europäischen Norden verbreitet.
Aber man braucht nur an die Cederwälder des Atlas, des Taurus
und des Himalaja sich zu erinnern, die durch noch grössere Zwischenräume
getrennt sind, um sich zu überzeugen, dass auch Bäume entlegene
Gebirge bewohnen können, die durch Höhenzüge unverbunden
sind.
Der Charakter der Vegetationscentren beruht unter den Tropen
in weit höherem Grade, als in den beiden gemässigten Zonen, auf
khmatischen Einflüssen. Mit zunehmender Wärme und Feuchtigkeit
wächst der Reichthum tropischer Organisationen ; weniger übereinstimmend
sind die Familien, die im gemässigten Gebirgsklima oder
in den trockenen Savanen an Mannigfaltigkeit überwiegen. Von
den Vegetationscentren der feuchteren Gegenden Westafrikas giebt
Hooker's Niger-Flora«) eine Vorstellung. Vergleicht man sie mit
denen Westindiens oder Guineas, so stimmt sie darin überein, dass
zu den reichsten Familien die Leguminosen und Rubiaceen gehören,
während sie sich durch Vermehrung der Gramineen Acanthaceen
und Malvaceen, durch Abnahme der Orchideen, der Melastomaceen
und Myrtaceen unterscheidet. Indessen ist wegen der
Lückenhaftigkeit der Materialien, welche dem Werke über die
Niger-Flora zu Grunde lagen, eine Bestätigung oder Berichtigung