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278 XIII. Prairieengebiet.
Südliche Prairieen.
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Osten fliessenden Gewässer nur durch unbedeutende Bergzüge 7) geschieden
sind, so zeigen Klima und Vegetation von der Sierra Madre
in Sonora bis zum innern Texas und vom Gila bis zum Wendekreise
emen übereinstimmenden Charakter. Das obere Stromgebiet des
Rio del Norte, sowie der Norden Mexikos diesseits der Tropen besteht
durchaus aus dürren Landschaften 5), zum Ackerbau genügen
die atmosphärischen Niederschläge nicht, auch hier sind die Wälder
von der ebenen Hochfläche ausgeschlossen s) und auf die Bergabhänge
emgeschränkt. Die Regenarmuth ist schon eine Folge der hohen
Lage dieser Plateaus, das mittlere Niveau der Thalfurche von Neu-
Mexiko beträgt gegen 4000 Fuss und steigt in Santa Fé, sowie im
südwestlichen Chihuahua auf 6-7000 Fuss«), um allmälig in die
gleich hoch gelegenen tropischen Hochebenen überzugehen Aber
auch von auswärts empfangen die südlichen Prairieen wenig Wasserdampf.
Die Polarwinde wehen von den Prairieen des Missisippigebiets
herüber und verlieren auf dem weiten Wege, den sie von
ihren Dampfquellen bis hieher zurückzulegen haben, ihre Feuchtigkeit.
Dass bei westlichen Luftströmungen die Heiterkeit des Himmels
nur unter besonderen Bedingungen gestört wird, ist eine Wirkung
der in dieser Richtung vorliegenden Sierra Madre, der Cordillere
von Sonora, scheint aber wenigstens zum Theil auch mit der niedrigen
Temperatur des die kalifornische Halbinsel bespülenc^en Meeres
m Beziehung zu stehen, wie an einem andern Orte näher erörtert
werden wird.
So ist das Klima der südlichen Prairieen dem der nördlichen
ähnlich, trocken, aber weniger excessiv, als in den höheren Breiten
Em besonderer Unterschied besteht sodann in einer veränderten Anordnung
der Jahrszeiten, die Vegetationsperiode rückt vom Frühling
m den Sommer. Ungeachtet der geringeren Kälte gewinnt dieselbe
doch mcht an Dauer. Denn wenn auch der winterliche Schneefall
aufhört, so umfasst der Mangel an Niederschlägen und die Dürre
des Bodens um so längere Zeiträume. Zu Santa Fé in Neu-Mexiko
(36 0 N. B.) ist der Himmel fast das ganze Jahr heiter lO). Indessen
bemerkt man im Thale des Rio Grande eine Regenzeit, die vom Juli
bis zum Oktober dauert und zunächst weder beständig noch ergiebig
ist, aber in der Richtung zum Wendekreise an Häufigkeit der Niederschläge
zunimmt. Dieser Sommerregen, wahrscheinlich eine Folge
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der Vermischung beider Passate an deren Polargrenze in diesen
Monaten (32^N. B.) bewirkt, dass die Entwickelung der Prairiepflanzen
hier nicht, wie in höheren Breiten, im Frühling, sondern in
einer viel späteren Jahrszeit stattfindet. So stand die Hochebene
zwischen El Paso und Chihuahua, als Wislizenus sie im August
durchreiste, in voller Blüthenpracht. Der Vegetationscharakter von
Neu-Mexiko ist zwar durch die Beschränkung des Baumwuches auf
die Flussthäler nnd die Gebirge, durch die beträchtliche Anzahl übereinstimmender
Arten, auch durch gleiche Halophyten aus der Familie
der Chenopodeen, sowie durch die Cactusform dem der nördlichen
Prairieen ähnlich : allein ebenso bestimmt stellt sich eine Annäherung
an die mexikanische Flora heraus. Diese ist schon durch die erhöhte
Mannigfaltigkeit succulenter Gewächse, durch die Agaven und zahlreichere
Cacteen ausgedrückt, vorzüglich aber durch die allgemein
verbreiteten Gesträuchformationen, die Mezquites, die aus Mimoseen
bestehen, oder die Chaparals, die aus Dornsträuchern gemischt
sind.
An den beiden Abdachungen der südlichen Prairieen zum mexikanischen
lind zum kalifornischen Meerbusen, in Texas und Sonora,
ist das Klima feuchter, als im inneren Hochlande. Die Seewinde
äussern hier ihren Einfiuss. Nicht so sehr in der Regenmenge des
ganzen Jahrs spricht sich dies aus , als in der verlängerten Vegetationsperiode.
Die Nähe der Tropen verstärkt überhaupt die einzelnen
Niederschläge, und daher sind selbst in dem dürren Klima von
Neu-Mexiko 20 Zoll Regen im Jahre nichts Ungewöhnliches, aber
je nachdem sie stetiger und regelmässiger längere Perioden hindurch
anhalten, berühren sie den Charakter der Vegetation durch Aufnahme
neuer Pflanzenformen. Wo die Befeuchtung des Bodens
einen grösseren Theil des Jahrs umfasst, mischen sich Waldungen
in die^rairieflora, und so werden auch hier die Küstenlandschaften
von Texas dem Ackerbau auch ohne Irrigationen zugänglich. In
dem nordöstlichen Theile dieses Staats ist die Vegetation noch der
von Louisiana ähnlich ii), aber westwärts von der Wasserscheide des
Rio Brazos und des texanischen Colorado beginnt eine eigenthümliche
Flora, die hier mit den Gesti'äuchen und Succulenten der südlichen
Prairieen in Verbindung tritt. Sie enthält eine beträchtliche Reihe
von endemischen Gewächsen, die grösstentheils Gattungen der süd-
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