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82 YIl. Sahara,
gering'iugig und kouueu nicht das einzige Mittel sein, hier ein Gleichgewicht
herzustellen. In einigen Fällen staut sich das Wasser zuletzt
zu einem Salzsee, um auf diesem Wege in die Atmosphäre
zurückzukehren, in anderen hat man Grund, einen Znsammenhang
des verborgenen Stromlaufs mit dem Meere zu vermuthen. Die
grössere östliche Hälfte der Sahara vom Meridian von Tunis bis zum
rothenMeer ist nun aber ohne Randgebirge : hier erhebt sich der Boden
vom Mittelmeer aus nicht über das Niveau der innern Landschaften.
Wie können nun hier Oasen entstehen? wie kann der Nordwind hier
die Feuchtigkeit des Meers entladen, wo derselbe die Hochfläche
hinauf in immer mehr erhitzte Gegenden eintritt, wo die Winterregen
auf die Küste eingeschränkt sind und in Aegypten nur bis Kairo
reichen? In der That scheint die östliche Sahara weniger oasenreich
und weniger bewohnt zu sein. Das grösste Oasensystem, das
von Fezzan, wird noch von Westen aus bewässert. Aber die spärlichen
Nachrichten, die wir bis jetzt über die libysche Wüste besitzen,
beweisen doch, dass sie von Aegypten aus in den verschiedensten
Kichtungen durchreist werden kann, dass es daher auch
hier an unterirdischem Wasser nicht ganz fehlt. Einigen Einfluss
hat der Nil selbst, der einzige Fluss, der die tropischen Niederschläge
Sudans in die Sahara einführt und daher die wichtigste Oase
Nordafrikas, die ägyptische, in seinem eigenenThale geschaffen hat.
Merklich verringert sich die AVassermasse dieses Stroms, während er
die Wüste durchscluieidet, und nicht durch Verdunstung allein.
Denn nach Kussegger'sBeobachtungen empfangen die westlich
von Aegypten gelegenen Oasen ihr Grundwasser vom Nil, das über
Thonschichten seitwärts zu ihnen hinabgleitet, indem sie einer Quellen
führenden Thalsenkung entsprechen, welche tiefer als der Strom
eingeschnitten ist und diesem parallel verläuft. Allein die übrigen
Oasen der libyschen Sahara leitet dieser Reisende nur von atmosphärischer
Tha.ubildung ab. Oft ist der Thau freilich der Sahara
ganz abgesprochen. So erwähnt der jüngere Voger-^^^j, dass er von
Tripolis aus imr bis zum 30. Parallkreise Thau bemerkt habe, von
da bis Mursuk nicht mehr, hier habe er den Thaupunkt oft nicht
einmal bestimmen können. Indessen fand seine Reise im Sommer statt,
und im Winter wird die stärkere nächtliche Abkühlung leichter Thau
und Reif hervorbringen können. Auch ist, wie schon erwähnt wurde,
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Temperatur. 83
der Dampfg-oltalt im Nilthalc grösser, als im Westen der Sahara,,
luui so wird es sich wohl überall verhalten, wo der vom Mittelmeer
kommende Passat keine Gebirgsketten getroffen hat. Wenn aber
auch die Luft bei Tage sehr trocken ist, kann doch in der Nacht
Thau entstehen, da die nächtliche Abkühlung durch den völlig
klaren Himmel um so mehr verstärkt wird. Jeder Niederschlag, sei
es'Regen oder Thau, und sei die Menge noch so geringfügig, wird
durch sein Einsickern in den Boden zu den unterirdischen Vorräthen
beisteuern, und diese langsame Einwirkung mag in diesen
östlichen Gebieten im Laufe der Zeit zur Speisung von Brunnen ausreichen.
So reichliche Zuflüsse, wie in der algerischen Sahara, sind
unter solchen Bedingungen freilich nicht zu erwarten. Vielmehr
findet man auf den Karavanenstrassen durch die oasenlosen Theile
der Sahara oft nur in weiten Entfernungen einzelne Wadis, in denen
wenig brackisches Wasser zu erhalten und auch hierauf nicht immer
zu rechnen ist. lieber die ostägyptische Sahara zwischen dem Nil
und dem rothen Meere bemerkt Schweinfur th, dass daselbst Thaubildungen
nur iu der Nähe der Küste und in geringem Umfange
vorkommen, dass aber Thonlager und Gesteine, die das Wasser
nicht durchlassen, die Feuchtigkeit in der Nähe der Oberfläche lange
Zeit zurückhalten, die von den Höhen aus sich ansammelt, wo zuweilen
gewaltige Güsse niederfallen.
Trägt mm auch die Erzeugung nächtlichen Thaus nur bis zu
einem gewissen Grade dazu bei, die Verbindung zwischen entlegenen
Oasen zu erleichtern oder auch nur möglich zu machen, so erscheinen
die starken Variationen der Temperatur in der Sahara, die den
Thau hervorbringen, doch als eine Wohlthat der Natur. Aber diesen
mittelbaren Wirkungen stehen die grossen Nachtheile gegenüber,
welche das organische Leben diirch den beständigen Wechsel von
Sonnengluth und nächtlicher Abkühlung und vom Unterschied der
Jahrszeiten 'zu erleiden hat. Tropische Wärme ^md ein bis zum
Frost gesteigertes Sinken der Temperatur, das sind Einflüsse, welche
nur von wenigen Pflanzen ertragen werden. Hierauf nicht minder,
als auf die Dürre des Bodens ist die Armuth der Flora zurückzuführen.
In Sudan werden wir zwar auch einen in tropischen Ländern
ungewöhnlichen Wechsel der Temperatur wiederfinden und in
diesem Verhältniss also eine allgemeine Eigenthümlichkeit Afrikas
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