
452 XXI. Pampasgebiet. Feuchtigkeit. 453
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2350 Fuss, und zeigte, dass dieser westliche Theil der Pampas eine
für sich bestehende; flache Mulde ist deren Flüsse das atlantische
Meer nicht erreichen können. Die Neigungen des Bodens sind indessen
so schwach, dass sie nur durch Höhenmessungen in weiten
Entfernungen nachgewiesen Averden können. Ueber die Waldlosigkeit
der Pampas nun machte Darwin die Bemerkung, dass Bäume
in so ausgedehnten Flachländern schwer gedeihen, weil die Winde
ungehemmt darüber hinwehen und weil die Art der Bewässerung
ihnen nicht zusage. Wenn es nicht regnet, trocknet der offene Boden
in der Sonne zu einer harten, undurchdringlichen Masse zusammen,
und das Wasser der Gewittergüsse gleitet nach Moussy's Beobachtung
4) auf der geneigten Ebene der Pampas oberflächlich
hinab, ohne bis zu den tieferen Wurzeln einzudringen. Allein Darwin
hielt selbst solche Erklärungen nicht für befriedigend: denn Uruguay
sei von Höhenzügen erfüllt und doch ebenso baumlos, wie die Pampas.
Dennoch kann man wohl behaupten, dass bewaldete Ebenen, um
ihre Bäume zu tränken, mehr Regen bedürfen, als offene Grassteppen.
Auch empfangen sie denselben unter dem Schutz gegen
die Sonne, den der Wald sich selbst gewährt, in einer angemesseneren
Vertheilung während längerer Zeiträume. Das Waldgebiet der
vereinigten Staaten erhält seinen Wasserdampf und seine Regenwolken"
von drei Seiten, von Osten, von Süden und von den kanadischen
Seen, die Pampas nur bei der Windesrichtung vom atlantischen
Meer.
Der Zeitpunkt, in welchem die Niederschläge in den Pampas
am häufigsten sind, ist für die Gräser, die, so oft-sie befeuchtet
werden, ihr Wachsthum wieder aufnehmen, gleichgültig, nicht aber
für die Holzgewächse, die in der Reihenfolge ihrer jährlich wiederkehrenden
organischen Arbeit an eine strengere Periodicität gebunden
sind. Nun zeigen sich in dieser Beziehung bemerkenswerthe
Verschiedenheiten, in einigen Gegenden vertheilen sich die Niederschläge
über alle Jahrszeiten, Mendoza und Montevideo verhalten
sich entgegengesetzt. Obgleich in der Breite von Mendoza das Klima
an beiden Seiten der Anden dürr ist, so fallen doch in Chile, welches
unter dem unmittelbaren Einflüsse der Wüste Atacama steht, die
Niederschläge im Winter, der in Mendoza regenfrei ist. Hier erfolgen
sie vorzugsweise im Sommer in der heissesten Jahrszeit, wo
die durch die Erhitzung aufsteigenden Luftströme mit der allgemeinen
Bewegung der Atmosphäre am leichtesten in jene Wechselwirkung
treten, die zu der plötzlichen Anhäufung von Gewitterwolken den
Anlass giebt. Dies ist für den Baumwuchs vortheilhafter, als der
trockene oder selbst ganz regenlose Sommer der Grassteppen am
atlantischen Meere, der in diesen Breiten als das normale, durch das
Ausweichen des Passatwindes nach Süden bedingte Verhältniss betrachtet
werden kann. In Uruguay fällt, wie in den Prairieen, .die
Blüthezeit der meisten Gewächse in den Frühling im Sommer verdorrt
der Rasen in den Sonnenstrahlen. Im Flachlande von Buenos
Ayres ist der Südostwind im Sommer ein trockener Passat, im Winter
bringt er Regen §), weil dann das Festland kälter, im ersteren Falle
wärmer ist, als das Meer.
Aus allen diesen Thatsachen scheint sich demnach zu ergeben,
dass die spärliche Vertheilung der Holzgewächse oder ihr gänzlicher
Mangel in den Pampas von einer Reihe von Eigenthümlichkeiten in
der Art ihrer Bewässerung abhängig sei. Dass aber dennoch das
Klima, für sich allein betrachtet, dem Leben der Bäume nicht entgegenstehe,
dafür dient die Möglichkeit ihrer Anpflanzungen zum
Belege, die auch da geling€)n, wo fliessendes Wasser nicht zu Gebote
steht. In dieser Hinsicht verhalten sich die Pampas ganz verschieden
von den Prairieen und den Steppen der alten Welt. In Uruguay
ist überall Baumkultur möglich; in den Pampas von Buenos Ayres
wird der Pfirsich vielfach gezogen, nicht seiner Früchte wegen, sondern
um Holz zu gewinnen; sogar die dürre Landschaft von Mendoza
hat sich seit dem Anfang dieses Jahrhunderts durch die Pflanzungen
italienischer Pappeln so umgewandelt, dass sie aus der Ferne
wie eine grosse Waldung sich darstellt. Aus solchen Erfahrungen
zog Darwin 6) den Schluss, dass die wahre Ursache der Waldlosigkeit
der Pampas eine geologische sei und »dass zur Bekleidung dieses
weiten Flächenraums keine Bäume, sondern nur holzlose Gewächse
geschaffen wurden«. Eine Ansiedelung von Bäumen könne hier durch
die Kultur, aber nicht auf natürlichem Wege erfolgen, weil das einzige
benachbarte Waldland ein tropisches Klima habe, ohne welches
die daselbst einheimischen Gewächse nicht bestehen können. Spät
sind die Pampas, nach ihrem geologischen Bau zu urtheilen, aus
dem Meere hervortauchend dem älteren Festlande hinzugefügt, zu
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