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478 XXII. Chilenisches Uebergangsgebiet.
Angaben zu beurtheilen vermag noch nicht 20 Procent von der
Gesammtsumme der Gefässpflanzen, welche ans der Uebergangsfiora
bis jetzt bekannt geworden sind. Diese Absonderung ist um so merkwürdiger,
als das breite, die Verbindungen erleichternde Längenthal
zwischen den Anden uikI . der Küstenkordillere sich ununterbrochen
über acht Breitengrade [330— 41 S. B. von Santiago bis zum
Binnenmeer von Chiloe erstreckt. Sie ist nicht blos eine Folge des
klimatischen Gegensatzes, sondern auch daraus zu erklären, dass
die Erzeugnisse der offenen Landschaften sich nicht leicht mit denen
der dichten südlichen Wälder vermischen können. Hiernach ist man
eben berechtigt, in Chile zwei selbständige Vegetationsgebiete zu
unterscheiden, die sowohl durch den Endemismus ihrer Erzeugnisse
als durch den klimatischen Wechsel und die dadurch bedingte Waldgrenze
von einander getrennt werden. Ueber den Zusammenhang
der Floren von Chile und Peru liegen noch keine umfassende Vergleichungen
vor. Beträchtlich ist indessen die Anzahl der gemeiursamen
Arten nicht: denn, obgleich die Klimate beider Länder allmälig
in einander übergehen, so wirkt doch die Wüste Atacama'den
Wanderungen der Pflanzen als eine nur in seltenen Fällen zu überschreitende
Schranke entgegen, da ungeachtet des hohen Niveaus,
zu dem sie sich von der Küste aus erhebt, in ihrem Bereich wenig
mehr als 400 Gefässpflanzen nachgewiesen werden konnten i^). Aber
wie dieser regenlose Abschnitt der Anden die Flora scheidet, so
bildet derselbe doch zugleich nach der eigenthümlich geebneten Gestaltung
seiner Oberfläche die bedeutendste Verbindungsbahn für den
Pfianzenaustausch zwischen dem nördlichen Chile und den Pampas,
Hier ist das Klima zu beiden Seiten der Anden ähnlich, aber weiterhin
steht de]' zusammenhängende, schneebedeckte Kamm der Kordillere
als mechanisches Hinderniss der Vermischung beider Floren
entgegen. Leichter, als über ihre hohen Pässe, kann über die freien
Hochebenen der Wüste der doch nur beschränkte Austausch i^) vermittelt
werden. In der alpinen Region der chilenischen Anden lassen
sich endlich in noch grösserem Umfange, als in Peru, Wanderungen
längs der Kordillerenkette bis zum Feuerlande erkennen, wobei einzelne
Arten, aUmälig herabsteigend, schon an der Magellanstrasse
das Niveau des Meeres erreichen und hier also ähnliche Erscheinungen
sich wiederholen, wie sie in der nördlichen Hemisphäre so
Charakter der Vegetationscentren. 479
gewöhnlich sind. Im Uebrigen sind die chilenischen Vegetationscentren
durch das stille Meer so vollständig abgesondert, dass höchstens
die einsame Insel Juan Fernandez an ihren Erzeugnissen nocli
einigen Antheil hat.
Nicht aber die Ansiedelungen allein sind durch das Meer gehindert
worden, sondern es fehlt auch an Fällen näherer Verwandtschaft
der Organisationen mit den zunächst gelegenen Inseln von
Neu-Seeland '4) und mit den übrigen Festländern- der südlichen gemässigten
Zone. Wenigstens besteht diese in weit liöherem Grade
mit Nordamerika und zeigt sich namentlich darin, dass die meisten
grösseren Pflanzenfamilien dieselben sind: nur einige kleinere Gruppen
und die Synanthereen mit Lippenblüthen (die Labiatifloren) sind für
die südlichen Centren des Kontinents charakteristisch. Auch bilden
solche Gruppen nicht, wie die Proteaceen und Eestiaceen des Kap^
landes und Australiens eigenthümliche Bildungskreise, sondern sind
als abweichende Typen grösseren Familien verwandt, die auch die
nördliche Hemisphäre bewohnen Aus den klimatischen Analogieen,
die auch in den übrigen Erdtheilen bestehen, ist die nähere
Verwandtschaft zwischen den Organisationen beider gemässigter
Zonen in Amerika nicht allein zu erklären. Diese hat in Chile zu
einer besonders reichlichen Ansiedelung von europäischen Ruderalpflanzen
und von Gewächsen feuchter Standorte geführt aber der
Austausch durch Wanderungen, wovon bei Kalifornien die Rede war,
konnte in Afrika ebenso leicht stattfinden, wie in Amerika, und dennoch
ist dort die Uebereinstimmung der Familien und Gattungen, die
der Darwinismus der Ansiedelung der Arten, geologisch betrachtet,
gleich stellt, in weit geringerem Grade bemerklich, als hier. Die
Verwandtschaft der Organisationen scheint vielmehr hier auf die
gleichzeitige Entstehung des ganzen Erdtheils bezogen werden zu
dürfen, auf den wir aus der in beiden Hemisphären gleicliartig erfolgten
Erhebung des Andensystems schliessen können. Wie in
jeder Periode der Vorwelt gewisse Familien die herrschende Vegetation
bildeten, so ist auch von den späteren Zeiten, als die heutigen
Arten ^ geformt wurden, eine gleichzeitige Entstehung des Gleichartigen
anzunehmen. Nun reicht das orographisch-geologische Hebungssystem
des Kaplandes wohl bis Abessinien, aber nicht bis Europa,
das australische ist noch selbständiger abgesondert: also nur
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