
12 VI. Indisches Monsuiiffcbiet. Zwergpalmen. 13
Bengalen in die Stromgebiete des Kralimaputra und Irawaddi eintritt,
wo in den Thälern der Kliasiagebirge die Eegengüsse so gewaltig
we r d e n , und sie erreicht ihren Höhepiuikt in dem gleichmassig
warmen Klima von Malakka bis Java. So sehr demnach die
einzelnen Palmen von der klimatischen Gliederung des Gebiets abhängig
sind, so ist doch die Betelnusspalme [Areca Ca^et/m) ein
Beispiel, dass dieselbe Art grosse Unterschiede des Wasserzuflusses
erträgt. Dies beweist ihr allgemeiner Anbau, eine Folge der merkantilischen
Bedeutung ihrer Früchte, die zu einem eben so seltsamen,
als unter den Asiaten verbreiteten Genuss dienen. Gleichmassig
findet sich diese Palme durch den ganzen Süden Hindostans
von der feuchten Küste Malabars über das Tafelland bis zu den
dürren Gegenden des Carnatic, und ebenso wird sie in der Aequatorialzone
überall häufig angetroffen. Auffallender ist es, dass auch
die Cocospalme auf den dürren Ghauts von Mysore reichlich kultivirt
wird lö): denn in ihrer amerikanischen Heimath an die Nachbarschaft
des xMeers gebunden, bedeckt sie, wie Darwin >«) von dem Keeling-
Archipel erwähnt, oft, als wäre sie der einzige Waldbaum, dife
niedrigen Inseln des stillen und indischen Meers, deren Umfang von
geringer Grösse ist, unstreitig weil die dampfreichen Seewinde ihr
Wachsthum begünstigen. Man hat wohl die Vermuthung ausgesprochen,
dass die Cocospalme ein Halophyt sei, aber dies würde
noch weniger über ihre Kultur in Mysore einen Aufschluss geben,
wo die örtlichen Bedingungen, unter denen sie vorkommt, näher zu
erforschen sind. Gewiss ist , dass sie der Feuchtigkeit in höherem
Grade bedarf, als der Wärme, da sie in Mittelamerika ziemlich hoch
in die Küstengebirge ansteigt. Durch die Bedeutung ihrer Nährstoffe
für den Unteriialt der Bewohner stehen unter den indischen
Palmen die Cocos- und Palmyra-Palme voran, auf den Molukken
und Sunda-Inseln die beiden Sagopalmen [Metroxyhn Rumphii und
M, Sagiis),
Neben der Feuchtigkeit und Wärme, welche die Pahnen in Anspruch
nehmen, ist auch ihr Lichtbedürfniss gross, iiierin scheint
der Grund zu liegen, dass sie nicht leicht dichte Bestände bilden und
gewöhnlich, wenn sie nicht etwa gepflanzt wurden, in den Laubwäldern
nur zerstreut wachsen, indem sie sich entweder über die
Kronen der dikotyledonischen Bäume erheben, oder, wenn sie
niedriger sind, dem tiefen Schatten ausweichen und die stärkeren
Lichtreflexe aufsuchen. Wo indessen der Boden den Laubholzbäumen
nicht zusagt, wird auch die gesellige Verbindung reiner
Palmenbestände möglich , die dann eben wegen der geringen Zahl
der Blätter und der Theilung derselben zu Segmenten, zwischen
denen das Sonnenlicht eindringt, ziemlich schattenlose Wälder sind.
So wird, von Savanen umgeben, im Westen von Java eine eigene
schmale Region (bis 400 Fuss) unmittelbar über dem Küstenwalde
von der Gebangpalme [Corypha) eingenommen'^), wo doch die
Stämme in gewissen Abständen weitläufig geordnet sind und die
Zwischenräume bald durch einen Teppich von Grasrasen, bald durch
Bambusen ausgefüllt werden, ein Erzeugniss der Sandsteinformationen,
von deren Boden diese Gramineen den Laubwald fern halten.
So verschieden die indischen Palmen in ihrem Wuchs sind, so
ist doch die Bildung des Laubes in der ganzen Familie verhältnissmässig
einförmig. Auffallend erscheint daher unter den schmalen,
schilfähnlich in die Länge gezogenen Blattsegmenten, denen man in
diesem Formenkreise zu begegnen pflegt, das Laub der Caryota-
Palmen (z. B. C. ttrens), wo die zweimal getheilten Abschnitte keilförmig
erweitert und, am oberen Ende abgestutzt und gezähnt, eine
dreiseitige oder rhombische Fläche bilden. Die Verschiedenheiten
im Wachsthum der Palmen liegen vorzüglich in ihrer ungleichen
Höhe, in der cylindrischen oder bauchig anschwellenden Gestalt des
Stamms, in der Bildung der Ringe oder Vorsprünge, welche die Blätter
bei ihrem Absterben zurücklassen, sodann in den Dornen bei gewissen
Arten, und in den Luftwurzeln, welche den Baum am Grunde
zu stützen bestimmt sind. Zu den Zwergpalmen ist der Uebergang
durch Mittelformen ein ganz allmäliger, zuweilen in der Artenreihe
derselben Gattung [Ptychosperma], unvermittelt hingegen ist der
Gegensatz der Palmlianen, die sämmtlich zu der Gruppe der Calameen
gehören.
Ich schliesse hier, die Uebersicht der Bäume unterbrechend,
gleich diese Formen der Zwergpalmen und Palmlianen an. Dass
die ersteren das klimatische Grenzgebiet der Palmenzone zu bewohnen
pflegen, zeigte sich schon in Südeuropa und in der Steppenflora
am Indus. Aber im Monsungebiete finden wir Zwergpalmen auch in
den wärmsten Gegenden der immergrünen Aequatorialzone. Die
r