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424 XX. Flora der tropischen Anden Südamerikas.
die normale Wasssercirculation durch die Atmosphäre beeinträchtigt.
Je grössei" der Temperaturunterschied zwischen Meerwasser und
Luft ist, desto reiner von Wolken wölbt sich der Himmel über diesen
Küsten. Wie daher die Jahrszeit der Garúas in die Wintermonate
(Mai bis September) fällt, wenn die Sonne vom Zenith sich entfernt
und beide Temperaturen in's Gleichgewicht treten 4), so wird dieselbe
Ausgleichung an der Böschung der Anden durch die Erhebung des
Bodens hervorgerufen, und mit wachsender Höhe beginnen statt des
Nebels der Küste sich tropfbare Niederschläge auszubilden. Auch
sind diese Wirkvingen des veränderten Niveaus von der Jahrszeit
unabhängig, oder sie verstärken sich in den oberen Regionen vielmehr
während des Sommers, wenn die Temperatur der Küste am
höchsten steht und ihre Abnahme bis zur schneebedeckten Kordillere
daher den weitesten Umfang hat. Aus diesen Verhältnissen erklärt
sich, dass die Garúas schon in einer mässigen Höhe zu Winterregen
werden, sowie dass in höheren Lagen die Niederschläge umgekehrt
in die wärmere Jahrszeit fallen 5) und in der Puna-Region 6) alsdann
tägliche Gewitter eintreten, deren Donner der Bewohner der Küste
aus weiter Ferne vernimmt, ohne am heitern Himmel über sich nur
eine einzige Wolke zu erblicken. Man rechnet die völlig regenlose
untere Region der peruanischen Küste bis zum Niveau von 1400 Fuss''),
aber unter dem örtlichen Einfluss von Thaleinschnitten und Gewässern
reicht der Winterregen auch wohl noch viel tiefer herab [z. B.
bis Lima7) bei 500 Fuss]. Da jedoch die Dampfmenge der Atmosphäre
auch in den höheren Regionen ebenso gering ist, wie in der
Tiefe, reicht der Ertrag der Niederschläge auch dort nicht aus, der
Vegetation eine grössere Lebensfülle zu verleihen. Der dürftige
Anblick des Landes bleibt derselbe, wenn auch einzelne, niedrige
Bäume bis zu ungemein hochgelegenen Standorten bemerkt werden
bis 13500 Fuss6)]. Dieser Mangel an genügender Bewässerung
wird auf der westlichen Kordillere noch erhöht durch die Richtung
der in den oberen Regionen herrschenden Bergwinde, die von dem
Kamme nach beiden Seiten, an der westlichen Abdachung nach
Osten, an der östlichen nach Westen herabwehen«) und daher im
Fortschreiten ZU wärmeren Thälern und Hochflächen ihren Dampfgehalt
bewahren. Fehlen dabei, wie an der Wölbung der Wüste
Waldlosigkeit d. westl. Kordillere. — Temperatur d. peruan. Küste. 425
Atacama, die Gegensätze der Hochgipfel, Pässe und Thaleinschnitte,
die durch ihre ungleiche Erwärmung die Wolkenbildung fördern, so
kann auch bis zu den höchsten Niveaus da,s regenlose Klima sich
ausdehnen. Und so treffen wir erst jenseits der Humboldtströmung
in Ecuador unter dem Einfluss von feuchteren Solstitialregenzeiten
auf bewaldete Abhänge auch an der westlichen Abdachung der
Anden : in demselben hohen Niveau, wo in Peru nur vereinzelte
Bäume an entlegenen Standorten auftreten, ordnen sich dieselben
hier zu einer geschlossenen Waldung 8), die daselbst nach abwärts
mit den Formen der Isthmusflora fast in unmittelbare Verbindung
tritt.
Geht man über die südlichen Grenzen der tropischen Anden
hinaus, so bemerkt man eine gewisse Verwandtschaft der peruanischen
mit der chilenischen Flora, die sich in der Physiognomie der
Berglandschaften und auch darin äussert, dass einzelne identische
Pflanzenarten über beide Länder verbreitet sind. Hier begegnet uns
der seltene Fall, dass der Wendekreis ihren Wanderungen kein Ziel
setzt, der doch sonst als allgemeine Grenze des wachsenden Gegensatzes
warmer und kalter Jahrszeiten für die periodischen Phasen
vegetativer Entwickelung von so weitgreifender Bedeutung ist. Als
Beispiel führe ich die Kartoifel an, deren Heimath von dem Küstengebiete
Perus bis zu den feuchten Inseln des Chonos-Archipels (45*^
S. B.) sicher nachgewiesen ist^). Die Unabhängigkeit dieser Pflanze
von klimatischen Einflüssen, die unter allen Gaben der neuen an die
alte Welt die erste Stelle einnimmt, hat sich zwar durch die Kultur
im weitesten Umfange bewährt: in ihrer natürlichen Wanderung aber
ist sie auf die untere Region der westlichen Andenkette beschränkt
geblieben. Denn obgleich sie hier den grössten Unterschieden der
Bewässerung und Dürre zu trotzen hat, so vermochte sie doch weder
die Kordillere zu überschreiten, noch die gleichmässig hohe Wärme
der Tropen zu ertragen. Die Kartoff'el ist wesentlich ein periodisches
Gewächs uud der ihren Vegetationsphasen entsprechende Unterschied
der Jahrszeiten ist es eben, wodurch das peruanische Küstenklima
dem chilenischen gleicht und aus dem Bereich anderer Tropenländer
heraustritt. Der wärmste Monat in Lima ist um mehr als 7 Grade
Reaumur wärmer, als der kälteste7). Die Gleichmässigkeit der
Temperatur in allen Jahrszeiten wird unter den Tropen im Allge-
•.fi