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104 VII. Sahara. • Vegetationsgrenzen am rothen Meer.' 105
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^s die Erhebung des Landes, welche die Niederschläge hervorruft.
Der Gangesmündung liegt der Himalaja um das Doppelte näher als
der des Indus, und dazu kommen die Wirkungen der Verdunstungskälte,
welche auf dem dicht bewachsenen Sumpfboden der Sunderbunds
sehr beträchtlich sein muss. Auch fehlt in Bengalen ein Einfluss,
der am Indus von hoher Bedeutung ist, wo die Aspiration aus
dem nahen Tafellande Afghanistans im Sommer Luftmassen von
hoher Trockenheit herbeiführt, die, dem Seewinde über der indischen
Wüste begegnend, dessen Wasserdampf aufgelöst zu erhalten
beitragen.
Immer ist es Regenlosigkeit, welche auch in Asien die
Bedingungen der Sahara-Vegetation wieder hervorruft, und so
erwähnt Hookerselbst in der äussersten Südspitze der ostindischen
Halbinsel eine Landschaft in der Gegend von Madura,
welche die Pflanzenformen der Wüste wiederholt, weil auf den
rings sie umschliessenden Bergketten alle Feuchtigkeit ihr verloren
geht.
Solche Erscheinungen sind in der einförmigen Bodengestaltung
Afrikas unbekannt. Vielmehr ist die Südgrenze der Sahara eine
nach dem Verhältniss der Sommerregen Sudans regelmässig verlaufende
Linie Nur am rothen Meere sind die Verhältnisse
eigenthümlicher Art, hier fällt die Grenze der Vegetation Sudans
mit der der tropischen Regen nicht zusammen, Russegger bemerkte
nämlich, dass die nubische Küste nirgends ganz regenlos sei, indem
die von Südwestwinden begleiteten Sommerregen sich nordwärts
zwar verkürzen, aber doch fast bis zu der Breite bemerkt werden,
wo die Winterregen beginnen (21 ^ N. B,), die (wie im Nil-Delta)
dem Litoral bis zur Landenge von Suez eigen sind, aber freilich nur
schwach und unregelmässig eintreten. Es fehlen also hier die Bedingungen
nicht, unter denen eine Vermischung der Vegetationscentren
der Sahara und Sudans möglich ist. In der That hat
S c h w e i n f u r t h W e n d e k r e i s »eine scharfe Vegetationsgrenze«
beobachtet und durch einen Katalog der an dieser Küste (22 ^ N. B.)
einheimischen Pflanzen nachgewiesen, dass die Flora von Sudan
hier weiter nach Norden reicht, als am Nil. Zwischen Nubien und
dem Innern von Arabien besteht sodann der merkwürdige Gegensatz,
dass die Vegetation der Sahara, die dort bis zum Wendekreise
südwärts reicht, hier unter derselben Breite erst beginnt, um sich
weiterhin nach Süden zu entwickeln (24—IB^N. B.). Der Einfluss
des arabischen Meerbusens bewirkt sogar, dass die tropische
Küstenwaldung des Avicennien an der nubischen Küste sich neben
den Wüstenpflanzen noch diesseits des Wendekreises angesiedelt
hat.
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