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durch einen besonderen Rahmen von Vegetationsformen, wie durch
ein dichtes Gehäge, umschlossen werden. Eine eigenthümliche Formation
bekleidet die zahllosen flachen Inseln des Amazonas^ wo gewöhnlich
aus dem Weidengesträuch die bleichen Cecropien als einzige
höhere Baumform hervorragen'^), deren gewaltiges Bombaceenlaub
vom Gipfel der abstehenden Aeste sich ausspannt u.nd seine
untere Silberfläche, vom Passat gehoben, emporstreckt. Der Wasserspiegel
selbst aber wird von dem Röhricht des 15 bis 20 Fuss hohen
Pfeilgrases mmäumt ^ [Arimdo sacc/iaroides) , dessen wollige Rispen
sich garbenförmig ausbreiten. Eine viel üppigere, in geselligem
Wachsthum wuchernde Vegetation verdeckt das Ufer des Igapowaldes,
wo aus den Laubmassen der Scitamineen und Musaceen sich
reihenweise grössere Palmen, wie die dornige Jawari, erheben [As^rocaryum
Jauari), oder die gedrängten 15 Fuss hohen Stämme einer
Aroidee [Montrichardia) auf dem schlammigen Boden vereinigt stehen'^)
. So sehr alle diese Verbindungen der Ufer- und Inselgewächse
wechselnd in einander übergehen, so lassen sich doch auch hier schon
die Hauptformationen des Waldes dadurch unterscheiden, dass da,
wo der Ete unmittelbar von den tief eingeschnittenen Kanälen berührt
wird, die Bambusçn die vortheilhaftesten Bedingungen des
Wachsthums finden, und dass in dem sandigen Gebiete des Rio Negro
die unansehnlichen Gesträuche jenen reicheren Pflanzenwuchs verdrängen.
So sehr die Savanen an Ausdehnung auch am unteren Amazonas
gegen die Wälder zurücktreten, so kommt doch auch in ihnen
das Aequatorialklima dadurch zur Geltung, dass die Bäume dieser
.offenen Flächen ebenfalls immergrün s i n d u n d daher keine eigentliche
Catingas bilden. Die Luft scheint daher in keiner Jahreszeit
so arm an Wasserdampf zu sein, wie auf den Ebenen und Campos
von Venezuela und im südlicheren Brasilien, üeberhaupt drängt
hier den Baumwuchs die Beschaffenheit des Bodens zurück. Denn
Savanen treten am unteren Stromlaufe nur da auf, wo die Erdkrume
aus grobem Sand und Geröllen gebildet ist , Unter diesen Bedingungen
entstehen selbst mitten im Ete-Walde kleinere, mit Savanengräsern
bewachsene Flächen, wo nicht einmal Gesträuche den Graswuchs
unterbrechen. Auch hier wird der Waldrand durch eine eigenthümliche
Vegetation von Gebüschen und niedrigen Bäumen, von
Handelserzeugnisso. ~ Absond. d. Vegetationscentren. 389
Melastomaceen, Myrtaceen und Malpighiaceen, gegen den frei beleuchteten
Boden abgegrenzt. Auf den grösseren Savanen von Santarem
wachsen die Gräser nur einen Fuss hoch 9) ; im Februar und
März blühend, sind sie im September völlig verdorrt 3). Auf diesen
Flächen treten einzelne Bäume oder Waldinseln auf, die gleich dem
.Ete-Walde von Lianen und Epiphyten reich geschmückt werden,
aber aus besonderen Arten bestehen, unter denen die Myrtaceen am
zahlreichsten zu sein scheinen.
Nach den Hülfsquellen, welche Brasilien durch Klima und Vegetation
zu Gebote stehen, unterscheidet Agassiz von den südlicher
gelegenen Gegenden, die vermöge ihrer höheren Lage für die
Kaffeekultur besonders geeignet sind, das fruchtbare Aequatorialgebiet
des Amazonas dadurch, dass hier die natürlichen Erzeugnisse
des Waldes in der merkantilischen Bewegung den ersten Platz behaupten.
Unter diesen stehen gegenwärtig, abgesehen von den?Para-
Nüssen, Kautschuk, Kakao, Vanille und Sarsaparille voran, woran
eine Menge von Hölzern, Pflanzenfasern und Droguen sich anschliessen.
Der amerikanische Kautschuk wird in den Niederungen
von Para aus dem Milchsafte eines auch im Inneren häufigen Euphorbiaceenbaumes
gewonnen {Szp/wfua elastica) und der Kakao (der
Samen der Byttneriacee Theohroma Cacao), auf den Inseln des Stroms
vielfach angebaut, ist ebenfalls ein einheimisches Erzeugniss, dessen
Heimath vorzüglich die Wälder am Solimoes umfasst 9). Die brasilianische
Vanille ist weniger gewürzhaft, die Frucht von geringerer
Grösse, als bei der mexikanischen; auch die Sarsaparille scheint
einer eigenthümlichen Art [Smilax papyracea) anzugehören, deren
Wurzel mit der aus andern Gegenden des tropischen Amerikas gewonnenen
nicht übereinstimmt 20].
Vegetationscentren. Zahlreiche Beobachtungen lehren, dass
die Gewächse, welche die Küstenlandschaften Brasiliens bewohnen,
über ein weit ausgedehnteres Gebiet verbreitet sind, als diejenigen,
die im Innern des Landes wachsen. Gardner 2i) fand in den Provinzen
Ceara und Pernambuco viele Pflanzen, die nicht bloss an der ganzen
tropischen Küste Brasiliens, sondern auch in Guiana und Westindien
vorkommen, während unter denselben Breitengraden eine durchaus
eigenthümliche Vegetation eine Strecke weit landeinwärts begann.
In den beiden Meereströmungen, welche, am Kap Roques geschieden,
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