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114 VIII. SiaUn.
besclinuikt und übevliaupt zu allgemein und Afrika zu sclir eigentlüluilicli,
als daas hier Momcuto in lietraclit kommen^ die aueli andoron
hciisöcn Ländern gonieinsani sind. Der nördliche Passatwind
weht tiber die trockene Saliara nadi Sudan, der slldliclie, naclideni
er an der (istlichen Ktlstentorrasvse \on dem Wasserdampf des indiöclicn
Üceans verloren hat. Die liegenzeiten in Sudan berulien
nicht allein, wie in Asien und in vielen Theilen Amerikas, auf der
Feuchtigkeit, welclie von der Oberlläclie benachbarter Meere yerdunstet
ist, sondern zum Theil auf der Circulation des Wassers im
Uinneulande selbst, auf mächtigen Flllssen, grossen Seen und auf
der Vegetation, die das Wasser sammelt und wieder entlässt. Auf
tropischen Inseln nicht bloss, sondern auch in den anderen tropischen
Kontinenten, Australien ausgenommen, ist der Austausch zwischen
"Me(U' und Festland grösser, die Atmosphäre dampfreicher, die ]iildung
von Nebel und Wolken geht Icicliter von Statten und dadurcli
mässigt sich der Gegensatz der Zufdhrung und Jintzieliung der
Wärme, den in diesen JJreiten die gleichmässig lange Daner der
Kaclit steigern würde. Die entgegengesetzten Verliältnisse in Afrika
werden natürlich in der trockenen Jahrszeit stärker als in der Periode
der Niederschläge liervortrcten : wenn westliche Winde den
Passat vordrängen und die J^'euchtigkeit vom atlantischen M!eere ans
vermehrt wird, mindert sich der Unterschied von Tag- und Nachtwärme.
Allein es ist aul'fallend, dass die Frage^ wann die Malaria
um gefährlichsten wii'ke, in den Berichten der Jieisenden verschieden
beantwortet wird. In Senuaar und am Niger filrchtet man am meiütan
die nasse Jahrszeit, während Burton dieselbe in den Aequatorialgegcmlen
für die gesundere hält'') : vielleicht lassen sich die Meinungen
durch die Erklärung ausgleichen, dass zwar die Malaria auf
feuchtem Boden sich erzeugt, bei dem Uebergang der Nässe in
''J'^rockeuheit in der Atmosphäre sich ausbreitet und die Luft vergiftet,
dann aber auch der menschliche Organismus durch die stärkeren
Temperaturschwankungen der regenlosen Periode geschwächt
und für Krankheitsstolie leichter em])fänglich ist.
V o g e t a t i o i i s l b r n i e n . Die reiche Entwickelung der Gramineenform
bildet den liervorstecliendsten Charakterzug der Flora von
Sudan und entspricht der Periodicität des Klimas, der verhältnissniässig
langen Dauer dei^ trockenen Jahrszeit, die über unermessliche
Savanengräscr.
Käume die Savanen ausbreitet. Und doch ist Afrika nicht von Hirten
ibewobnt, sondern überall, wo die Gräser vorherrschei», blühendem
Ackerbau und jeder ti'0])ischen l^ilanzenkultur zugänglich. Denn
wie die Savanen sich dadurch von den Steppen der gemässigten Zone
unterscheiden, dass sie den Baumwuchs zulassen, weil durch die
hohe Wärme und die Masse der Feuchtigkeit der Entwickelungsprocess
beschleunigt wird, so ist auch die Bestellung des Bodens unbeschränkt
und die Negerrace liat sicli allenthalben auf die Stufe des
Ackerbaus gehoben, ohne dadurch, wie es doch hi Indien der Fall
war, zu geistigem Lebensinhalt erwacht zu sein. Livingstone , der
grösste Kenner dieses Gebiets, der jedoch nicht mit botanischem
Auge die Unterschiede des Vegetationscharakters aufzufassen vermochte,
bemerkte Uber das Verhältniss beider Länder, dass der
Jioclcn und die Physiognomie der wellenförmigen libenen im Süden
des tropischen Afrikas gerade wie in Dekkan sich ausnähmen, dass
aber dort die Zeugnisse menschlicher Arbeit, die Landstrassen, die
Denkmale fehlen, das Jieich der Neger erscheine ihm, als sei es so
eben aus der Hand des Schöpfers hervorgegangen und der Mensch
habe nichts Dauerndes geleistet. Nicht einmal das Thierleben hat
-er zu unterjochen und einzuschränken gewusst, und so tritt es gewaltig
und feindlich auf, wie in der europäischen Diluvialzeit. Aber
gerade darin zeigt sicli ein eigentliümlicher Zusammenhang, dass die
sich selbst überlassene Natur hier ein so vollkommenes Gleichgewicht
zwischen Thier- und IMlanzenlebcn liergestellt hat, oder vielmehr
-dass dasselbe melir in die Augen fällt, als in anderen Ländern, wo
die Säugethiere minder zahlreich sind. Jlier steht die Masse der in
den Savanen gebotenen Nahrungsstoile in einem so auffällig ange-
,messenen Verliältnisse zu den Schaaren grosser, weidender Thiere,
und diese wieder zu den in ihrer spärlicheren Fortpllanzung zurückstehenden
Fleischfressern. Allehi weit merkwürdiger ist die That-
-KiU'-he, dass dieses Verhältniss nicht bloss in der Zahl der Individuen,
sondern auch in der Mannigfaltigkeit der Arteii sich auss])richt. Wie
es kein Land gicbt, wo die Verschiedenheit der grossen Säugethiere
auch nur entfernt dem lieichthum der afrikanischen Fauna sich
nälierte, und wie unter ihnen wiederum das Geschlecht der in lleerden
vereinigten Antilopen die bei Weitem zahlreic.hsten Arten hervorbringt,
so sind auch die Gramineen nicht bloss durch ihr geselliges
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