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138 VIII. Sudan. Camerún. 139
dass zwei Baumarten noch in den höchsten Erhebungen des übrigens
so waldarmen Gebirges gedeihen, der Kosso-Baum [Brayera anthelmintica)
bis beinahe 11000, der Gibarra [Rhynchopetalum) bis über
13000 Fuss hinaus . Dies sind Höhen, die in der tropischen Zone
vom Baumwuchs selten erreicht werden. Nur auf den Anden und
dem indischen Himalaja findet sich Wald noch in ähnlichen Höhen,
wo aber die Abhänge von geschmolzenem Schnee feucht gehalten
werden, weil das Gebirge höher ist als das abessinische. Nur einzelne
der höchsten Gipfel Abessiniens, die nirgends das Niveau von
14000 Fuss übersteigen, tragen geringe Ansammlungen von Schnee,
der meist in der trockenen Jahrszeit zu verschwinden scheint, und
über der Region des Gibarra giebt es daher keine selbständig abgesonderte,
alpine Vegetation. Nicht dass der Baumwuchs zu so kalten
Höhen ansteigt, wo das Thermometer zu Zeiten unter den Gefrierpunkt
fällt, sondern dass derselbe so weit über der Wolkenregion
und auf so beschränktem Areal die erforderliche Feuchtigkeit findet,
ist schwierig zu erklären. Auch die plastische Gestaltung Abessiniens
ist der Absonderung bestimmter Pflanzenregionen wenig günstig.
Schroff eingeschnittene, felsige Thäler unterbrechen die Terrassen,
deren weite, ebene Flächen im Niveau von 5000 bis 9000 Fuss
liegen und durch die vulkanischen, pflanzenarmen Gipfel unregelmässig
bekränzt sind. Es fehlt also auch hier die geordnete Bildung
von Gebirgsketten, deren sanftere Böschung der Entwickelung geschlossener
Wälder förderlich ist. Wenn man den Mangel an Wäldern
von^der vernachlässigten Schonung derselben ableiten wollte
so ist dabei nicht berücksichtigt, dass eine dem geselligen Baumwuchs
entsprechende, reichliche und auf weitem Räume gleichmässige
Bewässerung weder auf liochebenen noch an steilen Thalwänden
stattfinden kann. Da aber das Hochland an Flüssen reich ist und in
dem schönen Bergsee Tsana eine grosse Wassermasse sich sammelt,
so leidet die Vegetation auch in der trockenen Jahrszeit viel weniger
durch die versiegenden Zuflüsse, als dies im Tieflande Sudans der
Fall ist. Dies sind die physischen Bedingungen, unter denen die
Formationen der immergrünen Gesträuche und der Wiesen den Wald
verdrängen, ohne dass der Baumwuchs irgendwo ganz ausgeschlossen
ist. So scheint es wohlbegründet zu sein, dass Schimper'^^) in
Abessinien nur zwei Pflanzenregionen unterschieden hat;
die Region der Thäler und der Küste (0—6000 Fuss), wo
die meisten Gewächse in der trockenen Jahrszeit das Laub verlieren,
und
die Region des Hochlands (6000 — 13000 Fuss), welche er die
immergrüne nennt. Hier kann man noch die unteren Terrassen
durch die abessinischen Coniferen [Podocarjms u. Juniperus procera),
die oberen durch die Erikenform und den Gibarra unterscheiden ^2).
In der unteren Region steht die üppige Tropenvegetation feuchter
Thalschluchten mit der dürren Küstenlandschaft in einem noch viel
grösseren Gegensatz.
Die Regionen des Cameruns an der Westküste verhalten sich
trotz der üebereinstimmung vieler Pflanzen und auf ähnlichem vulkanischen
Substrat doch von denen Abessiniens völlig abweichend.
Auch hier sind nach Mann und Burton nur zwei Hauptregionen
scharf geschieden, aber die Wälder verschwinden schon in der Höhe
von 7000 Fuss;
die Region des dichten Tropenwaldes (0 — 7000 Fuss), dessen
unterer Abschnitt nach Burton's Darstellung an Palmen reich ist und
den immergrünen Beständen der äquatorialen Westküste entspricht,
während gegen die oberen Grenzen hin (bei 4500 Fuss), also in den
Höhen, wo die Wolken sich am leichtesten bilden, die Farne herrschend
werden und epiphytische Orchideen auftreten, sodann
die Region der offenen Gramineenabhänge mit immergrünem
Gebüsch (7000—12300 Fuss), wo der Boden (mit Ausnahme der
nackten Lavabetten), von Rasen bedeckt ist, bis zuletzt an den höchsten
Kraterkegeln das Gesträuch aufhört und das Gras nur noch in
einzelnen Büscheln wächst. Nur wenig überschreiten vereinzelte
Bäume45) die untere Grenze dieser Region (7—8000 Fuss, so
dass also der Baumwuchs gegen 5000 Fuss tiefer aufhört als in
Abessinien).
Die sanfte Neigung des auf beschränktem Räume gleich dem
Aetna sich erhebenden Vulkans ruft hier Wälder hervor, deren Charakter
der Näh^ des Aequators angemessen ist. Aber sie hören in
mässiger Höhe auf, wie in Südeuropa, weil wie dort die Feuchtigkeit
nach obön rasch abnimmt, weil der Umfang der in die höheren Luftschichten
ragenden Gipfel zu gering ist, um auf den Dampfgehalt
der Atmosphäre bedeutend einzuwirken. So gross ist der Einfluss
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