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80 VII. Sahara.
die Bildung der Oasen, sofern deren Bewässerung von den Gebirgen
abhängt, und damit die Bewohnbarkeit der Sahara überhaupt nicht
bloss auf dem Atlas, sondern auch auf weiter entlegenen Hebungen
des Bodens.
Die Wadis und Oasen sind nämlich nur verschiedene Formen
der Thalbildung, gegliedert wie die Neben- und Hauptthäler eines
Stromgebiets. Beide werden durch unterirdisches Wasser befeuchtet:
wo die Quellenadern schwach sind oder tiefer im Boden liegen, entsteht
die dürftige Vegetation des Wadi, wo das Wasser in grossen,
der Verdunstung entzogenen Vorräthen sich sammelt, wird die
Oasenkultur mit ihren Dattel Wäldern möglich. Beide Bildungen sind
Einschnitte in der unermesslichen Hochfläche, denen die Eingebornen
die letztere als steinige Ebene, als Hammada, gegenüber stellen,
wie auch Desor die Thäler als Erosionen in der Plateauwüste bezeichnet,
die das Wasser in ihnen ausgefurcht hat. Zu solchen
Wirkungen sind dem unter der Oberfläche strömenden Wasser durch
die allgemeine Verbreitung von löslichen Bodenbestandtheilen, durch
die Gyps- und Salzlager der Wüste reichlich die Bedingungen geboten.
Sowohl die Wadis wie die Oasen finden sich über den ganzen
Umfang der Sahara zerstreut, aber in wechselnden Abständen und
in ungleicher Grösse. So giebt es nur bestimmte Wüstenstrassen,
welche die Oasen verbinden und die kürzesten Wege über die quellenlose
Hammada aufsuchen.
Die Frage nun, woher das unterirdische Wasser stammt, die
einzige Quelle dauernder Erhaltung des organischen Lebens in der
Wüste, ist nicht überall leicht zu beantworten, aber in gewissen
Gegenden sicherem Verständniss zugänglich. Hier ist der Punkt,
wo "der geologische Bau der Sahara mit den klimatischen Bedingungen
günstig zusammenwirkt. Wären an der Oberfläche oder in
geringer Tiefe undurchdringliche Erd- und Felsschichten häufig, die
dem einsinkenden Wasser der Niederschläge eine Schranke böten,
so würde dasselbe sofort wieder in die trockene Atmosphäre durch
Verdunstung entweichen. Aber der nackte Felsboden der Hammada
ebenso, wie die grossen Sandanhäufungen in weiteren Thalmulden leiten
jeden Zufluss in grössere Tiefen und schützen ihn vor den Strahlen
der Sonne und der Trockenheit der Luft. Die Bergströme des Atlas,
durch die Feuchtigkeit des atlantischen Meers gespeist, ergiessen.
Trockenheit des Klimas. 81
sich in Marokko 20) südwärts in die Wüste, um hier in den Oasenthälern
zu versiegen. Aber das Versiegen der Flüsse in der Wüste
beruht nicht bloss, wie man sich diese Erscheinung oft vorzustellen
pflegt, auf der Verdunstung allein, sondern auch auf dem Einsinken
in den Boden. Und da dieses einströmende Wasser nicht wieder in
die Atmosphäre zurückkehrt oder doch erst vielleicht in weiter Entfernung
als Quelle an die Oberfläche zurückgeleitet wird, der Zufluss
hingegen aus dem Gebirge, so schwach er sein mag, doch unaufhörlich
fortdauert, so müssen unter den tiefsten Depressionen der Wüste
sich unermessliche Vorräthe ansammeln. So erklären sich die mannigfaltigen
Erscheinungen des Wasserzuflusses in den Wüstenthälern
im Süden des Atlas, wo bald nur ein feuchter Sandstreifen die Vegetation
des Wadi ernährt, bald in den Oasen ein unterirdisches
Quellenrohr zu Gebote steht, um die Pflanzungen zu- bewässern,
oder das Grundwasser in geringer Tiefe steht, so dass die Wurzeln
der in künstlichen Gruben gepflanzten Dattelpalmen dasselbe erreichen,
dann wiederum Brunnen vorkommen, aus denen das Wasser
mühsam an die Oberfläche geschafft wird, oder endlich artesische
Bohrungen einen unverhofften Segen unter den Bewohnern ausgeschüttet
haben. Alle diese Verschiedenheiten, aus denen die Blüthe
oder Armuth der. Kultur entspringt, entsprechen den allgemeinen
Gesetzen des Quellenbaus, der von der Vertheilung und dem
Wechsel undurchdringlicher Schichten der Erdrinde bestimmt wird.
Eine Beobachtung Tristram's 21) zu Laghuat in Algerien zeigt dies
sehr anschaulich, wo ein das Wadi schneidender Basaltgang das
unterirdische Wasser nöthigt nach aufwärts sich aufzustauen, wodurch
denn die dortige Dattelpflanzung gespeist wird. Jede unterirdische
Strömung setzt eine entsprechende Neigung der Schichten
voraus, und hierin findet der Einfluss der Gebirge auf die Bewässerung
der Oasen ihre Grenze.
Man kann sich wohl vorstellen, dass der ganze .Westen der
Sahara theils vom Atlas theils vom Ahaggar aus mit Quellwasser
versorgt wird, und die Anordnung der Wadis und Oasen in ihrem
Bereich spricht für dieses Verhältniss. Jedes Gewitterschauer in der
Wüste selbst, so selten es auch vorkommen mag, trägt doch auch
dazu bei, den unterirdischen Wasservorrath zu vermehren. Die Verluste,
welche derselbe in den Oasen durch Verdunstung erieidet, sind
G r i s e i ) a c h , Vegetation der Erde. II. 6
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