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VIII. Sudan.
• •• I •••i ' 120 Sonuenglutli fest versclilossen sind«, als beseele die Pflanze eine
Kraft, die voraussieht, dass die schwellende Frucht mehr Feuchtigkeit
bedarf als die Blume, oder damit der gereifte Samen noch zu
günstiger Zeit keimen könne. Wenn die Bäume des Nordens vor
der Belaubung blühen, kann man sich vorstellen, dass die Blüthen
weniger Wärme als die Blattknospen zu ihrer Entfaltung bedürfen.
Aber hier haben in der trockenen Jahrszeit dieselben Lebensreize
schon lange gleichartig bestanden,, und nun erst, da es zweckmässig
ist, öffnen sich die Blüthen 25). Die Laubentfaltung fällt in Sudan
mit dem Anfang der Regenzeit zusammen, aber da am Schluss derselben
die Bäume in Saftfülle stehen und der Boden erst allmälig
austrocknet, so dauert die Vegetationsperiode noch eine Weile fort,
nachdem die Niederschläge aufgehört haben. In Tete, am Zambesi,
ist der Unterschied nur gering: hier dauert die Regenzeit vom November
bis zum April, aber schon im Mai verlieren die meisten
Bäume ihr Laub und bleiben, bis die Regen wiederkehren, also fast
sechs Monate, b l a t t l o s A m Rovuma, einem Küstenfluss (10 ^
S. B.), der dem feuchten Aequatorialklima Zanzibars näher gelegen
ist, fand Livingstone im September die Mehrzahl der Bäume laublos,
sogar die Blätter der Bambusen lagen verdorrt am Boden . Lumergrüne
Formen sind überall nur spärlich denen mit periodischer Laubentwickelung
beigemischt, doch werden sie häufiger an der aequatorialen
Westküste, an den Ufern einiger Ströme und auf den Höhen
des Gebirgs. Nirgends aber ist in der trockenen Jahrszeit die grüne
Farbe völlig verschwunden. Ungleich vertheilt die Natur an die
verschiedenen Organisationen die Hülfsmittel, der Dürre zu widerstehen
: bei den meisten entfernt sie die leidenden Organe, in anderen
Fällen schützt sie die Oberhaut gegen die Verdunstung. Auch unter
den Holzgewächsen der Savanen finden sich immergrüne Formen: in
den heissesten Gegenden Nubiens bewahren, wenn alles üebrige
verdorrt oder entlaubt ist, zwei Sträucher »den dürftigen Schmuck
ihrer Blätter« [Balanites und Boscia) . .
In der Formenreihe der Holzgewächse äussert sich die Periodicität
des Klimas darin, dass die Laubbildung der Laurineen zurücktritt
und die Farnbäume nur an wenigen Orten vorkommen, dass
dagegen eigene Formen auftreten, welche die Gestaltungen des Lorbeers
und der Buche verknüpfen. Noch w^eit allgemeiner als diese
Mimoseen- und Tamarindenform. — Bombaceenform. 121
herrscht in den Wäldern und Savanen Sudans die Mimoseenform,
indem die Acacien, welche das Mimosengummi des afrikanischen
Handels ausscheiden, von Nubien bis Senegambien und ebenso andere
Arten desselben Geschlechts in den südlichen Ländern einen
Hauptbestandtheil der Vegetation sowohl unter den Bäumen als den
Sträuehern ausmachen. liäufig tragen die afrikanischen Acacien
Dornen und ihre zarten Fiederblättchen pflegen minder zahlreich zu
sein, als in feuchteren Klimaten. Die Krone breitet sich, wie schon
H u m b o l d t v o n der Mimoseenform anmerkt, gern schirmförmig
aus, auch wenn der Stamm ganz niedrig bleibt; doch giebt es auch
hohe Bäume unter den Acacien, ohne jedoch wegen der leichten
Belaubung viel Schatten zu gewähren. Hierin übertrifft sie die
Tamarinde [Tamarindus indica), die, in Sudan ebenfalls allgemein
verbreitet, hier wahrscheinlich ihre Heimath hat, ein stattlicher
Baum, der mit dem Wuchs der Eiche das einfache Fiederblatt verbindet.
Hieran reihen sich dann noch mehrere Baumgattungen mit
gefiedertem Laub, die den Leguminosen und einigen wenigen anderen
dikotyledonischen Familien angehören, indem die Mannigfaltigkeit
bei dieser^ wie bei allen übrigen Formen von Holzgewächsen in
Sudan weit geringer ist, als unter den Tropen Asiens und Amerikas.
Der wichtigste Vertreter der Bombaceenform ist der Baobab
{Adm%sonia), dessen Verbreitung schon erwähnt wurde. Darstellungen
von dem merkwürdigen Wuchs dieses Baums finden sich in mehreren
Reisewerken, aber die Annahme, dass die Dicke des Stamms
auf ein ungewöhnliches Alter deute, scheint sich nicht zu bestätigen.
Der Umfang erreicht am Boden ein solches Wachsthum, dass der
Querdurchmesser 20 bis 25 Fuss misst, das Gewölbe der zu einzelnen
Hauptästen abgesonderten Krone wird hingegen nur 60 bis
80 Fuss hoch. Nach oben verschmälert sich der Stamm allmälig,
bis er in halber Höhe des Baums oder auch schon weiter abwärts
zu gewaltigen Aesten sich auflöst, die, wie dicke Hörner gestal tet ^
am unteren Theil niedergebogen, dann aufstrebend sich weithin ausbreiten
und erst an ihren äussersten Verzweigungen das bandförmige
Laub tragen. Das Hinaufrücken der Blätter an die Spitzen der
Krone entspricht auch hier dem Charakter des tropischen Urwalds,
aber man begreift nicht, wozu es dient, wo das Licht schon wegen
der weitläuftigen Stellung der Aeste so freien Durchgang hat, dass