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512 XXIV. Oceanische Inseln.
Auf Teneriffa, dessen hoher Pik von niedrigem Berglande weithin
umgeben ist, nimmt die Region der Succulenten einen grossen
Kaum ein, auf den östlichen Inseln Fuerteventura und Lancerota ist
sie die einzige. So weit der Boden es gestattet, hat die Kultur sich
ausgedehnt, und mit ihr sind die eingewanderten Pflanzen vorgedi
'iingen, so dass die ursprüngliche Vegetation immer mehr verdrängt
wurde. Wenn sich hier manche endemische Pflanzen nur noch an
einem einzigen Standorte finden i®), während andere sich massenhaft
erhalten, so erkennen wir darin die ungleichen Kräfte des Widerstandes
im Kampfe um das Erdreich. In diesem Sinne erscheint, was
von gewissen Arten noch übrig ist, in der That nur noch wie eine
Reliquie der Vorzeit: denn die Pflanzen, welche aus der Perne sich
ansiedeln konnten, zeigen schon dadurch eine grössere Lebensenergie,
als den endemischen zukommt. Mit der Zunahme des nautischen
Verkehrs mussten die fremden Eindringlinge immer zahlreicher und
mächtiger in die ursprünglichen Verhältnisse eingreifen. Eben auf
den kanarischen Inseln besitzt man mehrere historische Zeugnisse
solcher Einwanderungen : von einer einjährigen Synantheree wurde
ein Fall dieser Art bei einem früheren Anlass angeführt ; von
einer Asclepiadee, die auf Gomera häufig ist [Gomphocarpxis fruticasus),
wird versichert, dass sie erst in diesem Jahrhundert sich zuerst
gezeigt habe und dass die Samen, mit ihrer weichen Wolle
fremden Körpern sich leicht anheftend, durch Heuschrecken vom
Festlande hinübergetragen seien 2). Hieher gehört auch die Beobachtung,
dass die Früchte der Laurineen den Tauben der atlantischen
Archipele zur Nahrung dienen 2), wodurch es erklärlich wird, dass
gerade diese Bäume, ungeachtet ihres Standortes im Gebirge auf
den kanarischen Inseln und auf Madeira dieselben sind.
Die Verdrängung der ursprünglichen Vegetation erstreckt sich
auch auf die Waldregionen, in welcher die Bodenkultur ebenfalls bis
zu einem gewissen Niveau (bis 3000 Fuss) eingegriffen hat. Im Bereich
der Succulenten giebt es nur noch weflige einheimische Bäume:
die Dattelpalme findet sich bis zur Höhe von 1000 Fuss
Drachenbaum (500—2000 Fuss) ist selten geworden, an der Passat-
Seite der östlichen Inseln kommen nur an unzugänglichen Felsabsätzen
kleine Gehölze vor, die aus einer Celastrinee [Catha cassinoides
und wilden Oliven) bestehen Die Zerstörung der immergrünen
Kanarisclie iuscin. Vegetation. 513
Wälder hat auf den kanarischen Inseln weit um sich gegriffen und
die Trockenheit des Klimas erhöht, doch hat man auch Beispiele,
dass auf Strecken, die sich selbst überlassen blieben, der Baumwuchs
nach einiger Zeit wiederkehrte. In Teneriffa sind nur wenige, aber
prachtvolle Lorbeerwälder an der Nordseite des Pik übrig, da die
stärkeren Elevationsniederschläge des Passats für das Fortbestehen
des Laubholzes erforderlich scheinen, denn die kanarischen Coniferenwälder,
die Pinares, scheiden sich von ihnen nicht bloss durch
ihr höheres Niveau, sondern sie begnügen sich auch mit einem geringeren
Grade von Feuchtigkeit. Kanarias Gebirge, wiewohl nur
6000 Fuss hoch, sind von ihnen bedeckt und haben wenig Lorbeerwald
; auch in Ferro, das noch nicht einmal diese Höhe erreicht
(4350 Fuss), besteht ein gelichteter Kieferwald auf der Südseite,
und immergrüne Laubhölzer bewalden den feuchtern Nordabhang;
am schönsten sind die Pinares auf Palma, wo ausser der Kiefer auch
der kanarische Cedro {Juniperus Cedrus) gedeiht, der auf dem Pik
von Teneriffa sehr selten geworden ist; wasserreicher ist Gomera
und besitzt in Folge dessen einen prächtigen Lorbeerwald, der den
mittlem Theil der Insei einnimmt 2'). Es ist bemerkenswerth, dass
die immergrünen Laubhölzer der kanarischen Inseln meist atlantisch,
die beiden Coniferen dagegen endemisch sind. Im Lorbeerwald
herrscht Feuchtigkeit und Frische, aber nur dem kanarischen Archipel
sind die dürren Abhänge eigen, welche der Vegetation der Nadelhölzer
zusagen. Die Wolke des Pik, die, vom Passat erzeugt, an
der Nordseite niemals verschwindet, umschleiert eben nur die Kegion
des Lorbeerwaldes : oberhalb desselben, sowie an den südlichen und
westlichen Abhängen bleibt der Himmel über dem Kieferwalde den
grössten Theil des Jahrs hindurch nebelfrei 2). Die Lorbeerwälder
der kanarischen Inseln sind denen von Madeira ganz ähnlich gebildet,
wenn auch einige endemische Holzgewächse auftreten, da auch
diese zu dem atlantischen oder südeuropäischen Formenkreise gehören
(z. B. Hex platyphylla und canariensis, Arhutiis canariensis).
Die Maquis, in welchen auch die Baumhaide nicht fehlt, unterscheiden
sich durch ihre Cisten (den endemischen C. vaginatus und
den südeuropäischen C. monspeliensis) und durch mehrere eigenthümliche
Genisteen, von denen oberhalb der Baumgrenze die weisse Retama
[Spartocytistis nuhigenus) hoch in die Region (bis 8700 Fuss)
G r i s e b a c h , Vegetation der Erde. II.