
94 VII. Sahara.
rJ'
• "i
• 1
Pfianzenleben völlig ungeeignet sei, dass entweder in den nackten
Felsboden die Wurzeln nicht einzudringen vermögen, oder dass die
humuslose, sandige und im Winde bewegliche Erdkrume die Gewächse
verschütte oder doch nicht ernähren könne. Solche Verhältnisse
sind es allerdings, die von der Hammada oder den Sanddünen
des Areg zuweilen jeden Pflanzen wuchs fern halten. Allein
überall schneiden die Wadis in die Hammada ein und die Thalwände
gewähren einigen Schutz gegen die Bewegungen der Luft und des
Wüstenstaubs. Und auch die steinige Hochebene, die Hammada
selbst, ist keineswegs so einförmig in der Bildung ihrer Oberfläche,
wie man sie sich vorzustellen pflegt. Man findet doch nur selten von
den Reisenden in der Wüste den Ausruf verzeichnet, es sei nicht
eine Spur von Vegetation zu erblicken gewesen und indem sie
dies besonders erwähnen, beweisen sie, dass es eine ungewöhnliche
Erscheinung sei.
Nach dem Bau der Oberfläche sind in der Sahara vier Bildungen
zu unterscheiden, die auf die Anordnung der Pflanzenformationen
von entscheidendem Einflüsse sind, die steinigen Flächen der Hammada,
die wellenförmigen SandAvüsten des Areg, die Wadis, welche
die Hochebene als Thäler durchfurchen, und die Oasen, die den
tiefsten Depressionen der Sahara entsprechen. Durch die Salzlager
mit ihren Halophyten aber ist die Vegetation der verschiedenen
Bodengestaltungen verbunden. Wegen der Armuth der Wüstenflora
sind indessen auch die übrigen Formationen weniger durch ihre
Pflanzenformen, als durch die Häufigkeit der Individuen von einander
geschieden.
^ Die Hammada nimmt den grössten Raum ein und ist zugleich
der ödeste Theil der Wüste, wo das Wasser in der Tiefe nicht zu
erreichen ist und die Erdkrume auf dem steinigen Boden nicht haftet,
weil der Wind wegführt, was die Verwitterung erzeugt hat, und die
Pflanzen zu selten sind, um bindenden Humus zurückzulassen. Die
herrschenden Felsarten sind bald Sand-, bald Kalkgesteine, die ersteren
meist devonisch, die letzteren in den westlichen Landschaften
aus der Kreideperiode, wie in Südeuropa. Wo aber Gypslager, wie
es in der algerischen Sahara häufig der Fall ist, an der Oberfläche
liegen, und wo in der Nähe des Atlas die Winterregen schon bemerklich
werden, wachsen auch auf der Hammada einige dornige
Areg. 95
oder blattlose Sträucher, die, wenn der Boden Salz fülirt, mit Salsoleen
abwechseln Eine ähnüche Erscheinung wiederholt sich
in der Nähe des Ahaggar, wo auf dem Plateau von Tassüi (26 o
N B ) eine Anzahl von Dornsträuchern nebst einigen anderen
Strauchformen erwähnt werden die theils von Sudan theils vom
Gebirge ans sich hier angesiedelt haben. Aber in den meisten
Gegenden gehören Holzgewächse anf der Hammada zn den seltensten
Erscheinungen oder sind ganz von ihr ausgeschlossen. Neben der
Oase Mesab (33 0 N. B., etwa 20 g. Meilen südwärts vom Atlas)
beschreibt Duveyrier 49) eine von Erdkrume völlig entblösste Hammada
wo die Vegetation sich auf einen winzigen Salsoleenstrauch
{Caroxylum articulatum), eine Artemisia und einzelne Gräser beschränkte.
Und im Süden von Marokko überschritt Rohlfs^O) auf
dem Wege von Tuat nach der Oase Tafilet eine weite, mit Stein-
.eröll bedeckte Hochebene, auf welcher anch nicht der germgste
o
Strauch zu erblicken war.
Die Areg- oder Dünenwüste ^i) begreift die mit lockerem Sande
bedeckten Landschaften der Sahara, wo die dünenförmigen Terramwellen
indessen keineswegs bloss dem Winde ihr Dasein verdanken,
sondern als die Ueberreste einer durch Verwitterung und Auswaschung
von Gyps- und Salzlagern zerstörten Hammada gelten
können. Ihr Niveau liegt tiefer als das der Hochebene und nimmt
daher freilich auch aus fernen Gegenden den Staub des Sirokko und
des Passatwindes auf. Die Mischung und Feinheit der Sandkörner
ist daher ebenso ungleich und mannigfaltig, als die Gesteine, aus
denen sie entstanden sind. Der unterirdische Wasserlauf, der m
der Hammada auf die Wadis eingeschränkt ist und das Felsgebäude
selbst nicht in allen Richtungen durchdringen kann, findet m dem
lockeren Sandboden kein Hinderniss, folgt aber der festen Grundfläche
der losen Erdkrumen und findet sich daher oft erst in grösserer
Tiefe als in den Wadis und Oasen. Die Brunnen im Bereiche
' des algerischen Areg liefern Wasser ohne Steigkraft, dessen Niveau
zwischen 7 und 70 Fuss unter der Oberfläche der Dünenthäler
schwankt 52). Dies sind die Bedingungen, unter denen die Vegetation
der Sandwüste zwar etwas reichlicher sich entwickelt als auf
der Hammada, aber gegen die Wadis doch zurücksteht. Die Dünen
selbst sind wegen der Beweglichkeit des Sandes von Pflanzen ganz
i: