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330 XV. Mexikanisches Gebiet. Umfaüg der Tropenwälder u. Savanen. — Schnee- u. Baumgrenze. 331
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Tegetationsforraationen und Regionen. Die feuchten
Wälder eines heissen Klimas, in denen die Vegetation niemals
gleichzeitig und vollständig unterbrochen ist, und die periodisch
ausgetrockneten Savanen mit ihrem Winterschlaf in der regenlosen
Jahrszeit sind die Hauptformationen des tropischen Amerikas
und in den meisten Floren von übereinstimmendem Charakter:
die ersteren gleichen denen des indischen Archipels, die letzteren
erinnern an die Physiognomie Sudans. In den Schilderungen der
reich bewässerten Tropenwälder von Tabasco und vom südlichen
Theil der Provinz Vera Cruz findet man keine bemerkenswerthe Verschiedenheit
von denen aus Guiana und Brasilien. So sehr auch die
Bestandtheile in systematischer Beziehung abweichen mögen, so ist
doch die Verbindung der Vegetationsformen die nämliche. Aber da
sie dem Räume nach, den sie einnehmen, in Mexiko noch mehr, als
in den südlichen Anden zurücktreten, die durch tiefere Einschnitte
häufiger gegliedert sind, so gewinnt hier die Unterscheidung der
Regionen eine weit grössere Bedeutung und wird daher passend mit
der der Formationen zusammengefasst. Die Hauptzüge dieser Abstufungen
des mexikanischen Florengebiets wurden jedoch in der
klimatischen Uebersicht bereits erwähnt, und es bleiben uns zunächst
nur noch die oberen Regionen der hohen vulkanischen Kegelberge ^2)
zu erörtern übrig, die aus der Massenerhebung der Anden am Golf
sowohl als im inneren Hochlande zerstreut oder über bestimmten
Spaltungslinien geordnet hervortreten.
Mexikanische Anden (21*^—170^.6)
/Tropische Region. 0 '—6000
Golfzone.
Heisse Region mit überwiegend tropischen Familien
— 3000'.
Region des immergrünen, mit tropischen Formen gemischten
Eichenwalds. 3—6000 ^
Gemässigte Region. 6000'—12300 ' [Baumgrenzei)".
Golfzone Region des selbständigen Eichenwalds, — 7800 'S).
und j - der Coniferen. 7800'-12300 ' ( - 1 ] 000' am Pik
Hochland. von Orizaba).
Alpme Region. 12300 ' (11000') — 13900' [Schneegrenze 33)
15000' am Pik von Orizabaf^)].'
Vulkane über der Hochebene von Guatemal a (141/2N. B;
Hochebene, 5000',
Waldregion. 7000 '27) _ 104OO '.
Region der Coniferen. 8800 '- J0400'^0).
Vulkan Irasu in Costarica [10^ N. B.] 34).
Hochebene von Carthago. 5000 '.
Eichenregion. 7000 '—10000'.
Alpine Region. 10000'—11000 ' (Gipfel).
Ewigen Schnee tragen nur wenige Hochgipfel der mexikanischen
Anden, die sämmtlich in der Nähe des 19. Parallelkreises gelegen
sind. Die Schneelinie ist in tropischen Gebirgen nicht so sehr von
der geographischen Breite, als von dem Relief der Gebirgsmassen
und ihrer Feuchtigkeit abhängig. Ungeachtet des Plateaueinflusses
ist sie in Mexiko etwas deprimirt, weil die Nebelbildungen aus dem
Passat bis zu den grössten Höhen hinaufreichen : aber am Pik von
Orizaba, der frei and schlank aus der Kordillere sich erhebt, scheint
dies nicht der Fall zu sein. In dieser geographischen Breite sind
indessen die Temperaturunterschiede der Jahrszeiten schon in höherem
Grade, als in äquatorialen Gebirgen, bemerkbar. Humboldt i)
fand, dass die Schneegrenze^ wenn sie sich im Januar am tiefsten
herabsenkt, 2500 Fuss tiefer liegt (11400 Fuss), als im September.
Die Verkürzung der Vegetationsperiode durch periodische Schneefälle
ist jedoch nicht so bedeutend, um die Holzgewächse in ihrer
vertikalen Verbreitung erheblich zu beschränken. Unter den
am höchsten ansteigenden Phanerogamen des Piks von Orizaba
(14600 Fuss) wurden noch Sträucher angetroffen [Senecio ^ ), Eibes" ^ )],
und einzelne 5 jedoch zum Theil verkrüppelte Nadelholzbäume {P.
Montezumae) sah Liebmann weit oberhalb der Grenze des geschlossenen
Waldes im Bereich der alpinen Region (bis 14000 Fuss), eine
Erscheinung, die mit dem Vorkommen von Bäumen im höchsten
Niveau Abessiniens zu vergleichen ist. Man kann daher wohl nicht
annehmen, dass, wo der Waldgürtel aufhört, bereits der klimatische
Grenzwerth des Baumlebens erreicht sei. Wenn der ungünstige
vulkanische Geröllboden dasselbe nicht beschränkte, möchte der
Wald sich wohl bis in die Nähe der Schneelinie heben, wo weder
die nöthige P'euchtigkeit fehlt noch die Temperatur zu niedrig ist .
Aehnlich verhält es sich auch mit den Regionen der mexikanischen
Vulkane überhaupt, die zwar durch das Vorherrschen
bestimmter Vegetationsformen scharf abgestuft sind, aber deren
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