
46 VI. Indisches Monsungcbict. Jimgiegebüschc. 47
Holzgewäclisen unterbrochen wird, deren Höhe selten über 30 Fuss
beträgt. Ans historischen Thatsachen ergiebt sich ferner, dass ancli
die Savanen nnd verlassenen Kulturfelder Avieder durch den Junglewald
verdrängt werden können, so dass keine Spur ihres einstigen
Bestehens übrig bleibt, wie denn die Tempel Siams gegenwärtig in
dichten Wäldern verborgen liegen. Dagegen scheint die periodische
Dürre der javanischen Savanen mit ihrer Lage, die etwa die feuchteren
Winde abhielte, in keiner unmittelbaren oder notliwendigen
Beziehung zu stehen, wenn sie auch im Osten der Insel, wo das
Klima trockener ist, allerdings häufiger sind, als im Westen. Von
Sumatra kann dieses Zusammenwirken klimatischer Einflüsse mit
denen der Vegetation selbst sicherer behauptet werden, und ebenso
am Fuss des Khasia-Gebirgs. In den Battaländern von Sumatra^
im Norden dieser Insel, wo der Wintermonsun wegen der gegenüberliegenden
Halbinsel Malakka weniger feucht sein wird, haben
sich die Alangfelder auf Kosten des Jungle viel weiter ausgebreitet,
als in Java, und nehmen etwa den vierten Theil der Oberfläche in
den von Junghuhn bereisten Gegenden ein. Eine wahrscheinlich
ursprüngliche Savane, wo die Gräser 10 Fuss hoch wachsen, bedeckt
ferner die Jheels^^), die östlichste Landschaft Bengalens am
Fusse des Khasia. In dem feuchten Sumatra ist die abnehmende,
hier, am Aussenrande der nordindischen Tiefebene die nach dem
Meere zu wachsende Feuchtigkeit der Luft als die Bedingung der
Savanenbildung im Gegensatz zu den noch feuchteren Junglewäldern
aufzufassen. Mit dem inneren Bengalen verglichen, erscheint die
Savane der Jheels als das Erzeugniss stärkerer und länger dauernder
Niederschläge, aber unmittelbar am Meere, in dem noch feuchteren
Gangesdelta, schliesst sich der Wald der Sunderbunds an diese
Gramineenformation. Auch im Terai von Sikkim entstehen Savanen
von kurzem Graswuchs^^^), wenn der , Jungle nebst den hohen Gramineen
durch Feuer zerstört wird und dadurch eine Quelle der
Wassererzeugung versiegt.
Die dichten Wälder und die reineren Savanen sind im nördlichen
Hindostán auf den östlichsten Theil der Niederung und auf den Himalaja
eingeschränkt. Westwäi^ts nehmen die Niederschläge, die in
Bengalen auch im Winter nicht ganz fehlen und die Vegetation grün
erhalten, an Stärke und Dauer ab. Wenn die Regenperiode in der
Richtung zum Indus von fünf zu drei Monaten herabsinkt, bis sie
zuletzt in den Wüsten von Rajwara und Sind ganz aufhört, können
die Bäume nicht mehr rechtes Gedeihen finden und statt der Grassavane
mehrt sich das magere Gestrüpp, das nur in der nassen
Jahrszeit von Kräutern und Blüthen belebter erscheint. Oft besteht
fast die einzige höhere Bewaldung des inneren Landes aus den
Fruchtbäumen, welche die Ortschaften umgeben. Niedrige Bäume
{Acacia, Zkyplms) bilden zerstreute Gruppen ohne Unterholz und
elitbehren des Schmucks der Epiphyten und Farne Nicht einmal
die Ströme werden von zusammenhängenden Uferwäldern begleitet,
der wechselnde Stand des Wassers müsste sie gefährden, das, wenn
im Sommer der schmelzende Gebirgsschnee und die Regenzeit zusammentreffen,
weithin die Landschaften überfluthet. Ueber die
ursprüngliche Vegetation dieser Tiefebenen ist nicht leicht zu urtheilen,
weil der Anbau des Bodens mit der dichten Bevölkerung im
Verhältniss steht. Auf den unbenutzten Flächen scheinen indessen
die Gesträuchformationen die Physiognomie der Vegetation vorzugsweise
zu bestimmen die aber weder den pflanzenreichen Maquis
der Mediterranflora noch den geselligen Dorngebüschen der Steppe
gleicht, sondern aus wenigen, dürftigen und unter einander unähnlichen
Bestandtheilen gemischt ist. Auf Räumen von 30 Fuss Durchmesser
konnte Hooker in Bahar, freilich im Winter, kaum ein halbes
Dutzend Arten unterscheiden. Dies sind die Junglegebüsche der
hindostanischen Flora^ unter denen bald dornige Sträucher, bald
niedrige Bambusen als charakteristisch erwähnt werden. Eine
Unterscheidung besonderer Formationen in den Tiefebenen und auf
dem Tafellande Hindostans lässt sich aus den Schilderungen der
Reisenden nicht entnehmen. Bei der Seltenheit höherer Bäume^ in
vielen Landschaften, selbst in Bengalen, ist es kaum wahrscheinlich,
dass die Junglegebüsche Ueberreste früherer Bewaldung seien. Vielleicht
war gerade die leichtere Entfernung der Gesträuche die erste
Veranlassung; dass Hindostán so frühzeitig der Kultur und dem
Ackerbau gewonnen ward und viel dichter sich bevölkerte, als die
grossentheils bewaldete malayische Halbinsel. Aber vom klimatischen
Gesichtspunkte aus betrachtet, ist es doch ein eigenes Verhältniss,
dass ein so grosser Theil der Halbinsel von dürren Gesträuchen
bekleidet ist und der Savanen entbehrt, die das ähnlich