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486 XXIII. Autarktisches Wakkebiet.
Zone angehören oder von den Südamerika iimschliessenden Meeren
bespült werden. Aliein es ist schwer zu entscheiden, welchen Antheil
daran die klimatischen Analogieen haben, welche den gemässigten
Breiten der Südhemisphäre gemein sind. Denn wie die Wälder
daselbst einer flachen Temperaturkurve, einer massigen Wärme und
einer langen Vegetationsperiode entsprechen, so finden wir unter
ähnlichen Bedingungen auch die Buchen, freilich nicht die immergrünen,
in der nördlichen Hemisphäre wieder, mit welcher ein Austausch
zur Zeit ilirer Entstehung nicht füglich angenommen werden
kann.
Zur eigentlichen Buchenform gehören ausschliesslich und dem
ganzen Umfange des Gebiets entsprechend die Buchen, welche im
Winter ihr Laub verlieren und dasselbe beim Ausschlagen zierlich
falten. Die beiden Hauptarten sind, ohne sich in ihrem Vorkommen
auszuschliessen, so vertheilt, dass die eine in Fuegia {Fcifftis antarcticd),
die andere in Valdivia [F. ohliqua) als herrschender Waldbaum auftritt.
Die letztere, an etwas grösseren Blättern kenntlich, wird unter
dem Namen Roble zur Holzausfuhr verwendet; beide werden von
immergrünen Arten begleitet. Im westlichen und feuchteren Theil
von Fuegia ist die immergrüne Buche [F, betidoides) häufiger, die im
Winter entlaubte bekleidet die östlichen Abhänge, die vor den Regenwinden
mehr geschützt sind-'), ilooker'^) bemerkt indessen, indem
er diese Beobachtung anführt, dass, da beide Arten auch neben
einander unter ganz gleichen Bedingungen vorkommen, hierin ein
starker Beweis liege, dass sie unabhängig von einander entstanden
sind. Jede für sich betrachtet aber erscheint in mannigfach wech^
selnder Gestalt und Aderung des Blatts, so dass mehrere der von
den Botanikern unterschiedenen Arten als zweifelhaft angesehen
werden müssen (z. B. F, procera und pumilio als Varietäten von F,
ohliqim, die valdivianische F. Bomheyi von F, betuloides). Hier haben
wir einen Fall, der zeigt, wie wenig es gerechtfertigt ist, bei dem
Problem der Vegetationscentren die Entstehung der Arten und Varietäten
unter gleichem Gesichtspunkt aufzufassen. Vergleicht man
zwei ähnliche Mineralkörper, die aus verschiedenen Grundstoffenbestehen,
mit einem andern, der von gleicher Zusammensetzung doch
in mehreren Formen auftritt, so'vvird man nicht daran denken, beide
Fälle einander gleichzustellen. Bei den Formen der organischen
Buchenform. — Nadelhölzer. 487
Natur glaubt man das Veränderliche und Beständige auf gleiche
Weise behandeln i\nä von demselben Ursprünge ableiten zu dürfen.
Der Unterschied liegt doch nur darin, dass die Entstehungsweise der
Mineralien aus ihren Grundstoffen bekannt, die der Piianzenarten
der Beobachtung entzogen ist. Die antarktischen Buchen geben dies
zu erwägen mehrfachen Anlass, Sie gehören zu einer Gattung, die
unter den gemässigten Breiten Südamerikas in veränderlichen Formen
spielt und doch zugleicli mehrere selbständige Arten auf demselben
Boden erzeugt hat, die dagegen, wo sie in der nördlichen Hemisphäre
auftritt, in jedem ihrer abgesonderten Wohngebiete (in Europa,
Japan und Nordamerika) nur vereinzelte Arten aufweist, welclie
keiner bemerkenswerthen Variation unterworfen sind. In der südlichen
Hemisphäre findet sie einen grössern Spielraum, jedoch nur
an den Küsten des stillen Meers : mit dem Abstände vom antarktischen
Gebiet, wo der Kreis ihrer Formen am grössten ist, vermindert
sich die Zahl der Arten ; Neuseeland hat ebenfalls mehrere, Tasmanien
noch zwei Arten.
Diese Verknüpfung süd- und nordhemisphärischer Vegetationscentren,
zwischen denen ein ehemaliger Austausch unerklärlich sein
würde, wiederholt sich in ähnlicher Weise bei den Coniferen, von
denen etwa 10 Arten aus der antarktischen Flora sicher bekannt
sind. Wenn auch als Bauholz zum Theil von hoher Bedeutung, sind
sie meist auf enge Wohngebiete eingeschränkt und finden sich zum
Theil nur einzeln oder gruppenweise dem Laubwalde beigemischt.
Die chilenische Araucarie'(^. imhric.ata) sclmiückt die beiden Kordilleren
von Araucanien — S . B.) und soll die Flüsse nicht
überschreiten , welche diese Landschaft von Concepción und Valdivia
trennen und zwischen denen sie eingeschlossen ist. Dieser
prächtige Baum, der in den Gärten Europas so eigen anmuthet, wird
in seiner Heimath oft über 100 Fuss hoch, im Wuchs schlank, wie
ein Mastbaum, die Ki'one wie eine an der obern Seite abgeplattete
Halbkugel gestaltend mit dunkler Belaubung aus gedrängten, zugespitzten,
aber flachen Blättern. Von den übrigen, nicht amerikanischen
Araucarien sind jenseits des stillen Meers zwei in Neu-Kaledonien,
eine auf der Insel Norfolk, die westlichste in Australien
heimisch. Verschieden von dieser südhemisphärischen Gattung verhalten
sidi die eigentlichen Nadelholzbäume, die nacli ihrer syste