
186 X. Kapflora.
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Standorte so beschränkt, bei andern die Entwickelungsperiode so
kurz ist, ja bei gewissen Pflanzen, namentlich anf den Karroos, die
Bedingungen ihrer Entfaltung nicht in jedem Jahre eintreten . Die
flir den Charakter der Flora massgebende Landschaft, der eigentliche
Heerd der Vegetationscentren ist die Südwestküste, wo die
Ericeen und Proteaceen fast allein einheimisch sind und mit wenigen
Ausnahmen landeinwärts schon in einem Abstände von 30 g. Meilen
aufhören. An der Südküste fallen die Gebirge an einigen Orten unmittelbar
zum Meere ab, wodurch die Vermischung der Centren auch
hier gehemmt wird. Ganz abgesondert sind die Steppen der Karroofelder
mit ihrem einförmigen Synanthereengestrüpp. Im Osten der
Kolonie ist die Unsicherheit der Niederschläge nicht geringer, hier
treten die Succulenten bedeutender hervor, und als letztes Glied der
Flora entfaltet sich an den feuchteren Höhen von Kaffrarien eine
kräftigere und stärker belaubte Vegetation, die allmälig in die tropischen
Bildungen der Natal-Küste übergeht. Hier sind die örtlichen
Unterschiede der Bewässerung am grössten und von der Exposition
der Berggehänge gegen den Passatwind abhängig.
Tegetationsformen. Mit den Haiden der baltischen Ebene
kann man die Physiognomie der Kaplandschaft vergleichen : denn
die Gesträuche, welche den grössten Theil der Kolonie bedecken,
sind von geringer Grösse, wie dort [gewöhnlich 2—5 Fuss hoch'^)"
und die meisten in ihrer einfachen Blattbildung so ähnlich, dass erst
die Blüthezeit enthüllt, wie verschwenderisch hier die Natur über ein
ärmliches Gestrüpp ihre Ornamente austheilt. Dass fast in jeder
Richtung die Lastwagen der Kolonisten, bespannt mit ihren langen
Zügen von Ochsen, sich von der Kapstadt bis Kaifrarien nnd weiterhin
frei bewegen können, ist ein Beweis von der Schwäche des
Wachsthums der Holzgewächse auf einem Boden, wo die kümmerlichen
Büsche wenig Humus erzeugen nnd der zerfallende Sandstein
die Feuchtigkeit zurückzuhalten nicht fähig ist. Die Belaubung der
Sträucher ist immergrün, sie kann daher von einer nicht periodischen
Bewässerung, so oft sie eintritt, sogleich Nntzen ziehen, und dennoch
fehlen ihr die Zeichen energischen StoiFwechsels, es herrschen in der
Landschaft die kalten, bläulichen nnd fahlen Färbungen, weil entweder
die Blattflächen zu klein sind, um die braunen Zweige zu verdecken,
oder das Grün des Glanzes entbehrt nnd oft von anliegender
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Immergrüne Sträueher. — Schutz gegen ungenügende Bewässerung. 187
Behaarung iimschleiert wird. Die Eriken- und die Proteaceen-
Formen, zu denen die meisten Gesträuche der Kapflora gehören,
entsprechen diesen beiden Bildungen des Laubes. Die Erikennadel
erhält dadurch eine allgemeinere Bedeutung, dass sie sich in einer
Reihe von Familien und Gattungen des verschiedensten Baus wiederholt,
die im blüthenlosen Zustande von den Eriken selbst oft gar
nicht zu unterscheiden sind (namentlich bei den Bruniaceen, Diosmeen,
Stilbineen, unter den Rhamneen bei Phylica, den Proteaceen
bei Spatalla, den Polygaleen bei Muraltia, den Synantheren bei
Elytropappus u. a., den Rubiaceen bei Anthospermum). Durch breitere,
aber ebenso starre Blätter geht die Eriken- in die Myrtenform
über (z. B. bei den Polygaleen, Selagineen, Thymelaeen). Die
Eriken selbst bilden die grösste Gattung der Kapflora (gegen 400 Arten),
und da sie zum Theil die Ebenen, zum Theil die Gebirge der
Südwestküste bewohnen^ wo die Niederschläge in verschiedene Perioden
fallen, so fehlt es hier fast zu keiner Jahrszeit an Arten, die,
mit zierlichen, lebhaft gefärbten Blüthen beladen, einen erfreulichen
Anblick gewähren. Auch das blaugrüne, matte oder durch die Behaarung
auch wohl wie Silber glänzende Laub der Proteaceenform
ist selbst auf dem dürrsten Boden in einigen Fällen mit prangenden
Blüthenköpfen von ungewöhnlicher Grösse geschmückt, deren Zucker
Schwärme von Insekten anlockt §) : bei einer der häufigsten Arten
[Protea cynaroides) erreichen die grünlich weissen Köpfe einen Durchmesser
von 8 Zoll. Die meisten Proteaceen sind entweder dem Kap
oder Australien eigenthümlich, die Gattungen und Arten ziemlich
gleichmässig auf beide Floren vertheilt, aber ähnliche Blattformen
kehren auch hier in manchen andern Familien wieder. Auch ist in
den beiden Hauptformen der immergrünen Sträucher der Kreis der
Blattgestaltung keineswegs erschöpft: denn es giebt noch manche
durch ihr Gewebe und ihren Umriss charakteristische Arten der Belaubung,
die, bekannt genug, doch fast nur der Kapflora eigen sind
(z. B. unter den Geraniaceen Pelargonium, den Byttneriaceen Hermannia
und Mahernia, den Rosaceen Cliffortia, den Terebinthaceen
Rhus).
Das Wachsthum des Holzes kann bei ungenügender Bewässerung
nur langsam von Statten gehen, aber um so fester und härter
ist das Gewebe des Stamms und der unterirdisch verholzten Organe.
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