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210 XI. Australien.
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und sind auch nur in wenigen Liiiideriij die Rämmtlicli ein trockenes
Klima oder docli trockene Jahrszeiten besit^ien, anzutreffen. Denn
da die Bäume unter allen Gewächsen die grösste Menge von organischen
Nahrnngsstoffen bereiten müssen, um den mannigfaltigen Anspriiclien
des Organismus nach einem mit der eigenen Grösse wachsenden
Massstabe zu genügen, scheint die Fülle der lilätter als derjenigen
Organe, in denen das zum Wachstimm "nöthige Material
entsteht, zu der vielfaclien Verwendiing desselben in einem angemessenen
Verhältniss stehen zu müssen. Allein wenn das Laub
nicht abgeworfen wird, fällt das Bedürfniss hinweg, Knospen fiiidie
Zukunft zu erzeugen und Nahrungsstoffe für sie abzulagern : die
Aufgaben vereinfachen sich also und die Holzbildnng selbst kaini
verlangsamt werden. Unter solchen Bedingungen wird die Hachc
Blattgestalt entbehrlich, die durch ihre grössere Oberfläche eine
reichlichere Aiifnahme von Nährstoffen aus der Luft bewirkt; sie
kann durch Nadeln und sogar durch cylindrische Zweige ersetzt
werden. Die blattlosen llolzgewächse Australiens sind daher der
einfachste Ausdruck für ein Klima, welches eine langsame Knt-
Wickelung des Pflanzenlebens fordert und diese nnterbricht, ohne
wesentliche Organe zu zerstören. Aber die verminderte Holzerzeugung
ist auch den grossen Dimensionen des Organismus liinderlich:
blattlose Sträncher finden sich daher weiter auf der Erde verbreitet,
als blattlose Bäume, und auch die Casuarinen Australiens bleiben
niedrig, einige sind stammlos, eine tropische Art wächst am Wasser.
Nur unter den Coniferen dieser Keihe, deren Nadeln zu Scliuppen
verkürzt sind, kommen hohe Baumgestalten vor, indem die grosse
Anzahl der Blattorgane wohl einen Ersatz für ihre Kleinheit bietet.
Die Proteaceenform geht ferner durch Verschmälerung des
Blatts zur Nadel in die Erikenform über, die in Australien aber
nicht durch Ericeen, sondern durch mannigfaltige andere Familien
vertreten wird (z. B. durch die jenen nahe verwandten Epacrideen,
durch Gattungen von Proteaceen, Leguminosen, Myrtaceen u. a.).
Zu den eigenthümlichsten Pflanzenformen Aixstraliens, die nicht
einmal das tropische Gebiet dieses Kontinents erreichen, gehören die
Xanthorrhoeen oder Grasbäume [Xanthorrhoea nnd Kmjia), monokotyledonische
Gewächse, deren sonderbarer Bau, wo sie zahlreich,
wie in den südwestlichen Kolonien, auftreten, die Physiognomie der
Erikeuforui. Xanthorrhoeen form. — AustraJische Gräser. 211
Landschaft seltsam genug erscheinen lässt. Der llolzstamm ist
niedrig und trägt auf seinem Gipfel einen gewaltigen Büschel von
gi'obeii Grasblättern, ist also gar nicht mit dem Wüchse der Bambusen
oder Baumgräser zu vergleichen, weil ilnn deren Knoten mit
ihrer Blattverzierung fehlen. Zu den höheren Grasbäumen gehört
eine von Dnmmiond*') beschriebene Xanthorrlu)ea der Kolonie Swan
River [Blackhoy genannt), deren fnssdicker Stamm 10 bis 15 Fuss
hoch wird und zuweilen wiederholt gabelig getheilt ist, wobei alle
Zweige gleiche Dicke behalten : der Blüthenstiel am Gipfel ist fast
ebenso hoch als die Pflanze selbst. Am grössten aber werden die
Kingien, die in derselben Niederlassung eine Höhe von 20 bis 30 Fuss
erreichen. Die meisten Xanthorrhoeen haben jedoch nur ehien
Stamm vou wenigen Fussen, und bei ainieren verschwindet dieser
ganz wie bei den Zwergpalmen, in welchem Falle diese Pflanzenform
in die der rasenbildenden Gräser übergeht. Als physiognomisch bedeutende
, vegetabilische Gestaltungen stehen die Grasbänme dei'
Paudanusform Indiens und Oceaniens, oder den Liliaceenbäumen,
den Vellosien Brasiliens am nächsten, die sich beide durch die Bildung
ihres Blattgewebes unterscheiden. Gerade die Grasrasen am
Gipfel der Stämme sind es, welche die klimatisclie Eigentlnlmlichk(
iit Australiens andeiiten. Denn das saftarme Gramineenblatt mit
seiner kieselreichen Epidermisschicht theilt eben in dieser Beziehung
die charakteristische Organisation der übrigen llolzgewächse, und iu
den trockenen Steppenklima,ten finden wir überall den Grasrasen
noch straffer und daher stärker als anderswo gegen die Verdunstung
gepanzert.
liier haben wir also, noch weiter vei'mittelt durch die den
(J rasbäumen verwandten Gattungen Xerotes und Dasyjjogon, den
IJebei'gang zu der wichtigsten PHanzenproduktion Australiens, zu
dem Reichthum seines Weidelandes, der auf der Bodenbekleidung
durch rasenbildende Gi'äser beruht, und aus dem mit der Schafzucht
zuerst in den entlegensten Küstenlandscliaften sich die britischen
Ansiedelungen entwickelt haben, die sich nun auf gleiclier Grundlage
uiit reiösender Schnelligkeit bis tief in das Innere des tropischeii
(Jebiets ausdehnen und mit wachsenden Verkehrsmitteln auch die
Oasen der Wüste eri'eichen M^erden. In reichereu Gegenden bildet
mit dem Eintritt der Regenzeit die Grasnarbe einen dicht zusauimen-
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