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Jalu-szeit ist den monokotyledonischen Bäumen weniger günstig, als
das des tropischen Amerikas iind des indischen Archipels. Wenn
auch keine der Hauptformen ausgeschlossen ist, so zeigt sich dies
doch in der geringen Mannigfaltigkeit ihres Baus und darin, dass
mehrere nur in gewissen Landstrecken gedeihen.
So allgemein die Palmen in Sudan vorkommen, so steht doch
die Anzahl der Arten in dem auffallendsten Missverhältniss gegen
Amerika und Asien. Sie beträgt nur etwa den zehnten Theil der
aus jedem dieser beiden Erdtlieile bekannt gewordenen und würde
noch geringer sein, Avenn nicht Mann eine Reihe von Palmlianen, die
also nicht zu der eigentlichen Palmenform gehören, an der Westküste
entdeckt hätte. Hierin zeigt sich eine der vielfachen Aehnlichkeiten
mit der Flora Ostindiens, die den Palmenreichthum Amerikas nur
durch die grosse Zahl von Calamus-Lianen erreicht, in der Mannigfaltigkeit
der Baum-Palmen aber ebenfalls zurücksteht. Die Einförmigkeit
des Baus wird in Afrika gleichsam ersetzt durch die
Häufigkeit der Individuen und die grossen Verbreitungsbezirke der
drei wichtigsten Arten. Während in Amerika eigentliche Palmenwälder,
das heisst geschlossene Bestände von Palmen mit Ausschluss
dikotyledonischer Bäume überaus selten sind und nach einer mündlichen
Aeusserung Humboldt's in den von ihm bereisten Gegenden
überhaupt nicht vorkommen, finden wir in Afrika, als sollte in diesem
Klima und gegenüber den Elephanten, die die Stämme wie Rohr zerbrechen
, die Gefährdung der Art durch die Menge der Individuen
überwunden werden, geselliges Wachsthum, wie bei der Dattelpalme
der Sahara, so auch im wärmeren Sudan bei der Dom- und der
Deleb-Palme. Von der Dompalme kommen stundenweite Wälder
am Nil vor . einen über mehrere Meilen ausgedehnten Wald der
Delebpalme traf Livingstone^^) im Thale des Shire, der aus dem
Nyassa-See in den Zambesi strömt; grosse Bestände finden sich auch
im Süden des Tsad-Sees^Q). An der Westküste, deren Vegetation
überhaupt Amerika weit ähnlicher ist als der Osten Afrikas, erheben
sich die Palmen nicht selten einzeln, wie dort, über die Bestände des
geschlossenen Laubwaldes oder sind in ihnen verborgen. Die drei
liäufigsten Palmen Sudans sind so verschieden gestaltet, dass sie in
ihrer Eigenthümlichkeit physiognomisch hervortreten. Die Dompalme
[Hyphaene thehaica), mittelhoch, eine Fächerpalme, die am
Pahnen. — Formen des Pandanus, Pisang, d. Bambusen u. Farnbäume. 127
oberen Ende des Stamms sich gabelförmig theilt und diese Theilung
auch zwei- oder dreimal wiederholen kann; die Delebpalme [Borassus
aet1üopiim\ aber nach Kirk mit dem indischen B, flahelUformis
identisch) ebenfalls mit Fächerlaub, 40 bis 80 Fuss hoch, oft mit
einer Anschwellung des Stamms über der Mitte, vom Gipfel die
Blätter herabbiegend; endlich die Oelpalme [Elaeis guineensis) durch
ihr Fiederblatt der Dattelpalme ähnlicher, von niedrigem Wuchs und
am Stamm mit grossen Narben und längere Zeit sich erhaltenden
Blattstielresten. Die letztere Palme ist auf den Westen und Süden
des tropischen Afrikas eingeschränkt (15^ N. B. bis 15 ^ S. B.), die
beiden anderen bewohnen den grössten Theil Sudans : die Dompalme,
die mit dem Nil über dessen Grenzen hinauswandert, ist auch in den
Tsad-Ländern und bei Tombuktu häufig , sie wird im Süden durch
verwandte Arten ihres Geschlechts bis nach Natal vertreten; die
Delebpalme findet sich von der Westküste und vom oberen Niger bis
zum Nil und erreicht in südlicher Richtung das Stromgebiet des
Zambesi (lö^N. B. bis IS^S. B.). Die Form der Zwergpalme
entspricht im Allgemeinen den äusseren Grenzen des Palmenklimas,
indem hier durch die unterirdischen Stammtheile vermöge ihrer
Seitenknospen die Erhaltung des Individuums besser gesichert ist,
aber sie fehlen auch den wärmeren Gegenden nicht (wahrscheinlich
sind es Arten von CAamaerops) ; sie begleiten in Bornu und Sennaar
die Delebpalme und werden auch in Mozambique angetroffen.
Weniger allgemein sind die monokotyledonischen Holzgewächse
mit ungetheiltem Laub. Die Pandanusform findet sich an der Westküste
[Pandamis Candelabrum) und im Delta des Zambesi . Baumartige
Lilien {Dracaena) wachsen in Oberguinea; eine ähnliche Form
bedeckt nach Welwitschst) im Inneren von Angola die felsigen Höhen
von Pungo-Andongo: seine Entdeckung ist um so bemerkenswerther,
als diese Liliacee einer für die brasilianischen Savanen charakteristischen
Gruppe [Vellosia) angehören soll. Wenn das schmale Blatt
der Liliaceen sich auf dem trockensten Boden entwickeln kann, so
fordert das breite, durch unzählige Spiralgefässe in seiner Haltbarkeit
gesicherte Laub der Pisangform tropische Feuchtigkeit. Schon
Adanson schilderte den feuchten Humusboden an der Mündung des
Gambia als geschmückt mit Pisangwäldern, unter denen Pfeffersträucher
und Seitamineen-Gewürze gebaut werden: aber dies sind