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68 VI. Indisches Monsungebiet.
einzelnen Inseln von Sumatra und Java bis Neu-Guinea kenntlich
sind. Auf den in der Senkung begriffenen Inseln der Südsee ist die
Flora dagegen sehr arm an endemischen Erzeugnissen und grosstentheils
von Asien aus eingewandert. Ueber Neu-Guinea und Neu-
Irland hinaus sind im stillen Meere im entschiedensten Gegensatz
gegen die Sandwich-Gruppe und Neu-Kaledonien, wo die indische
Vegetation ihr Ziel findet, selbständige Centren endemischer Gewächse
nur spärlich nachgewiesen. Dass die Flora der tropischen
Korallen-Archipele eine eingewanderte sei und sich nicht von ihnen
ans erst nach Asien verbreitet hat, geht aus dem geringen Verhältuiss
der Arten zu den Gattungen hervor, aus einem Gesetze, welches
von Hooker bei seiner Untersuchung des Galapagos zuerst ermittelt
wurde62). Hiernach ist nicht anzunehmen, dass das Mass dieser
Senkungen, die Darwin63) aus den Korallenbildungen nachwies, so
bedeutend war, um ganze Kontinente zu zerstören, von deren organischen
Schöpfungen doch Ueberreste sich erhalten haben würden.
Mit dem Umfange gehobenen Landes wächst auf den Sunda-Inseln
die Fülle eigenthümlicher Erzeugnisse.
Die Vertheilung der Organismen im indischen Archipel enthält
noch ein anderes Problem, eins der merkwürdigsten auf dem dunklen
Gebiete der Vegetationscentren. Während die Flora überall, mit
Ausnahme der Gruppe von Timor, indisch ist, der Vegetationscharakter
Neu-Guineas durchaus dem von Borneo gleicht und also
durch klimatische Bedingungen geregelt wird, erscheint die Anordnung
der Thiere einem ganz verschiedenen, von Wallace i) nachgewiesenen
Verhältniss unterworfen. Die Grenzen bestimmter Thierformen,
wie der australischen Beutelthiere, werden durch die Tiefe
des Meers bestimmt, welches die Inseln von einander absondert.
Eine Linie tiefen Seegrundes durch die Macassarstrasse zwischen
Borneo und Celebes, im Osten von Java zwischen Bali und Lombok
und im Norden zwischen den Molukken und Philippinen fortgesetzt
trennt die indische von der australischen Fauna, ohne dass irgend
ein anderer physischer Einfluss zu erkennen wäre. Denkt man sich
beide Gebiete um 600 Fuss gehoben, so würde das indische mit
dem asiatischen Festlande verbunden sein, und ebenso steht Neu-
Guinea durch die seichte australische Bank mit Neuholland in untermeerischem
Zusammenhang.
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Absonderung der Vegetationsccntrcn 09
Die Grenzen bestimmter Pflanzen- und Thierformen fallen demnach
im indischen Archipel nicht zusammen. Die Vegetation entspricht
dem Gesetz der klimatischen, die Fauna dem der räumlichen
Analogieen. Ein weiter Spielraum zu Spekulationen über die Erdgeschichte
ist hier geöffnet. Durch eine blosse Senkung des Bodens
von geringfügigem Betrage erklärt der Darwinismus den Ursprung
der Faunen auf diesen Inseln mit Leichtigkeit, nicht aber den indischen
Charakter der Flora von Neu-Guinea, die weit bedeutendere
Hebungen als der Ursprung der Faunen voraussetzt, geeignet, äquatoriale
Regenzeiten zu erzeugen. Diese Hypothese lässt die endemischen
Beutelthiere Neu-Guineas nach erfolgter Bildung der Torresstrasse
aus den australischen hervorgehen, aber sie giebt keinen
Aufschluss, wie die eigentliümlichen Palmen Neu-Guineas aus verwandten
indischen Gattungen entstehen konnten. Mit grösserem
Rechte kann man eine andere, jedocli ebenso wenig durch Thatsachen
näher begründete Vermuthung aussprechen, die von der verschiedenen
Stellung der Pflanzen und Thiere zur Aussenwelt ausgeht. Nach
ihrer Organisation sind die ersteren vom Klima abhängiger, die letzteren
von der Vegetation, die ihnen zur Nahrung dient. Wird ein
Meeresgrund in Festland verwandelt, so ist dessen Klima (abgesehen
von der geographischen Lage) durch die Gestalt der Küsten und das
Relief des Bodens bestimmt. Aeussern sich nun schöpferische Kräfte,
so werden die Formen der Vegetation sich dem Klima anpassen.
Dem heutigen Klima entsprechen sie, wie überall, so auch vom
malayischen Kontinent bis zu den Inseln der Südsee. Nehmen wir
aber an, dass in einer früheren Periode der östliche Theil des Archipels
seine Gebirge noch nicht besass und mit Australien verbunden
war, so mochte das austraüsche Klima bis zum Archipel reichen und
mit der Aenderung des Klimas musste auch die damalige Vegetation
verschwinden. Eine neue Flora entstand, aber in der Fauna, die
vom Klima unabhängiger ist, konnte sich der frühere Typus länger
erhalten. Vielleicht ist die jetzige Periode als ein Zustand zu betrachten
, wo die australischen Thierformen Neu-Guineas im Aussterben
begriffen sind, weil die Junglewälder ihrer Ernährung nicht
•entsprechen. Es hat den Anschein, dass nur in gewissen Zeitpunkten
die schöpferische Thätigkeit auf gewissen Punkten der Erdoberfläche
erwacht, und dass in den langen Pausen die Natur nur das
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