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J72 XXII, Chilenisches Uebergangsgebiet.
atlantischen Meere sich wiederholen iind weder von den südlichen
Anden noch über die Kordillere sich höhere Bäume ansiedeln konnten,
so mnss diese Waldlosigkeit als eine denkwürdige Eigenthümlichkeit
der Vegetationscentren in den wärmern Gegenden der gemässigten
Zone Südamerikas bezeichnet werden. In Chile ist ebenso, wie in den
Pampas, der überall herrschende, in der trocknen Jahrszeit völlig ausgedörrte
und erhärtende Thonboden dem Baumwuchs wenig zuträglich:
Poeppig^) bemerkte darüber, der Mangel an hohen Bäumen und das
zerstreute Vorkommen der kleineren Arten sei eine Folge nicht der
Dürre des Klimas, sondern der Unfruchtbarkeit der Erdkrume.
Was von Bäumen im mittleren und nördlichen Chile vorhanden
ist, lässt sich Vergleichungsweise mit ähnlichen Klimaten der nördlichen
Hemisphäre dahin zusammenfassen, dass, wie es in der südlichen
gemässigten Zone überhaupt beinahe immer der Fall ist, die
Arten mit periodischem Laubfall fehlen und dagegen tropische Formen
und zum Theil auch tropische Familien darunter vertreten sind. Der
Espino i Acacia cavmfa), fast der einzige, einheimische Baum in der
Gegend von Santiago ist eine niedrige, im Wachsthum verkümmerte
Mimosee mit harten, dornigen Zweigen , der trockeneren Luft im
Innern des Landes entsprechend und der Seeküste fremd . Ein
gleich zwerghafter Wuchs ist auch einem ebenfalls dornigen Leguminosenbaum
mit winzigen Fiederblättern eigen (der im Pampasgebiete
erwähnten Sophoree Gourliea), der in den nördlichen Provinzen
auftritt und sich auch jenseits der wasserlosen Wüste von
Atacama verbreitet. Die Formen des Lorbeers und der Olive dagegen
sind zu ihrer Erhaltung stärkerer Zuflüsse von Feuchtigkeit
bedürftig : Bäume mit diesen Arten der Belaubung sind an den
.Flüssen, in den geschützten Schluchten der Andenthäler2) anzutreffen,
und nur sie erreichen zum Theil eine bedeutendere Grösse s)
(die Laurinee BoUu bis über 50 Fuss; bis 30 Fuss die Rosacee
Quillaja), Andere sind ebenso klein, wie in den dürren Gegenden.
Dièse Zwergbäume feuchter Standorte überschreiten grossentheils
auch die Grenzen des südlichen Chile, wo das Klima geändert ist
(z. B. von Rosaceen Quillaja und Kageneckia) ; sie sind ein Beispiel
von der räumlichen Verwandtschaft der Formen und der Aehnlichkeit
des Wachsthums an nahe gelegenen Vegetationscentren, wo die
Stämme, wie die der dürren Anhöhen, niedrig bleiben können,
Succulenten. — Gesträuche. 473
obwohl die Zuflüsse und eine stetige Entwickelungsperiode ihnen
bald durch die Bewässerung, bald durch die Niederschläge gleichmässig
gesichert sind.
Auch eine einzige Palme [Juhaea spectahüis) ist chilenisch (südwärts
bis 3,5ö S. B.) , ein Baum von etwa 30 Fuss Höhe mit
Fiederlaub, dessen Stamm nach der Mitte zu anschwillt, ein
endemischer Monotyp, der den geneigten Boden der Anden bis über
4000 Fuss2) hinansteigt und streckenweise häufig ist, aber, da der
zuckerhaltige Saft benutzt wird, vielfach unter der Axt verloren
geht. Sie scheint der trocknen Jahrszeit kräftig zu widerstehen,
indem sie Monate lang nach den Regenmonaten ihre Saftfülle bewahrt,
und würde ein merkwürdiger Beleg sein, dass in einer Familie,
deren Wasserbedürfniss so gross ist, Fälle vorkommen, wo lange
Zeit hindurch nur wenig Feuchtigkeit aus dem Boden aufgenommen
werden kann. Auch von einer 15 Fuss hohen Bambuse [Chusquea]
wird diese chilenische Palme zuweilen begleitet, die von denjenigen
Arten verschieden ist, welche das feuchte Valdivia bewohnen, wo
diese Vegetationsform viel besser fortkommen kann.
Auf dem dürrsten Boden, jedoch besonders längs der Küste
erscheint die Form der Lilienbäume, hier durch eine besondere Gattung
von Bromeliaceen {Piiya) ersetzt. Da ihr Holzstamm meist
niedergebogen wenig hervortritt und die Blattrosette mit Stacheln
bewehrt ist, so hat dieselbe eine gewisse Aehnlichkeit mit den Agaven :
wie bei diesen ist auch der Blüthenschaft, der in die Traube von
gelben Blumen ausläuft, von beträchtlicher Länge (8 — 10 Fuss) und
hoch aufgerichtet.
Die übrigen Vegetationsformen sind grossentheils dieselben, wie
an der pacifischen Abdachung Perus. In den unteren Regionen erblickt
man überall an den dürren Gehängen die grotesken Gebilde
der Cereen und Opuntien, unter den ersteren ist eine der häufigsten
der Quisco-Cactus {Cereus Qmsco), dessen Säule, gleich einem Armleuchter
verzweigt, sich 20 Fuss emporstreckt. Nach aufwärts folgen
die kugelförmig angeschwollenen Cacteen {Echmocactus und Mamillarm),
aber auch hier nebe^ den kleineren Arten von Mamillarien
Echinocacten von unförmlich grossem Durchmesser.
An den Gesträuchen ist die Dornbildung, welche oft die Belaubung
zurückhält und sich bis zur Unterdrückung der Blätter steigern
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