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226 XL Australien.
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Luftströmimg wird, treiFen wir hier schon im äussersten Südosten
die Steppen des Murray und Darling, denen durch die vorliegenden
australischen Alpen die pacifische Feuchtigkeit entzogen ist. Weiterhin
folgen in nordwestlicher Richtung die wasserlosen Gegenden am
Eyre, und damit beginnt die Zone des anhaltenden SüdostpassatS;
welche nach Stuart's Aufzeichnungen in diesen Meridianen den ganzen
Raum vom 29. bis 19. <> S. B. einnimmt^o). Endlich, nach einer
weiten Lücke unbekannter Landstriche, trifft man in derselben Richtung
auf die wasserlose Wüste (181/2^ S. B.), welche Gregory verhinderte,
vom Victoria River südostwärts weiter in das Innere vorzudringen
21). Hier tritt dann zuletzt der Wendepunkt ein, wo der
tropische Nordwestmonsun im Sommer sich fühlbar macht und eine
fruchtbare Küstenzone ausscheidet. Aus so allgemeinen Gesichtspunkten
lässt sich nun zwar ein Theil der Ursachen entnehmen,
weshalb die dem stillen Meere zugewendete Seite Australiens klimatisch
bevorzugt ist: aber da andere Verhältnisse mitwirken, wäre es
voreilig, die Anordnung der Steppen hierauf allein begründen zu
wollen. So hat das Aufhören der Winterregen im Inneren von Swan
River eine eigenthümliche Bedeutung. Hier beginnen jenseits der
Darling-Berge öde Landschaften, wo zwar in allen Monaten, aber nur
vereinzelte Gewitterschauer fallen. Diese Wasserarmuth, welche es
bis jetzt nicht erlaubt hat, weiter als etwa 100 g. M. nach Osten
voü jener Kolonie aus vorzudringen22)^ möchte vielleicht darauf beruhen,
dass in diesen ilachen Gegenden der trockene Passat sich
noch jenseits des 30. Breitegrads bis nahe zur Südküste zu einer
dauernden Luftströmung entwickelt.
Die Formationen des Sumpfbodens und die Mangrovewaldungen
der Küste unterscheiden sich nicht von den entsprechenden Bildungen
anderer Vegetationsgebiete. Wenn die gemischten Baumgruppen
in den Creekthälern da entstehen, wo Wasser sich sammelt, so bildet
sich eine Rasendecke von Cyperaceen und anderen Sumpfpflanzen,
wo nur die Erdkrume die Feuchtigkeit zurückhält. In der nassen
Periode überschwemmt, vollenden sie ihr Wachsthum erst spät in
der trockenen Jahrszeit, und die Marschen bewahren daher ihr Grün,
wenn der Rasen der Waldsavane verdorrt ist. Wie wenig auch die
Natur in Australien für die Ernährung des Menschen geleistet hat,
wie sehr es dem Eingebornen an essbaren Früchten und anderen
Marschen u. Savanen. — Absonderung der westl. u. östl. Centren. 227
Nahrungsmitteln fehlt, so ist doch für die weidenden Säugethiere
kein ähnlicher Mangel zu spüren. Wenn gegen das Ende der
trockenen Jahrszeit die Nahrung in den Waldsavanen spärlicher
Avird, stehen die Marschniederungen noch in frischem Wachsthume,
und ebenso erhalten sich in der Salzsteppe die fleischigen
Blätter der Halophyten, die den Heerden ein werthvolles
Futter bieten können. Aber freilich sind die Marschen von
sehr ungleichem Werth. Am Golf von Carpentaria rühmt Stuart
die tropische Ueppigkeit des Graswuchses der Savane^S) : an den
Bächen und auf dem Humusboden in der Umgebung eines grossen
Süsswassersumpfes »gleiche die Grasdecke einem dichten Felde grünen
Weizens^ und an feuchten Stellen reiche es dem Reiter bis an
die Schulter«. Welchen Gegensatz gegen solche Schilderungen
bieten die unzugänglichen Salzsümpfe in Südaustralien und die Rohrfoimationen,
die in den verschiedensten Theilen des Kontinents vorkommen,
und, aus derselben Graminee, wie in Europa, gebildet
(aus Arundo Phragmites), ein ausgezeichnetes Beispiel von der weiten
Verbreitung der an das Wasser gebundenen Gewächse und der
Uebereinstimmung der Sumpfvegetation überhaupt liefern.
Yegetationscentren. Die meisten Pflanzen Australiens gehören
zu endemischen Gattungen, von allen Ländern der Erde ist nur
die Südspitze Afrikas mit einem solchen Endemismus zu vergleichen,
und auch hier sind es nicht Monotypen und Bildungen von unbestimmter
systematischer Stellung, sondern in der Regel grosse Reihen
von ähnlichem Blüthenbau, worin die Eigenthümlichkeit der
Vegetationscentren sich äussert. Der allgemeinste Charakter in der
Organisation der australischen Flora besteht darin, dass in der Reihe
der vorherrschenden Familien 24) die Myrtaceen den zweiten, die
Proteaceen den dritten, die Epacrideen den siebenten und die Goodeniaceen
den achten Platz einnehmen. Alle diese Pflanzengruppen
erreichen die grösste Artenzahl in den südwestlichen Küstenlandschaften
und nehmen in dem tropischen Australien sehr erheblich an
Bedeutung ab. Die Eigenthümlichkeit der Flora ist also da am entschiedensten
ausgeprägt^ wo die geographische Entfernung anderer
Vegetationsgebiete die grösste ist und die Vermischung mit ihnen
daher am meisten durch den Ocean erschwert wird. Aber diese
südwestlichen Centren sind auch landeinwärts auf vielfache Weise
15^