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anzuerkennen haben, aber die Variation ist in der Wüste weit
grosser ^f"), der Frost in den südlichen Tiefländern unbekannt. Es
dringen daher nur äusserst wenige Gewächse aus den ebenfalls
trockenen Savanen Sudans in die Hochfläche der Sahara ein. Je
mehr Wärme tropische Organisationen bedürfen, desto empfindlicher
sind sie gegen das Uebermass des Temperatiu-wechseis. Grösser,
als mit den Formen tropischer Vegetationsgebiete, ist hingegen die
Uebereinstimmung der Sahara-Pflanzen mit denen der asiatischen
Steppen und Südeuropas. Und so ist auch das Klima der Sahara
dem Bewohner der gemässigten Zone zuträglicher, als das eigentliche
Tropenklima. Nur in den Oasen entsteht mit der Feuchtigkeit auch
die Malaria, auf der trockenen Hammada stärkt sich in der reinen
L u f t das Keactionsvermögen des Körpers und lässt die Beschwerden
des Temperaturwechsels ertragen.
Y e g e t a t i o n s f o r m e i i . So gross die Aehnlichkeit des Klimas
und der Vegetation ist, welche die Sahara mit den Wüsten und
Steppen der gemässigten Zone verbindet, so spricht sich doch auch
hier die eigenthümliche Stellung des heissesten Erdgürtels darin aus,
dass der Baumwuchs nicht in gleichem Grade ausgeschlossen ist, und
dass den ödesten Gegenden, in die der Nomade mit seinen Heerden.
nicht eindringen kann, sogar eine Palme zu Theil ward, die zur Ern
ä h r u n g der Bewohner ausreicht und sie zu festen Ansiedelungen in
den Oasen vereinigt hat. Die dicht geschlossenen Dattelwälder, die
man so oft mit Inseln im weiten Saharameere verglichen hat, scheinen
zwar nur der Kultur ihre Entstehung zu verdanken, aber eine
einsame Acacie, oft von hohem Wüchse 2«), setzt den Reisenden zu-
. weilen schon aus weiter Ferne in Erstaunen, nachdem er Tage lang
nur Felsen und Wüstenstaub erblickt hatte. Hier wird das Leben
der Bäume nicht, wie in den asiatischen Steppen, durch den Wechsel
der Jahrszeiten gefährdet, sondern nur durch den Wassermangel in
enge Grenzen eingeschlossen. Wo ihre Wurzeln die unter der Oberfläche
verborgene Feuchtigkeit erreichen können, ist die Entwickelungsperiode
nur an das langsame Steigen und Sinken des Grundwassers
gebunden und kann lange genug fortdauern, um den wechselnden
Phasen der Holz- und Fruchtbildung und der Erneuerung
der Knospen zu genügen. Aber wie können gerade die Palmen hier
•gedeihen, die so viel Feucht igkei t bedürfen, und deren einzige Blat t -
Dattelpalmen. 8 5
knospe einmal zerstört, sei es durch Kälte oder Trockenheit, eben
nicht wieder ersetzt werden kann? Die Kultur der Oasen sorgt
freilich durch künstliche Bewässerung für das Feuchtigkeitsbedürfniss
der Dattelpalme, die Pflanzungen gedeihen nur da, wo die
.Spenden der Brunnen und Quellen unerschöpflich sind. Aber die
Palmen dürfen auch nicht als ein fremdes Erzeugniss gelten, sie
sind niclit erst durch die Kultur in die Sahara eingeführt worden,
da die Datteln ausseriialb dieses Wüstengebiets an wenigen Orten
reif werden. Schon an der Nordseite des Atlas ist dies nicht mehr
der Fall 27). Die Nordgrenze der algerischen Sahara und der Wüste
Arabiens 28), die ludusmündung im Osten und die Landschaft Air 2)
(18 0 N . B.) im Süden, das sind die klimatischen Wendepunkte, innerhalb
deren die Dat telpalme vollständig, aber auch allgemein bei genügendem
Wasserzufluss ihre Lebensbedingungen findet. In diesem
Gebiete, welches zugleich die klimatischen Grenzen der Sahara
genau bezeichnet, muss daher auch ihre Heimath liegen. Auch besitzt
die Wüste noch eine zweite Palme, wenn auch nur eine Zwergpalme
[Hrjphaene Argun), die in den nubischen Wadis zwischen dem
rothen Meere und dem Nil nicht selten ist 29).
Die Frage über das Veriiältniss der Dattelpalme zum Wüsten-
Mima ist zwar oft angeregt, aber doch nur unvollständig gelöst
worden, weil man die Temperatur der Atmosphäre allein, nicht aber
4ie allgemeinen Lebensbedingungen der Palmen dabei in Betracht
zog. Diese Familie veriangt, weil sie immergrünes Laub trägt,
steten Zufluss von Feuchtigkeit, und zugleich ist sie gegen Schwankungen
der Temperatur noch empfindlicher, als gegen die Kälte.
Die schönsten Er folge der Palmenkul tur in unseren nordischen Treibh
ä u s e r n werden da erreicht, wo Wasserbehälter mit ihren Wurzeln
in steter Verbindung stehen. Wenn nun von der Dattelpalme die
arabische Bildersprache sagt, dass «diese Königin der Oasen ihren
Fuss in Wasser und ihr Haupt in das Feuer des Himmels tauche«,
so könnte man eine abweichende Organisation, besondere Schutzmittel
gegen das Wüstenklima erwarten, findet sie aber weder in
.dem etwa 50 Fuss hohen Wüchse des Stamms noch in den Fiederb
l ä t t e r n , so wie auch ganz ähnliche Arten desselben Geschlechts
[Fhomix] in feuchten Tropenlaiidschaften vorkommen. Die Dattelpalme
findet diesen Schutz aber doch in dem Boden, in dem sie wur -