
ü¡r
h 1:
•ij
•U
•> íí
I
• 1
•^fl
•..íii
.Ír\
, !
. «•ti
I'
--I S í ^
" 1
{,! i
i
il
482 XXIII. Antiirktisclios Waldgebiot.
Breiten Europas die äquatorialen Luftströmungen iind iliré Wolken
mit dem lieitereii Himmel der Polarströmiuigen in kurzen Perioden
regellos abwechseln und wie in Folge dessen sich die atmosphärischen
Niederschläge über alle Jahrszeiten vertheilen, so führen auch hier
die westlichen Aequatorialwinde den Wasserdampf vom Meere herbei
nnd kehren so häufig wieder, dass die Vegetation der Feuchtigkeit
nie zu entbehren hat. Wie auf den Alpen oder an den Küsten Norwegens
hänfen sicli die Wolken, weil die kalten Gebirgshöhen, mit
ewigem Schnee bedeckt, sich dem dampfbeladenen Winde entgegenstrecken.
So ist Chile das ehizige Festland der Südhemisphäre, wo,
wie in Kuropa, von der subtropischen des Winterregens sich polwärts
eine andere Zone scheidet, die das ganze Jahr hindurch befeuchtet
und bewässert ist.
Da aber hier diese Feuchtigkeit mit einem milderen Winter gepaart
ist, so bewahren die meisten Bäume ilir Laub und die ganze
Küste, selbst jede Insel von Chiloe bis zum äussersten Punkte von
Fuegia, ist mit undurchdringlichem Walde bedeckt i). Ferner unterscheidet
sich dieses antarktische Waldgebiet vom nördlichen Europa
theils dadurch, dass der Winter noch feuchter ist, als der Sommer,
theils dass die Niederschläge so massenhaft fallen und die Tage des
Regens und umwölkten Himmels so häufig eintreten, wie es ausserhalb
der Tropenzone sonst nur noch an wehig vereinzelten Orten
vorkommt. In Valdivia (40" S.B.) wurden in einem Jahre 156 Regentage
und ausserdem 70 verzeichnet 2), an denen die Atmosphäre
bewölkt war; in Puerto Montt ( 4 S . B.) betrug nach seclisjährigem
Durchschnitt der Regenfall 96 Zoll-'). Die Wälder haben
daher auch eine grössere Aehnliclikeit mit denen tropischer Gebirge,
als mit den Tiefländern der gemässigten Nordhemisphäre. Die Südfrüchte
, die im centralen Chile so trefflich gedeihen, reifen hier
nicht') : der Zuckerbildung in der saftigen Frucht ist die Seltenheit
des Sonnenscheins nachtheilig. Das europäische Obst leidet weniger,
und es ist bemerkenswerth, dass der Apfelbaum sich in dem feucliten
Klima von Concepción bis Chiloe in der ausgedehntesten Weise verwildernd
angesiedelt h a f ).
Von den südchilenischen Wäldern bis zum Feuerlande nimmt
die Temperatur beträchtlich ab "') : die Mittelwärme von Valdivia
(40" S. B.) beträgt 9», von Port Famine an der Magellanstrasse
Feuchtigkeit des Klinias. — Touipei'atur. — Entwickelungsperiode. 483
wahrscheinlich 4f',5 R. Es giebt eine Vorstellung von dem klimatisclien
Verliältniss der Nord- und Südhemispliäre, dass diese mittleren
Temperaturen mit denen von Paris und Stockholm nahe übereinstimmen
, und dass die entspreclienden Orte im ersteren Falle
zehn, im letzteren seclis Breitengrade näher zum Aequator gelegen
sind. Aliein viel wichtiger für die Vegetation ist der geringere
Unterschied der Jahrszeiten. Darwin hat das Klima an der Magellanstrasse
mit dem von Irland vergliclien : es ergiebt sich, dass dort der
Sommer etwa um 4'^ R., der Winter um 2" kälter uiid die Jahreswärme
vielleicht um 3 Grade niedriger steht. An keinem Orte der
europäisclieii Westküste ist das Seeklima so entschieden ausgebildet,
wie hier. In Valdivia beträgt der Wärmeunterscliied der entgegengesetzten
Jahrszeiten weniger als B" R. Nur das kalifornische
Küstengebiet zeigt ähnliche Verhältnisse, aber dort fehlt die andauernde
Feuchtigkeit, und, wo jenseits des Oregon die Regenmenge
gross wird, scheint die Wärme nicht hinreichend, Analogieen eines
Tropenwaldes, wie in Valdivia, zu erneuern.
Ungeachtet der gleichmässigen Temperatur, welche der Entwickelung
der Pflanzen zu keiner Jahrszeit eine Schranke zu setzen
sclieint, ist doch ein Stillstand der Vegetation während des Winters
schon im südlichen Chile unverkennbar«). Auch da, wo weder P>ost
noch Schneefälle eintreten, äussert sich der Einfluss steigender oder
sinkender Temperaturen auf die Periodicität des Pflauzenlebens.
Der Sommer, welcher in Valparaiso durch seine Dürre die Strömungen
der Säfte zum Stillstand nöthigt, ist schon in Concepción eine
blüthenreiche Jahrszeit. Dort beginnt im Juli mit dem Winter, hier
erst im September mit dem Frühlingsanfang der Bildungstrieb der
•Pflanzen sich zu regen, und die Waldbäume blühen erst zu Ende
Oktober. Dort fällt mit der Regenzeit die Steigerung der Lebenskraft
zusammen, liier entlauben sich die Bäume, die nicht immergrün
sind, gerade zu der Zeit, wo die häufigsten Regen fallen, aber
zugleich die Temperatur im Sinken begriften ist. Die Vegetationsperiode
hat in diesem Klima eine lange Dauer, aber natürlich verkürzt
sie sich, je weiter man nach Süden kommt.
Hiernach und nacli der Höhe der Mitteltemperatur kann man
eine nördliche und südliche Zone der antarktischen Flora untersclioiden,
von denen die erstere noch die Insel Chiloe, die letztere
31*