
256 XII. Waldgebiet des westlichen Kontinents.
Die Erklärung, welche von dem Vorkom^pen tropisclier Organisationen
in China gegeben wurde, passt zum Theil auch auf die östlichen
Staaten Nordamerikas, wo ebenfalls ein stärkerer Regenfall
stattfindet, als in dem grössten Theile Europas. In anderer Beziehung
ist die Erscheinung vielmehr mit Japan, als mit China zu vergleiclien,
insofern auf dem Festlande des östlichen Asiens tropisclie
Piianzen selbst aus Indien einwandern, auf den Inseln hingegen die
Vertreter tropischer Familien meist endemisch sind, also nur eine
klimatische Analogie mit den Tropen andeuten. Weder von Cuba
und den Bahamas noch von Mexiko sind tropische Organisationen in
die atlantischen Staaten gelangt, sondern was diese von ähnlichen
Bildungen besitzen, ist daselbst ursprünglich entstanden. Wie Japan
durch das Meer von Indien abgesondert ist, so werden die südliclien
Staaten von Westindien durch den Golfstrom und von Mexiko durch
die Prairieen so völlig getrennt, dass nur wenige Vermischungen
über diese Naturschranken hinaus stattgefunden haben und der Austausch
sich fast nur auf einzelne Kiistenpflanzen beschränkt.
Weniger leicht erklärlich ist es, dass die tropischen Familien
der östlichen Wälder dem Westen fremd geblieben sind, wo die
Gleichmässigkeit des Kiistenklimas dem tropischer Gebirge ähnlich
und die Regenmenge nicht minder gross ist ^^)^ scheint von Bedeutung
zu sein, dass die tropischen Organisationen sämmtlich in den
südlichen Staaten ihre Heimath haben und von hier aus in die nördliche
Laubholzzone vorgedrungen sind, wo die Sommerwärme langsam
abnimmt und selbst in Kanada noch höher ist, als an der Küste
des Oregon^). Wenn auch im limern des britischen Kolumbien der
Sommer wahrscheinlich ebenso warm ist, wie in Kanada, so konnte
doch von hier aus nicht leicht eine Einwanderung stattfinden, über
weite Waldflächen, wo eine kontinentale Verkürzung der Vegetationsperiode
eintritt, und aus denen die Rocky Mountains sich erheben,
nocli weniger aber im Süden ^ wo die Prairieen den Zwischenraum
einnehmen. Allein entscheidend ist der Umstand, dass auch die
Flora Kaliforniens kaum Spuren von tropischen Familien enthält und
in dieser Beziehung völlig von den' südlichen atlantischen Staaten
abweicht. Also auch von liier aus war keine Einwanderung solcher
• o
Formen [in das Oregongebiet möglich. Von Mexiko ist Kalifornien
durch die westlichen Prairieen und Wüsten völlig abgesondert, aber
lumiergriine Laubhölzer. — Monokotyledonische Baumformen. 257
dass dieses Land an eigenen Vertretern tropischer Familien so arm
ist, darüber wird uns dessen Klima keinen weiteren Aufschluss bieten
, als dass auch hier die Sommerwärme geringer ist, als in den
östlichen Staaten.
Die im Verhältniss zu Europa vermehrte Anzahl von Bäumen
mit zusammengesetzten Blättern in der Zone der Laubhölzer kann
ebenfalls als eine Annäherung m tropische Organisationen aufgefasst
werden. Nach der Grösse der Blattflächen schliessen sie sich zwar
sämmtlich an die Eschenform, auch in dem Falle, wo die Fiedertheilung
sich zweimal wiederholt [Gymnodadm), aber neben Gattungen
der gemässigten Zone {Fraxinns) finden wir hier auch Leguminosenbäume
wie in den Tropenwäldern [Rohmia, Gleditschio) ]
andere stehen in einer gewissen systematischen Beziehung zu
den tropischen Sapindaceen [Negtindo) und Terebinthaceen die
Juglandeen).
Das Vorkommen immergrüner Laubhölzer in den südlichen
Staaten erinnert an verwandte Erscheinungen des Mediterrangebiets,
zum Theil selbst durch vikariirende Arten gleicher Gattungen [QMercm
vtrem, Oka americana). Wie dort ist die Lorbeer- und Olivenform
nur durch wenige Bäume vertreten, von denen einzelne bis zu höheren
Breiten hinaufgehen, eine Laurinee [Persea carolinensis) bis Delaware,
eine Ilicinee [Hex opaca) sogar bis Kanada. Auch der Waldzone
des Oregon sind die immergrünen Laubholzbäume nicht ganz
fremd: hier wurde eine kalifornische Kastanie beobachtet, deren
Laub an der unteren Seite goldfai'big ist [Castanopsis chrysophylla),
ferner eine Ericee, die der südeuropäischen Andrachne gleicht [Arbutas
Menziesii).
Die eigenthümlichste Form in der südlichen Laubholzzone ist
die der Liliaceenbäume, die hier und in den Praiiäeen weit in die gemässigte
Zone hinaufrücken. Dem Pandanus im Wüchse nahestehend,
ist sie in den Savanenklimaten des tropischen Amerikas von
Mexiko bis Brasilien weit verbreitet und geht im Süden der atlantischen
Staaten, durch eine besondere Gattung [Yucca] vertreten, bis
zur Mündung der Chesapeakbai (37^). Hier sind indessen die
grösseren Arten Südkarolinas, bei denen der einfache Stamm doch
auch nur eine Höhe von etwa 12 Fuss erreicht (z. B. Y, gloriosa),
bereits verschwunden, es bleibt nur noch eine Zwergform übrig
Gr i 8 el) ach , Vegetation der Erdo. Tl. 17
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