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Chanarsteppe.
einer Zeit, als die Kraft, neue Organismen zu schaffen, schwacli
war. Die einheimische Flora und die Fauna blieben arm, aber nirgends
haben fremde, europäische Gewächse sich in solchem Umfange
und mit solcher Leichtigkeit, wie hier, angesiedelt und ebenso die
Hausthiere, das Pferd und das Rind, sich in gleichem Massstabe
vervielfältigt.
Träte dereinst in den Pampas durch fortgesetzte Anpflanzungen
eine allgemeinere Bewaldung ein, so würde ohne Zweifel das Klima
sich ändern, es würde statt des Wechsels von Dürre und schweren
Gewittergüssen eine gieichmässigere Vertheilung der Niederschläge
eintreten. So könnten auch die Bedingungen für den Ackerbau in
einem Lande sich bessern, welches jetzt fast allein der Viehzucht
dient und daher schwach bevölkert ist. Aufgebrochen ist auch jetzt
schon der Boden höchst fruchtbar, nur dass seine Kultur der Irrigationen
bedarf, die bei dem wechselnden Wasserstande der Flüsse in
wenigen Gegenden ausführbar sind. Allein es bleibt fraglich, ob
ein Uebergang zum Ackerbau überhaupt wünschenswerth und ob es
nicht den menschlichen Bedürfnissen erspriesslicher sei, dass neben
den Getraideländern auch andere bestehen bleiben, welche die thierischen
Erzeugnisse liefern und mit jenen austauschen. In der
nördlichen Hemisphäre sind die Steppen an ein kontinentales Klima
gebunden, sie werden von nomadisirenden Völkern bewohnt, weil
die jedesmalige Weide nur kurze Zeit benutzt werden kann. Die
südliche Hemisphäre allein besitzt grosse Weideländer in einem Seeklima,
wo daher an demselben Orte stets hinreichendes Futter zu
Gebote steht und die Viehzucht, von einer sesshaften Bevölkerung
betrieben, einen viel höhern Ertrag gewährt. Unter diesen Steppen
des Seeklimas nehmen die Pampas die erste Stelle ein. Das Fleisch,
die Häute, die Wolle, welche hier erzeugt werden, versorgen den
Weltmarkt und fallen in's Gewicht, um das Gleichgewicht zu erhalten,
welches zwischen den verschiedenen Thailen der Erde bestehen
muss, damit jeder dasjenige hervorbringe, wozu ihn die Natur am
meisten befähigt hat.
Das Pampasgebiet scheidet sich nach seiner Vegetation in drei
natürliche Zonen, in die innere, nordwestliche Chanarsteppe, die
eigentlichen Pampas und in die südlichen Ebenen von Patagonien.
Die Chanarsteppe beginnt im Meridian von Cordova und breitet sich
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zum Fusse der Anden aus; sie ist grossentheils mit niedrigem Gebüsch
bewachsen, arm an Graswuchs: Kulturoasen, wie die von
Mendoza, bedürfen der Irrigation. Auch hier ist die Viehzucht die
allgemeine Beschäftigung der Bewohner: aber da die Thiere leiden,
wenn sie nur von den Blättern der Sträucher und des Gestrüpps ernährt
werden können 9), so ist sie nur deshalb blühend, weil die
Grenzen gegen den Grasboden nicht streng abgeschlossen sind und
reichere Fluren, wie die von Tucuman, mit den unfruchtbaren abwechseln.
In der Richtung zum Wendekreis nimmt die Chanarsteppe
allmälig auch gewisse Bäume auf 5), die zu lichten Gehölzen oft von
grossem Umfange sich verbinden können. Eine deutliche Waldgrenze
besteht am Nordrande der Steppe nicht. Aus den bisherigen
Nachrichten über die Vegetation jenseits des Parana lässt sich die
Naturgreuze zwischen den Floren Brasiliens und des Pampasgebiets
nicht überall sicher erkennen und es ist nicht einmal bekannt,
wie weit im Innern des Kontinents die Zenithregenzeiten nach Süden
reichen, welche hiefür massgebend sein würden. Von Algaroben
[Prosopis] ist die Ebene zu beiden Seiten des Rio Salado (28° S. B.)
bewaldet, sie begleiten die Chanarsteppe und gedeihen auch im tropischen
Gross-Chaco bis nach Brasilien. Warum sollten nicht Bäume
eines tropischen Passatklimas oder wenigstens einige von ihnen, die
gegen den Wechsel der Jahrszeiten weniger empfindlich sind, in eine
Steppe vorrücken, deren Klima dem Baumwuchs nicht entgegensteht?
In dem feuchteren Klima der Küstenlandschaften ist dieses nicht der
Fall: hier ist die Flora von Paraguay mit ihren Savanen und Urwäldern
durch die tropischen Regen scharf abgeschlossen, selbst
unter den Gewächsen, welche den Uferwald des Parana unterhalb
Corrientes bilden, sind nur noch wenige tropische Gattungen enthalten
11).
Wo sich am Fusse der Anden die Chanarsteppe am weitesten
ausdehnt [etwa 24 0—36 o S. B. 4)], sind ihr zugleich auch die dürrsten
Gegenden des Gebiets eingeschaltet. Jenseits der äussersten
Bodenschwellung, von welcher die Gewässer zum Rio de la Plata
abfliessen, versiegen die Flüsse, es bilden sich Landseen und salzhaltige
Niederungen (die Salinas), wo auf dem von schwefelsaurem
Natron durchdrungenen Lehmboden nur wenige Halophyten aufkommen.
Auch wiederholen sich hier ähnliche klimatische Verhältnisse,
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