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288 XIII. Prairieen^'ebiet.
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den abweichenden Bau dieses Gewächses wird man daran erinnert
dass unter den nordamerikanisclien Halopliyten, an der Seeküste von
Florida nnd Westindien, noch eine zweite, sehr ähnliche Gattung
{Baäs) auftritt, welche die meisten Botaniken, jedoch, wie »ich glaube
aus unzureichenden Gründen, von den Chenopodeen ganz ausschhessen,
und mit der die erstere anfangs verwechselt wurde Der
Saftdorn der Prairieen2i) ist ein 3 bis 8 Fuss hoher Strauch mit abstehenden,
dornigen Aesten und dunkelgrünen, saftigen Blättern
em Halophjt, der noch bestimmter, als die ihn begleitenden Artemisien,
durch das ganze Gebiet von Missouri und Oregon bis zum Gila
und Rio Grande den salzhaltigen Boden bezeichnet.
Eine Reihe von andern Sträuchern, die, ohne den Boden gerade
dicht und zusammenhängend zu bekleiden, doch auf weiten Strecken
beständig wiederkehren und dadurch die einförmige Pliysiognomie
der Landscliaft bedingen, folgt in ihrer Vertheilung den klimatischen
Gliederungen der Prairieen : mit Ausnahme des Pfeilholzes vertreten
sie den Saftdorn da, wo die Erdkrume salzfrei ist. Alle Hülfsmittel
der Organisation wiederholen sich hier, die bestimmt sind, der Dürre
eine Zeit lang Widerstand zu leisten : im Stromgebiet des Oregon bei
einer Kosacee [PursMa tridentata) die Kleinheit der Blattorgane die
an der Unterseite weissbehaart sind, in den nordöstlichen Prairieen
eine silberfarbige Schuppenbekleidung des Laubes bei der Büfieliind
Silberbeere (den Elaeagneen Shepherdia arcjentea u. Elaeaynus
argmtea) m der Salzwüste die Absonderung ätherischen Oels bei dem
wolligen Pfeilholz (der Sjnantheree Tessaria horealis, Arrow-M^ood)
nnd m wärmeren Gegenden des Südens die Bildung eines übelduftenden
Harzes bei dem Kreosotstrauch, einer Zygophyllee {Larrea
oana), die hier unter den geselligen Gewächsen eins der häufigsten
ist. Ferner sind in den Prairieen auch das Nadelblatt des Krummholzes
[Jumperus), die nackten Zweige der Spartiumfbrm [Ephedra]
und die Dornsträucher vertreten, die letzteren durcli den Saftdorn
und im Süden durch eine den Traganth-Astragalen entsprechende
].egummose {Da.lea spinosa), durch die den Tamariscineen verwandte
Fouquieria {F. splendcns) und andere Bestandtheile der Chaparais
Ein besonders deutlicher Ausdruck klimatischer Einflüsse begegnet
uns in der Mimoseenform, welche bis zum 3(i. Breitegrade in
den Südlichen Prairieen als Mezquite-Sträucher {Fro.opis) auftreten
Strauchformen. Mimosecn. — Monokotyl. Büiimo. — Steppengräser. 289
Im Inneren von Texas und im nördlichen Mexiko bis zum Gila^'-^)
bedecken sie einen grossen Tlieil des Landes nnd sind wegen ihrer
zuckerhaltigen Hülsenfrüchte^ welche den Eingebornen zur Nahrung
dienen, sowie als Brennholz von Bedeutung. Auch liefern sie, wie
die afrikanischen Acacien, ein reichliches Mimosengummi. Die Einwirkung
des Klimas auf die Vegetation des Mezquite zeigt sich
ijamentlich auch darin, dass die häufigste Art (P. glandulosa) in dem
nördlichen Abschnitt ihres Wohnbezirks (33 —36^' N. B.) allmälig
an Höhe des Wuchses abnimmt, wogegen weiterhin im Süden die
Sträucher zu niedrigen Bäumen mit abgesetztem Stamm, jedoch selten
über 20 Fuss hocli, auswachsen. Hierin muss man daher einen
üebergang von der Waldlosigkeit der Prairieen zu der Bewaldung
der tropischen Savanen Mexikos anerkennen.
Aehnlich verhält es sich mit den Liliaceenbäumen, die, noch
am Missouri durch eine stammlose Zwergform [Yticca migtistifolia)
angedeutet, in den südlichen Prairieen durch eine grössere Anzahl
von zum Theil hochstämmigen Arten aus derselben Gattung und
ausserdem durch eine mexikanische Dracaena-Form [Dasylirion] vertreten
sind. Die stechenden Blattspitzen und die knorpeligen Ränder
der Serraturen stehen bei diesen monokotyledonischen Gewächsen
mit der Dürre des Klimas in Beziehung, die Gattung Yucca [Spanish
hayonet) geht hier beträchtlich weiter nach Norden (bis N. B.),
als in den atlantischen Staaten. Am östlichen Fuss der Sierra Nevada
traf Whipple i^i) Gehölze von diesen Bayonetbäumen, deren
Stämme 30 Fuss erreichten, und zu gleicher Höhe erwachsen sie
auch im nördlichen Mexiko. In den Thälern der Sierra Madre von
Sonora treffen sie mit den ersten Palmen Mexikos zusammen, denen
sie im Wüchse, nicht aber in den Laubrosetten gleichen. Den
Zwergpalmen begegnet man in Texas in den Grasebenen am unteren
Stromlauf des Rio Grande .
Gräser und Stauden bekleiden in den östlichen Prairieen den
grössten Theil der Oberfläche des Bodens und sind im Westen und
Süden, wo sie gegen andere Vegetationsformen an Masse zurücktreten,
doch von ähnlicher Beschaffenheit. Als Weideländer haben
die östlichen Prairieen vor den Steppen einen bedeutenden Vorzug.
Heerden, welche vom Missisippi nach Neu-Mexiko getrieben werden,
kommen ungeachtet des langen und beschwerlichen Marsclics am
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