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nbor in tropischer Kiille, wiederholen. Auch eins Wasser ;ui (lern
Flussufoni und lUnneiiseeu erzeugt in Sudan überall einen dichten
Kranz von hohen Kohr- nnd Schiirgewilchsen, neben welchen die
schwimmenden lUätter der Lotusblumen und Pistien sich ausbreiten.
Am Viktoria-Nyanza und längs des weissen Nils herrscht das.
Papyrus-Schilf, oft begleitet vom Ambak oder Korkliolzgebilscli
{Hirnnimem elap/iroxi/loji) , welches a,ucU an den Flüssen Senegambiens
vorkommt und durch das Wachsthum im Wasser an die Mangroven
der Küste ennuert. Dem Ueberschwemmungsgebiet der
afrikanischen Ströme, die auf der ebenen Flüche in der Regenzeit zu
periodischen Landseen sich erweitern, entspricht diese Leguminoso
mit saftreicliem Fiederblatt, indem der schwammige Sta-mm im,
raschesten Wachsthum »noch lO—15 Fuss über den höchsten Wasserstand
« emporschiesst und auf dem abgetrockneten Boden bis auf die
Wurzel wieder abstirbt-').
Unter den Bäumen Sudans, wo die holzreiclieren Gegenden
meist lichthell sind oder auf der Savane die Stämme sicli zerstreuen,
werden die in die Höhe strebenden Formen des düstern, amerikanischen
Urwalds vermisst. Bauholz von Werth findet sich nur selten,
wogegen Hölzer von grosser Härte gewöhnlich sind unter denen
das afrikanische Teak hervorragt [OUfieldia africana, nachj. Müller
eine Sapindacee). Den Wuchs europäischer Waldbäume erreichen
nur wenige afrikanische Formen : zu den höchsten gehört der Ceril-
Cedro, eine dem Mahagoni-Baum verwandte, 80—100 Fuss messende
Meliacee^'^) [Khaya scnegalensis), die am grünen Vorgebirge
und am Gambia, also gerade in einem Klima von kurzer Regenzeit
einheimisch ist. In den dichten Ufergehölzen auf der Wasserscheide,
des Congo und Zambesi besitzeB manche Bäume einen geraden Stamm^
von 60—80 Fuss Höhe^ö)^ weil fliessendes Wasser das Wachsthum,
befördert, aber in der Ebene, wo die atmosphärischen Niederschläge
allein wirken, bleiben sie daselbst niedrig und verkümmert. In den
lichten Waldungen am westlichen Abhang des abessinischen Hocltlands
wechselt die Höhe der Bäume zwischen 25 und 45 Fuss'^^'),
die Acacien der afrikanischen Savanen schrumpfen oft zu Zwergbäumen
und Gesträuch zusammen. Können wir in diesen Verhältnissen
die Wirkung kurzer Regenzeiten erkennen, so ist es dagegen,
um so auffallender, dass einige Bäume sich durch unverhältnissmässige
Grösse und kolossalen Umfang einzelner Organe auszeiclincn,
da,SS gerade diese über die weitesten Fntfernungen verbreitet sind
nnd da,durch zu den entschiedensten Charakterzügen der afrikanischen
Physiognomie beitragen. Die bedeutendsten sind der Baobab-
Baum {Adamonia) wegen der Dicke des Stamms, eine Bignoniacee
[Ku/eUa] mit 2 Fuss langen, dicken Früchten, und der Ensete-Pisang
[M'usa Ensete), dessen Blätter die grössten der Erde sind. Unter
diesen Bäumen reicht die Verbreitung des Baobab von Nubien (Nordgrenze
14^) bis Senegambien (16^ N. B.) und durch den Süden an
der Ostküste bis 2 5B. ^ ^ ^ ) ; Axo. lür/elia wächst ebenfalls in Nubien,
am Niger und bis Mozambique, die abessinische Ensete scheint auch
auf den Hochlanden am Viktoi'ia-Nyanza ujid am südlichen See
Nyassa vorzukommen. Diese zu unförmlicher Grösse entwickelten
Organe sind nicht aus klimatischen Ursachen zu erklären, sie sind
vergleichbar mit dem Bildungstriebe, der im Thierreiche den Elepliant,
das Nilpferd und die Giraffe, den Strauss und das Krokodil
erzeugt hat. Ma,n wird daran erinnert, dass Sudan der älteste Kontinent
ist, der seit jenen Zeiten vom Meere unbedeckt blieb, als die
Natur sich gefiel, grössere Formen von Landorganismen hervoi'zubringen,
als in der gegenwärtigen Schöpfung. Bei den Pflanzen
findet die Grösse des Wuchses zwar eine Grenze in den klimatischen
Bedingungen, nur bei den Gräsern fällt dieses Hinderniss weg, aber
auch in anderen Gruppen ist jener Trieb noch durch einzelne Organe
angedeutet.
Die allgemeinste Wirkung des Wechsels der Jahrszeiten auf die
Holzgewächse zeigt sich in ihrer periodischen Vegetation. Während
der Regenzeit treiben sie «mit unglaublicher Schnelligkeit undUeppigkeit
«, aber die Spuren des Sonnenbrands und der Trockenheit bleiben
sichtbar. In den Nilländern, sagt ein unbefangener Beobachter der
N a t u r s u c h t man vergebens einen Baum, an dem nicht ein Zweig
gelitten oder dürr herabhängt: ein Tlieil des Ganzen ist immer abgestorben,
»sei es unton die Rinde des Stamms, oder ehi Ast, den
die Sonne versengte, oder eine vertrocknete Schlingpflanze, die den
Stamm verunstaltetcc. Merkwürdig ist auch dieBeobaclitungSchweinfurth's^^),
dass in Nubien viele Holzgewächse noch vor dem Beginn
der Regenzeit »von den letzten Säften des Stanmis zehrend«, ihre
Blüthen entfalten, während »die Blattknospen noch gegen die
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