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158 IX. Kalaliari.
Gesträuch ersetzt werden, und dass auf diese Weise die wasserlose
Landschaft nach Osten sich weiter und weiter ausbreitet. Ob dies
Folgen periodischer Aenderungen des Klimas sind, lässt sich bei der
Kürze der Beobachtungszeit freilich nicht mit Sicherheit entscheiden,
aber es ist nicht zu läugnen, dass die Verminderung der Bäume hier
ebenso sehr, wie in den Ländern am Mittelmeer, dazu beitragen
muss, den Dampfgehalt der Atmosphäre zu verringern und durch
die Abnahme der Verdunstung und die Schattenlosigkeit des Bodens
die Wärme zu erhöhen. Denn da die Bäume, und wenn sie auch
nicht durch Regen, sondern nur durch Grundwasser belebt werden,
nach Massgabe ihrer Blattoberfiäche jede andere Pflanzenform au
Verdunstungskraft so sehr übertreffen, so steuern die Wälder gleichsam
einen Zoll zu dem Wasserdampf des Seepassats, und wenn sie
ihn auch nicht sogleich als Niederschlag zurückempfangen, so
kommt er ihnen doch früher oder später zu Gute, sobald ein Gewitter
sich bildet oder von der Binnenseite der Küstengebirge aus der unterirdische
Wasserlauf verstärkt wird.
Ein vom Tafellande abweichendes Klima ist dem niedrigen Vorlande
der Westküste eigen, welches in einer wechselnden Breite von
6 bis über 20 g. Meilen-^) vom Kap Negro in Süd-Benguela (16^
S. B.) bis über den Gariep hinaus die Bergterrasse vom atlantischen
Meere scheidet. Auf diesem Küstenstreifen fehlen die Gewitter der
inneren Landschaften, hier regnet es fast niemals, und, wiewohl
starker Thau gewöhnlich ist und auch in den Wintermonaten dichte
Nebel das Land verschleiern, so hält doch der Boden die Feuchtigkeit
nicht zurück und es entsteht eine unbewohnbare Sandwüste.
Bis zum Kap Negro wird diese Küste von dem kalten südatlantischen
Meeresstrom bespült, und neun Monate lang wehen südliche Winde
bei klarem, wolkenlosen Himmel, nur von einem leichten Dunst am
Horizont begleitet. In den drei Wintermonaten ist die Luft entweder
still oder schwache Brisen kommen aus Nordwesten und diese sind
es, die den starken Nebel hervorbringen. Die ßegenlosigkeit ist
eine Wirkung des Südwindes, eines durch die Küstenlinie aus seiner
Bahn etwas abgelenkten Passats, der auf seinem Wege nach Norden
sich erwärmt und den Wasserdampf auflöst, der nur des Nachts als
Thau sich verdichtet. Dass aber^auch die kalte Meeresströmung zu
der Wolkenlosigkeit der Atmosphäre und zu den winterlichen Nebehi
Eegenlosigkeit der Westküste. — Temperatur. 159
in Beziehung steht, ist nach den ähnlichen Erscheinungen an der
peruanischen Küste wahrscheinlich, wo dieses Verhältniss näher erörtert
werden wird. Gewiss ist es nicht ohne Bedeutung, dass die
Kalahari-Küste in dreifacher Beziehung mit der peruanischen übereinstimmt,
in ihrer Erstreckung von Norden nach Süden, in den
vorherrschenden Südwinden und in dem kalten Meeresstrom, der sie
gerade so weit berührt, wie die Dürre des Klimas reicht. Ebenso
hat auch Peru einen ivolkenlosen Himmel, der nur durch Winternebel
unterbrochen wird, und so haben sich auch an beiden Küsten
die Guano-Vorräthe anhäufen können, ohne durch atmosphärische
Niederschläge von ihren Eilanden fortgespült zu werden.
lieber die Wärmeverhältnisse der Kalahari ist man bis jetzt nur
sehr unvollständig unterrichtet, aber auch in dieser\Beziehung soll
die Küste sich wesentlich von dem inneren Tafellande unterscheiden.
Unter dem Einflüsse des kalten Meeresstroms, dessen Temperatur
nur geringen Schwankungen unterliegt, ist das Klima der Küste
gleichmässig und im Verhältniss der geographischen Breite kalt, etwa
mit dem des südlichen Irlands zu vergleichen. Die Temperatur soll
am Meeresufer gewöhnlich zwischen SHmd 13 R. sich bewegen
also bedeutend niedriger sein als in der Kapstadt. Allein derselbe
Gewährsmann, dem diese Angaben entlehnt sind, erwähnt, dass im
Sommer zu Scheppmannsdorf, wenige Meilen von der Küste, das
Thermometer bei überaus trockener Luft längere Zeit hindurch täglich
auf 35 ^ R. gestiegen sei^^).
Wiewohl das Tafelland der K a l a h a r i ^jji^j^ durchschnittlichen
Niveau von etwa 4000 Fuss liegt, ist die Temperatur daselbst
doch ohne Zweifel höher, als an der Küste. Doch hat man
darüber bis jetzt nur vereinzelte Angabenwona c h die hauptsächlichste
Verschiedenheit darin besteht, dass im Frühling und
Sommer die Hitze sehr gross ist, im Winter hingegen das Thermometer
häufig unter den Gefrierpunkt herabsinkt. In den südhchen
Gegenden der Kalahari (29 ^ S. B.) beobachtete Burchell während
des Sommers eine durchnittliche Tageswärme von 25^ R.^ mit einer
Variation von 9« bis 28«; im Winter fand er zuLitakun (27 o S.B.)
zwar die Temperatur nur auf den Mittelwerth von l?^ R. gesunken,
aber die Variation ergab grössere Unterschiede zwischen der Nachtund
Tageswärme. Mehrmals zeigte sich auf seiner Reise in diesen
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