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190 X, KapHoni.
Liliaceenbäumen ähnlich. Unter den Sträuchern und Stauden mit
succulenten Blättern werden die Chenopodeen, die auf den Karroos
nur wenige Arten zählen {Salsola sect. Caroxylon), durch grosse Gattungen
von Ficoideen {Mesembryanthemum), Portulaceen itnd Crassulaceen,
sowie durch eine Synantheree [Klemia] ersetzt, welche in
dem dürren Klima der oberen Terrassen an Mannigfaltigkeit zunehmen.
Auch unter den Portulaceen giebt es auf den Karroos und
in den östlichen Landschaften einen Zwergbaum von 10 bis 12 Fuss
Höhe und ungewöhnlichem Ansehen [Portidacaria). Für die Erhaltung
der Schafheerden sind die saftigen Blätter der Crassulaceen von
Wichtigkeit 4) ^ indem sie noch eine gute Nahrung gewähren, wenn
das übrige Futter in der Dürre abgestorben ist. Wo die Absonderungen
und Spalten des anstehenden Gesteins nur einen irgend passenden
Standort bieten können, keimen die Succulenten. Bei einer
der häufigsten Gattungen [Mesembryantlmnum] werden die abgelösten
Kapseln, wie die Steppenläufer Asiens, im Winde fortgerollt; es
wiederholt sich bei diesen Organen der Mechanismus der Anastatica,
in der Dürre geschlossen zu bleiben, und erst, wenn die zur Keimung
erforderliche Feuchtigkeit sie benetzt, sich öffnend die Samen auszustreuen
i^).
Ausser jenen stammbildenden Aloe-Arten erreichen andere
monokotyledonische Bäume die Kapflora nicht, aber, wie am Mittelmeer,
umsäumt auch hier eine Zwergpalme {Phoenix recUnata) das
afrikanische Wohngebiet der Palmen bis zur Südküste von George.
So verhalten sich auch die ähnlichen Cycadeen [Encephalartos], eine
Gruppe, die, auf die östlichen Landschaften beschränkt, zuerst am
Krommerivier diesseits der Algoa-Bai auftritt und vorzüglich die
durch dicht verwachsene Gesträuche unwegsamen Gegenden an der
Grenze von Kaifrarien bewohnt . So ist für das Dickicht der Gebüsche
am Fischfluss eine Art charakteristisch, deren dicker Stamm,
getäfelt von den Blattnarben, 3 Fuss über den Boden sich erhebt,
und dessen Laubrosette an den Fiedersegmenten mit Dornen besetzt
ist horridus).
Von den Gewächsen, die durch ihre Organisation der Dürre des
Bodens widerstehen und ihren Saftumtrieb zurückhalten, unterscheiden
sich die Zwiebelgewächse dadurch, dass sie durch die Kürze
ihrer Entwickelungsperiode dem Nachtheil des mangelnden Wasserm
Zwergpalmen. — Zwiebelgewächse. — Steppengräser. 191
Zuflusses entgehen. Nirgends sind diese reicher an Gestaltungen
und in ihrer vorüb ereil enden Erscheinung für die Physiognomie der
Landschaft bedeutender, als hier. Man kann die Monokotyledonen
mit farbigen Blumen, welche durch unterirdische Zwiebeln oder
Knollen perenniren, auf mehr als 800 Arten schätzen ; neben den
Liliaceen und Orchideen ist die grosse Zahl der L'ideen ein Charakterzug
der Kapflora, von denen hier eine Reihe endemischer
Gattungen auftritt. Mit den ersten Niederschlägen die organischen
Stoffe ihres Nahrungsspeichers zur Entfaltung prangender Blüthen
verwendend, verschwinden die Zwiebelgewächse bald wieder vom
Erdboden, in dessen Verborgenheit neue Gebilde für künftige Zeiten
sich langsam wieder ansammeln. Jedes Niveau und jede Erdkrume
der harte Thon, der Kies, wie der lose Sand, erzeugen
bei der Kapstadt ihre besondern Irideen. Häufiger erscheinen sie
in brennenden Farben von Scharlach, Rosa, Goldgelb und Orange,
und nicht minder prächtig sind die gefleckten Blumen der Erdorchideen,
die zwischen dem Gesträuch wachsen (z. B. Disa, Dis];)erts).
Kein Land der Erde hat jemals den europäischen Gärten eine solche
Menge von Ziergewächsen geliefert, wie besonders zu Anfang des
Jahrhunderts die Kapkolonie, weshalb man die Treibhäuser, welche
keiner tropischen Wärme bedürfen, noch jetzt nach ihr zu benennen
pflegt. Von Succulenten bestehen gegenwärtig noch reiche
Sammlungen : aber wie von den Eriken und anderen Sträuchern, die
ehemals die Kaphäuser füllten, viele der Kultur wieder verloren gegangen
sind, so ist dies in noch grösserem Umfange mit den Irideen
und Liliaceen der Fall gewesen, weil deren natürliche Lebensbedingungen
durch künstliche Mittel schwer zu ersetzen sind. Die harte,
humusarme Erdmischung kann man wohl bereiten und die spärliche
Bewässerung nachahmen, aber nicht leicht die Luft so trocken erhalten,
wie die Verdunstung und Saftentleerung ihrer atmosphärischen
Organe fordert.
Auch bei den Stauden und gewissen Sträuchern sehen wir, wie
der Organismus diesen austrocknenden Einflüssen des Klimas angepasst
ist, bei den Gnaphalieen in der Behaarung, die sie oft bekleidet,
und in den lange Zeit ihre lebhafte Färbung bewahrenden
Blüthentheilen der Immortellen (z. B. Heiichrysum). Wie aber der
Werth des Weidelandes der Kolonie eben durch diese Beziehungen