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112 VIII. Sudan.
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Sinne wie in den gemässigten Zonen, von einem Gegensatze kontinentalen
und Seeklimas sprechen könnte. Da aber die centralen Depressionen
meistens hoch gemig über den Küsten liegen, um diese Einflüsse
auszugleichen, so tragen die Niveauverhältnisse dazu bei, die Bedingungen
des Pflanzenlebens an den Küsten und im Inneren übereinstimmender
zu gestalten. Die Wärmecentren haben zwar längere
Regenzeiten, und dies ist die Ursache einer gewissen Mannigfaltigkeit,
aber ebenso wechselt deren Dauer nach der geographischen Breite
und nach den Hebungslinien, so dass die Gliederungen der Vegetation
unregelmässig vertheilt sind und vielleicht nur im Westen und im Süden
des Aequators, in Nieder-Guinea und Londa zu einem grösseren,
selbständigen Gebiete feuchterer Tropenlandschaften sich abstufen.
Die Grösse und Einförmigkeit Sudans äussert auch einen eigenthümlichen
Einfluss auf den Gang der Temperatur. Von Indien und
Südamerika unterscheidet sich Afrika dadurch, dass die Luft sich
des Nachts immer sehr beträchtlich abkühlt. So sehr auch in der
trockenen Jahrszeit die Sonne bei Tage den Erdboden erhitzt hat,,
dass sogar Felsblöcke, wie Livingstone in den Njassa-Gegenden
beobachtete, durch die ungleiche Ausdehnung der Oberfläche und
des Inneren plötzlich zersprengt werden, in der Nacht sinkt das.
Thermometer so tief, dass der Reisende sich vor Sonnenaufgang
gern in erwärmende Decken hüllt i^). Reichlicher Thau ist daher in
den Savanen Sudans eine sehr gewöhnliche Erscheinung. Dieser
täglich wiederkehrende, schroffe Wechsel der Temperatur wird ala
eine der Hauptursachen von derUnbewohnbarkeit der Ebenen Sudana
für die kaukasische Race angesehen. Wie allgemein die Verderblichkeit
des Klimas sei, geht schon daraus hervor, dass weitaus die
meisten wissenschaftlichen Reisenden und in den verschiedensten
Landschaften hingerafft wurden, während aus den übrigen Tropenländern
die namhaften Forscher fast ohne Ausnahme glücklich heimgekehrt
sind. Mögen auch die Malariastoffe, welche die tödtlichen
Wechselfieber der Tropen erzeugen, in Sudan allgemeiner als anderswo
verbreitet sein und durch die Passatwinde ungehindert über
weite Fernen ihre schädlichen Keime ausstreuen, so ist es doch der
stetig wiederkehrende Wechsel gesteigerter und unterdrückter Hautthätigkeit,
wodurch der regelmässige Gang der Funktionen gehemmt
und die Kra f t , der Malaria Widerstand zu leisten, gelähmt wird.
Temperatur. Einiormigivcit Sudans. 113
Sollten nicht aucli diesen Verhältnissen des KHmas die einheimischen
Pflanzenformen ebenso wie die thierisclien Organisationen Afrikas
angepasst sein? Auf diese Frage werden wir zurückkommen, aber
zunächst zu untersuchen haben, woiin die physische Ursache liege,
welche die täglichen Temperaturgegensätze über das natürliche Mass
erliuht, dadurch die dauernde Selbständigkeit der Fauna und Flora
vor Einwanderungen sichert und die Thatsache erklärt, dass die
Negerrace, nicht wie die der amerikanischen Indianer oder der
oceanischen Insulaner, vor dem eindringenden Europäer zurückweicht
und zu Grunde geht, sondern sich innerhalb der natürlichen
Schranken, in denen sie sich entwickelt hat, für alle Zeit behaupten
kann. Dass hier die Natur einen Schauplatz eigenster Selbständigkeit
bewahren will, zeigt sich schon darin, dass die Berührungen
mit der Civilisation der alten Welt seit dem fernsten Alterthum bestanden'und,
weder durch Meer noch Gebirge gehemmt, doch so
wenig gewirkt haben.
Die Gestalt und die Ausdehnung Afrikas über beide tropische
Zonen unterscheidet diesen Kontinent von den übrigen durchaus.
Nacli einer angenäherten Schätzung ist die Grösse des Gebiets von
Sudan allein auf beinahe 300000 g, Quadratmeilen anzuschlagen;
sie ist doppelt so gross als die des ganzen tropischen Asiens und
entspricht dem Umfange Amerikas innerhalb der Wendekreise, wo
aber die Vertheilung des Festlands in beiden Hemisphären höchst
ungleich ist und die grössere Hälfte durch ihre klimatische Mannigfaltigkeit
so sehr von dem einförmigen Afrika abweicht. Die
Folge ist, dass nirgends auf der Erde die Passatwiude in gleichem
Grade kontinental entwickelt sind, wie in Afrika, und dass sie hier
an beiden Wendekreisen regenlose Wüsten erzeugen, von denen die
eine von beispiellosem Umfang ist. Die grossen Wüsten Asiens und
Amerikas liegen in den gemässigten Zonen, die afrikanischen greifen
bedeutsam in das tropische Gebiet ein. In weit grössere Fernen
aber scheint der Einfluss ihres heiteren Himmels auf das ganze Sudan
sich zu erstrecken, da die starke nächtliche Abkühlung j a wesentlich
als eine Folge der Radiation, der verhältnissmässigen Wolkenlosigkeit
der Atmosphäre gedacht werden muss. Denn wenn auch die
nächtlichen Regen und Gewitter der nassen Jahrszeit ähnlich wirken
können, so ist doch die Erscheinung nicht auf diesen Zeitraum
Grisebach, Vegetation der Erde. II. «
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