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484 XXTIT. Antarktisches Waldgebiet.
den Clioiios-Ai'cliipcl in sich fasst'). In dem iiördliclieu Absclinitt
(34 1i S. B.) lia,t der Wald eine grössere Anzalil von Baumarten
ans verseliiedenen Familien nnd die Bambnsenform voraus, die
Stiimme sind mit Lianen und Fjpi})hyten reichliclier bekleidet; der
Raum ist zur Herstellung iindurclulriugliclier und von einander abliiihgiger
Massen ausgenutzt, wie im Tropenwalde, nur nicht von
gleichem Formenreichtimm. Jenseits der Insel Chiloe, wo im Golf
von Irenas die Gletscher der Anden zum Meer herabznreichen anfangen,
herrschen dagegen bis zum Kap Horn (4 4'^—56*^ S. B. ) die
antarktisclien Buclien fest allein. Aber da die herrschende Bauraart,
welche im Winter sich entlaubt [Fagns antarctica), von einer andern
immergrünen Buclie [F. hehdoides) begleitet wird, so ist die Pliysiognoniie
des Waldes doch auch hier von der des nördlichen Europa
abweichend. Gegen den Südpol liin ist Fuegia das äusserste Land,
welches Baumwuchs erzeugt hat. Noch diesseits der südlichen Polarzone
scheint überhaupt jede Spur von Landpflanzen aufzuhören.
V e g e t a t i o i i s f o r i i i e i l . Feuchtigkeit oder vielmehr die dadurch
bedhigte Verlängerung der Vegetationsperiode hat in Chile den bedeutendsten
Kinfluss auf die IL'ihe des Baumwuchses. Statt zwergliafter
Ilolzgewächse begegnet uns nun ein geschlossener, fast das
ganze Land bekleidender Hochwald. Valdivia kann Bauholz im
Uebertluss und von der trefflichsten Beschaffenheit liefern, die
Stämme haben in den dortigen Beständen eine Stärke, wie die Waldbäume
Europas, aber von den noch grösseren Dimensionen, wie sie
im Oregongebiete vorkommen, ist doch nichts bekannt geworden.
Bei mehreren Baumarten bemerke ich, dass die Blätter von geringer
Grösse sind, namentlicli bei den antarktischen Buchen, und dies hat
wohl Forster, als er von denselben die erste Kunde gab, dazu verleitet,
dass er die immergrüne Art von Fuegia {Faff?/.s hekdoides) für
eine Birke hielt. Immerhin kann der Umfang des einzelnen Blatts
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durch die Menge der Organe ersetzt werden, die in einem bestimmten
Verhältniss zu dem Wachstlium des Stamms stehen müssen. Im
Gegensatz zu dieser Belaubungsform bei den Bäumen kommt eine
Staude vor [Gumiera chüensis), deren am Rande eingeschnittene rundliche
Blätter zu erstaunlicher Grösse auswachsen : Darwin^) beschrieb
einige Pflanzen dieser Art, bei welchen dieselben, vier oder fünf an
einem Stengel, beinahe acht Fuss im Durclunesser massen, und
Laubholzformen. — Immergrüne Laubhölzer, 485
gewöhnlich sind sie grösser, als bei dem in dieser Beziehung ähnlichen
Rhabarber, der unter so abweichenden kÜQiatischen Bedingungen
steht. Zur Dekoration in Gärten wären diese Gunneren
passend, so wie manche andere antarktische Gewächse mit schöngefärbten
Blütlieu, aber nicht leicht würde man bei der Kultur den
bewölkten Himmel nachahmen, der sie vor der Sonne schützt, und
ihnen die gleichmässige Wärme verschaffen können, der ihre Entwickeliing
verlangsamt.
Die immergrünen Bäume der Lorbeer- und Olivenform vertheilen
sich in Valdivia unter etwa zwölf Familien, von denen jedoch
die meisten nur einzelne Arten aufzuweisen haben. Mehrere Laurineen
(z. B. Persea Liru/mi) können al« Vertreter einer Familie der
Tropen betrachtet werden; nur wenige entsprechen dem besondern
Bildungskreise Südamerikas, so ein grosser Myrtaceenbaum [Lmna]^
ferner die Magnoliacec der Anden [Drvmys] , welche in Fuegia als
hoher Baum die Buchen begleitet, und ein dem wilden Oelbaum ähnlicher
Monotyp, der den Eiiphorbiaceen verwandt ist [Aexhxiotim),
Die übrigen stehen nach ihrer systematischen Stellung in nächster
Beziehung zu Arten oder Gattungen, die über die jenseitigen Küstenländer
und Inseln des stillen Meers zei'streut sind. In Neuseeland
und Tasmanien finden sich ähnliche Buchen und Arten einer Tiliaceengattung
[Aristo¿edia) ^ auf der letzteren Insel wiederholt sich der
Bau eines Rosaceenbaums {Fucr;/j)/na). Ebenfalls in Neuseeland und
Australien waclisen die näclist vor wandten Gattungen von zAvei Monimieen
Laurella u. Fetimtis)^ sowie von einer Saxifragee [C(dd(duvia),
Noch näher mit der australischen Flora verknüpft sich die südchilenische
durch die Proteaceen, von denen zwei Gattungen vorkommen
[Emhothrium u. Lomatia), deren Belaubung weniger an das dort vorherrschende
starre und glanzlose Blattgewebe, als an das der Olive
erinnert; andere Arten haben getheilte Blätter und reihen sich an
die Tamarindenform (z. B. Guevina), Ein Synanthcreenbaum [Flotowia),
der für den grössten in dieser Familie erkläi't wird [bis
100 Fuss hoch^)], verbindet Südchile mit den oceanischen Inseln
Juan Fernandez, den Galapagos und St. Helena. Durch alle diese
Baumformen scheint ein genetischer Zusammenhang ausgedrückt zu
werden, den wir in den nördlicheren Gegenden Cliilcs vermissten,
mit weit entlegenen Küsten, die aber doch derselben geograpliischen
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