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322 XV. Mexikanisches Gebiet.
in diesen Tbatsaclien eine Wirkung isolirter Gebirgslagen erblicken^^^),
da am stillen Meere der Einiluss der Massenerliebung des Kontinents
aufgehoben ist und hiediirch die senkrechte Abnahme der Wärme
beschleunigt Avii'd i"). Die üebereinstiramung des frei aus der Küstenebene
gel)obenen Viejo mit den sanft ansteigenden und durch tiefe
Thäler unterbrochenen Andenketten von Mazatlan würde hiernach
verständlich sein. Allein es lassen sich gegen diese Anffassung Einwürfe
erheben, die näher zu prüfen sind. Die hohe Kordillere von
Vera Oruz steht zwar unter dem Einflüsse der Hocliebene von Puebla,
mit welcher sie unmittelbar zusammenhängt, aber an der dem Golf
zugewendeten Abdachung sind die oberen Waldregionen mit Einschluss
der Nadelhölzer durch die Bewölkung vor der Insolation geschützt,
so dass man, wie in Sumatra, hier vielmehr eine Depression
der Vegetationsgrenzen erwarten sollte. Indessen zeigen die Temperaturmessungen
Liebmann's am Orizaba , dass daselbst nngeachtet
des bewölkten Himmels die senkrechte Abnahme der Wärme
ebenso sehr verlangsamt wird, wie auf dem Hochlande selbst. Durch
die Massenerhebung wird die gehemmte Sonnen wirkung ausgeglichen.
Wir finden hier demnach entgegengesetzte Erscheinungen, wie auf
den Sunda-Inseln. Die Nadelhölzer wachsen in demselben Niveau,
wie unter dem heiteren Himmel der Hochebene: dieselbe Tanne [P.
reliffiosa) bewohnt sogar eine noch höher gelegene Region'^'), als dort.
Ein bedeutenderes Licht auf die vorliegende P'rage Averfen die Beobachtungen
auf dem Isthmus. In Costarica, wo die Hochebene von
Karthago im Verhältniss zu Mexiko von geringfügiger Ausdehnung
ist, hebt sich am karaibischen Abhang (10^ N. B.) ein aus Palmen
uüd anderen tropisclien Baumformen gemischter Wald fast bis zum
Kamm der Kordillere. Jenseits desselben findet man in der offenen
Landschaft fast nur Savanengehölze und erreicht den Tropenwald
erst in der Nähe der Küste. Auch hier zeigt sich also derselbe
Unterschied der pacifischen von der den Wolkenbildungen des Passatwindes
unterworfenen Abdachung zum karaibischen Meer. Mit der
durch die Hochebenen in senkrechter Richtung verlangsamten Abnahme
der Wärme scheint sich in Mittelamerika ein anderer Einfluss
zu verbinden, durch welchen die Höhengrenzen der Vegetation bestimmt
werden. Die tropischen Bäume, welche einer intensiven Benetzung
des Bodens bedürfen, müssen an den pacifischen Abhängen,
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Pacifische Zone. 323
wo ihnen diese fehlt, in einem tieferen Niveau zurückbleiben, als an
der Passatseite Mexikos und Costaricas. Hier können sie ihrer Temperatursphäre
folgen, dort nur so weit, wie die Wirkung der feuchten
Seeluft reicht. In die Regionen, welche sie frei geben, steigen
die Nadelhölzer und Eichen, die Bäume des gemässigten Klimas,
herab, gerade so, wie die alpine Vegetation der südeuropäischen
Gebirge in einem tieferen Niveau beginnt, weil die Baumgrenze
durch Mangel an Feuchtigkeit herabgedrückt wird. Nach dieser
Auffassung würde der Unterschied der mexikanischen Ostküste von
der Vertheilung der Vegetation in Sumatra darauf beruhen, dass
dort der Plateaueinfluss und die Feuchtigkeit elevirend, hier die
durch Umwölkung geminderte Wärme deprimirend auf die Höhengrenzen
von Bäumen wirken, die, wenn auch denselben Gattungen,
den Eichen und Nadelhölzern angehörend, doch deshalb in der klimatischen
Sphäre der Arten noch nicht durchaus gleichzusetzen sind.
Die pacifische Abdachung, von den Niederschlägen des Passatwinds
unbenetzt, unterscheidet sich dadurch von der Ostküste des
Golfs, dass in der heissen Region das Meeresufer unmittelbar von
einem tropischen Walde umsäumt wird, dem erst in einer gewissen
Höhe (etwa von 2000 Fuss) dieSavanenbildungen folgen. Bei Mazatlan
wird aus dieser Waldregion das Blauholz bezogen welches ihr
mit der Südküste des Golfs gemeinsam ist. Im Süden von Guatemala
sind diese Wälder reich an Palmen. Von S. Salvador bis zur Landenge
von Darien kommt hier als einheimisches Erzeugniss die Cocospalme
vor (0—1600 Fuss), welche sich von diesem Vegetationscentrum
aus über die Koralleninseln der Südsee und andere Tropenländer
ausgebreitet hat. Am Viejo in Nicaragua mischen sioJi die
Eichen in den PalmengürteP-'), der daselbst bei 2000 Fuss in die
Savanen übergeht.
Die Bildung der Savanen wird durch die sanftere Neigung der
pacifischen Anden befördert. Nocli allgemeiner aber ist ihre Bedeutung
im Süden, wo die Hochebene sich bis zum Isthnms allmälig
immer mehr verschmälert und von Guatemala an in ein tieferes Niveau
(4 — 5000 Fuss) übergeht. Hier treten die Grassavanen an die
Stelle der Prairieenformationen Mexikos nnd drängen die zusammenhängenden
Waldregionen auf den geneigten Boden der Erhebungen
zurück, auf den sie nicht selten auch selbst streckenweise tief
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