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90 VII. Sahara.
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Staticeen {Limomastnm) und durch strauchartige Tamarisken abgeschlossen.
Auch die Gräser der Sahara stimmen mit denen der asiatischen
Steppen zum Theil überein. Einige wachsen wie dort in grossen^
wenn auch vereinzelten Rasen [Pennisetiim]. Die starken Halme
einer Stipacee {Aristida pungens] erreichen sogar eine Höhe von
6 Fuss'iO) un^ gin^ als Kameelfiitter eins der wichtigsten Wttstengräser.
Aber diese nnd andere Gramineen aus der Gruppe der
Stipaceen , die in der Sahara vorzugsweise vertreten ist, sind nicht
entfernt an Energie des Rasenwachsthums, sondern nur in ihrer
Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit und Hitze mit der Thyrsa
der russischen Steppen zu vergleichen. Die Blattorgane sind ungemein
kurz und in ihrem eingerollten, starren und saftleeren Bau
wohl geeignet, auch ohne Wasserzufluss sich lange lebensfähig zu
erhalten. Wir finden bei ihnen häufig eine Eigenthümlichkeit der
Organisation, die sowohl ihre weite Verbreitung, als auch die Erscheinung
erklärt, dass, wo in der Wüste nur einmal wie zufällig
der Boden etwas Feuchtigkeit sammelt, derselbe sofort von keimenden
Gräsern ergrünt, deren Vegetation dann in gewissen Fällen mit
der Erzeugung eines zollhohen Rasens [Aristida ohtusa) schon wieder
abschliesst. Die langen und dreitheiligen Grannen, welche aus
den Spelzen hervortreten, sind bei vier Arten von Aristida, an der
mittleren Spitze mit einem überaus zierlichen Federbusch von weissen
Haaren ausgestattet, der wie eine Samenkrone wirkt und die Keime
mit dem Wüstenwinde überall hinführt, so dass kein Tropfen Wasser
vergebens den dürren Boden tränkt, sondern die Feuchtigkeit allenthalben
diese lebensfähigen Organe vorfindet. Zwei dieser Federgräser
hat" der Passatwind vom kaspischen Meere her über die ganze Sahara
ausgebreitet, die beiden andern von Arabien aus, und diese letzteren
sollen auf ihrer Wandei'ung sogar das südliche Afrika erreicht haben.
Die Austrocknungsfähigkeit, die schon bei diesen Gräsern einen
hohen Grad erreichen muss, da sie so selten befeuchtet werden und
doch mehrere Jahre hindurch sich fortentwickeln, hat bei zwei anderen
Erzeugnissen der Wüste die allgemeine Aufmerksamkeit auf
sich gezogen. Die Wiederbelebung einer völlig verdorrten Pflanze
scheint etwas Geheimnissvolles zu sein, aber noch mehr, wenn sie,
losgerissen vom Boden, wie ein todter Körper im Winde umher-
Gräser. — Schutzmittel gegen die Dürre. 91
treibt, ohne die Kräfte der Organisation in ihrem Gewebe ganz
verloren zu haben. Und so verhält es sich mit der Rose von Jericho
iAnastatica) und mit der essbären Mannaflechte [Parmelia esculenta).
Indessen beruht die Erhaltung dieser Gewächse in dem trockenen
Wüstenklima in beiden Fällen auf Bedingungen ganz verschiedener
Art. Bei der Anastatica, einer winzigen, einjährigen Crucifere, sind
es nur die Früchte, von denen die Wiederbelebung ausgeht, und
die Eigenthümlichkeit besteht nur darin, dass die Samen an einen
passenden Ort für ihre Keimung geführt werden. Die Pflanze rollt
sich zur Zeit ihrer Fruchtreife durch Eintrocknen zu einem kleinen
kugelförmigen Körper zusammen, wird dann leicht durch den Wind
aus dem sandigen Boden losgerissen und so lange in der Wüste umher
getrieben, bis Feuchtigkeit auf sie einwirkt. Vermöge ihres
Schleimgehalts saugt .sie das Wasser begierig ein und breitet die
Organe wiederum aus, wie zur Zeit, als sie noch am Boden befestigt
war Aber dieser Schein des Lebens erneuert nicht das Wachs^
thum, sondern hat nur auf die Früchte eine Wirkung, indem die
Schoten im trockenen Zustande geschlossen sind und erst durch die
eingesogene Feuchtigkeit sich öffnen und die Samen entlassen. Diese
letzteren gelangen daher nur da in den Boden, wo dieser feucht ist,
und wo sie sich also entwickeln können. Bei der Mannaflechte dagegen
sind es die vegetativen Organe selbst, die durch Feuchtigkeit
wieder aufleben. Bei Flechten und Moosen ist ein Zustand der Erstarrung
aus Wassermangel eine sehr gewöhnliche Erscheinung ^ )
bei dem Torfmoose [Sphagnum] beruht auf der Wiederbelebung durch
Feuchtigkeit die lange Dauer ihres Wachsthums, die Bildung des
Moostorfs. Aber gleich der Anastatica ist auch die Mannaflechte
ursprünglich am Boden befestigt«) und wird durch Stürme losgerissen,
bis sie als Mannaregen in kleinen, erbsenähnlichen Stuckchen
wiederum an entfernten Orten niederfällt, um nun in Folge von
atmosphärischen Niederschlägen aufs Neue fortzuwachsen So gehört
sie zu den häufigsten Erzeugnissen der Steppen und Wüsten,
von Centraiasien bis zur algerischen Sahara dem Passatwinde folgend
Solche Wanderungen von Pflanzen des Wüstenklimas gehören
zu den treffendsten Beweisen für den Einfluss atmosphärischer Bewegungen
auf die Verbreitung der Pflanzenarten, und ihre Betrachtung
hat zugleich den Reiz, der stets mit der Einsicht in das zweck-
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