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286 XIII. Prairieengebiet.
ersten Rang unter den Saftgewächsen einnimmt. Die höchsten Individuen
des Suwarrow werden nach EmoryS) 50 bis 60 Fuss hoch,
aber sie blühen schon, wenn sie erst 10 oder 12 Fuss messen. Einzeln
erheben sie sich in der Einöde, anfangs eines schützenden
Strauchs bedürfend, bald aber frei und aufrecht, wie plumpe, cylindrische
Säulen, bis zu zwei Fuss Dicke anschwellend, aber sie sind
doch häufig genug, um die Physiognomie der südwestlichen Prairieen
als eine der bizarrsten Pflanzenformen der Erde durchaus zu bestimmen.
Auf einem Landschaftsbilde, womit Engelmann eine seiner
Abhandlungen ausgestattet hati»), erscheinen sie in weiten Abständen
aus dem nackten Boden felsiger Flussthäler senkrecht aufstrebend
und würden den Säulen einer Tempelruine des Alterthums
gleichen, wenn sie nicht häufig eine gewisse Anzahl bogenförmig
emporgestreckter, einfacher, ebenfalls dicker Aeste, wie die Arme
eines Kandelabers, aus der Seitenfläche des Stamms regellos geordnet
her vortrieben, kein Schmuck dieser öden Wildniss, sondern nur ein
Staunen erregender Anblick über ein so mächtiges Bauwerk und
über die geheimen Bildungskräfte, die aus den dürftigsten Zuflüssen
eine solche Masse von Saft und organischen StoflPen, auf das Feinste
gegliedert und anscheinend nur um ihrer selbst willen, anzuhäufen
vermögen, üeberhaupt finden wir unter den vegetabilischen Formen
der Prairieen die grösste Massenentwickelung organischer Substanz
in der Familie der Cacteen. Eine aus cylindrischen Gliedern zusammengesetzte,
zu einer grünen Krone von wirteiförmig gestellten
Aesten verzweigte Opuntie (0. arhoresoens) ersetzt den Suwarrow in
den östlichen Gegenden von Arkansas bis Mexiko: aufrecht und im
Norden nur mannshoch, soll sie im Süden eine Höhe von 20 bis 30 Fuss
erreichen. Auch bilden die flachgliedrigen, gewöhnlich schlaffen
Opuntien durch ihre Verästelung oder ihren rasenförmigen Wuchs
ungemein ausgedehnte Gewebmassen. Selbst aus der Reihe der
melonenförmigen Echinocacten kommt in Neu-Mexiko eine Art von
unförmlicher Grösse vor [E. Wislkem), die zuweilen bei einer Dicke
von zwei zu einer Höhe von vier Fuss auswächst i«). Die in die
Organisation der Cacteen gelegten Kräfte, den Saft zurückzuhalten
und dadurch ihre Vegetation auf ein beliebiges Zeitmass auszudehnen,
sind intensiver, als bei allen übrigen Succulenten. Nur etwa ein
Drittel der in den Prairieen einheimischen Arten besteht aus kleineren
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Agavenform. — Chenopodeenform. 287
bald isolirt, bald gruppenweise wechselnden Melonenformen {Mamillaria
u. Echinocactus) , von denen zwei Mamillarien die nördliche
Opuntie (0. missoiiriensis) bis zum Missouri begleiten. Lebhaft roth
oder weiss gefärbte Blumen, aus den grünen Stämmen unvermuthet
hervorbrechend und oft von beträchtlicher Grösse sind allen diesen
Cacteen gemeinsam, und, wie die indischen Feigen in Sicilien, so
dienen die saftigen Früchte des Suwarrow i^) und anderer Arten den
Indianerstämmen unter den übrigens so kärglich dargebotenen Gaben
der Prairieennatur zu einer Quelle reichlicher Ernährung,
Unter den übrigen Succulenten ist die Agavenform [Agave] auf
die südlichen Prairieen beschränkt [bis 35 N. B. und vermittelt
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nebst den grossen Cacteen und einer Reihe von anderen den Wendekreis
weithin nach Sonora überschreitenden Gattungen denüebergang
zu dem Vegetationscharakter des tropischen Mexikos. Die
grossen, saftigen Blattrosetten der Agaven (oder Magueys) wachsen
auf dem dürrsten Felsboden und bedürfen vieler Jahre, bis sie blühen
, um sodann nach der Fruchtreife abzusterben, aber, da sie
durch ihre Ausläufer sich beständig verjüngen, entstehen durch
dieses stetige Fortwachsen des ursprünglichen Individuums in einem
alljährlich sich wiederholenden Kreislauf zur Zeit der Regenperiode
immer wieder aufs Neue die hohen Blumenschäfte, deren zuckerhaltiger
Saft nebst dem Marke des verkürzten Stamms zur Speise
und zum Getränk dient.
Durch die Chenopodeenform des salzhaltigen Bodens treten die
succulenten Gewächse der Prairieen mit den Steppen Asiens in nähere
Beziehung. Denn wiewohl die Anzahl der Arten nur gering ist,
einsetzen sie deren Mannigfaltigkeit durch die Massen von gesellig
verbundenen Individuen und bilden in der dürren Salzwüste nebst
den noch häufigeren Artemisia-Sträuchern [A, tridentata u. cana) die
herrschende Vegetation. Indessen sind gerade die am allgemeinsten
verbreiteten Chenopodeen [Atriplex), z.B. das Talgholz [A. canescens^
Grease-wood), nicht succulent, sondern widerstehen, wie die Artemisien,
der trockenen Jahrszeit vermittelst einer feinen Mehl- oder
Haarbekleidung der Oberhaut. Unter'den Halophyten, die ein fleischiges
Laub, wie die asiatischen Salsoleen, entwickeln, ist der hau--
figste Strauch der Saftdorn [Sarcobatus vermicularis ^ Pulpy-thorn),
der unter den Chenopodeen eine anomale Stellung einnimmt. Durch
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