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AVachstliiim, sondern iiucli durch dio grösste Manuigfaltigkqit iiusgczeiclmet.
Sic bilden in A b e s s i n i e n P r o c e n t von der
Gesammtzahl der riianerogamen, während beispielsweise in West-
Indien unter den Gefässpilanzen nur 4 — 5 Procent Gramineen enthalten
sind. In Abessinien trügt die Erhebung des Landes zum Artenreiclithnm
der Gräser bei, aber auch in den ebenen Landschaften ist
das Waclisthum des Rasens ungemein wechselnd, bald die höchste
Energie tropischer Natur entfaltend, bald in der Verkürzung und
dichten Verbindung der Organe dem Wiesenteppich des Nordens vergleiclibar
oder aucli zur Dürftigkeit der Steppe herabsinkend. Die
Gruppen der Paniceen iind Andropogineen, welche in den Savanen
der heissen Zone stets überwiegend vertreten sind , zeigen eine
grössere Verschiedenheit in der Bildung ihres Rasens, als die Poaceeii
liöherer Breiten. Gewöhnlich sind ihre Blätter indessen härter al&
bei diesen und dadurch den Steppengräsern ähnlicher: sie entsprechen
den periodischen Niederschlägen, erlialten sich in der Dürre
eine Zeit lang, bis sie zuletzt gelb werden und absterben, während
der Wiesenrasen, von terrestrischem Wasser befeuchtet, selbst unter
dei- Schneedecke frisch und grün bleibt. So thut es den Savanen
Afrikas keinen Eintrag, dass die Neger, um kleine Fleckchen urbaren
Bodens zu gewinnen, die grossen Flächen verdorrten Grases
in der trockenen Jahrszeit durch Feuer zerstören: aus den unterirdischen
Organen spriesst, sobald die Regen beginnen, neues Leben
mit überraschender Schnelligkeit wieder hervor. Nicht bloss vom
Klima, von dem Verhältniss der beiden Jahrszeiten, ist die verschiedenartige
Physiognomie der Savanengräser abhängig, sondern
auch vom Boden, von der Mischung der Erdkrume und seiner Kraft,
das Wasser zurückzuhalten. Dies geht daraus hervor, c^ass die
Ilochgräser, die den Wuchs der Menschen überragen, noch in Gegenden
angetroftcn werden, wo die Regenzeit nur vier bis fünf Monate
dauert, wie in S e n e g a m b i e n , ^in charaktervolles Landschaftsbild
von dem dichten Wachsthum dieser hohen Gramineen
findet sich in dem Barnim'schen Reisewerke aus Sennaar: man
sieht liier, wie selbst die Giraffen sich leicht in einer Vegetation verbergen,
aus der sie mit aufgerichtetem Kopfe nur den oberen Theil
des Halses liervorstrecken können. Es ist dies die für die Waldlichtungen
am Nil bezeichnende Andropoginee Adar mit breiten,.
Savancn<>i*äser. 117
gewellten Blättern, deren Halm die Höhe von 15—20 Fuss erreicht,
und die unter den nicht liolzigen Gramineen a v o I i I die grösste bekannte
Form ist. Die gewöhnlielie Bildung der tropischen Ilochgräser
wird daselbst durch das wilde Zuckerrohr {Sacc/ui7'tmi spimiairmim)
vertreten, dessen Ilalme nach Hartmann —12 Fuss messen.
Wie bedeutend diese hohen Grasdickichte auf die Physiognomie des
tropischen Afrikas einwirken, zeigen die Beobachtungen Livingstone's,
•der das Tiefland vom Delta des Zambesi 20 bis GO g. Meilen landeinwärts
von ihnen bedeckt fand J-'^). Sie beginnen hier unmittelbar
innerlialb des Gürtels des Mangrovewaldes und, obgleich auf den
schmalen Fusspfaden das GrÄfe den Jäger verbirgt^ ist doch wegen
der Dichtigkeit des Waclisthums jede Jagd nnmöglicli. An der
westliclien Abdachung, im breiten Thale des Coango, eines der
Congo-Zuflüsse, besteht die Savane ebenfalls aus 8 Fuss hohen Gramineen
Li den Aequatorialgegenden trafen Speke und Graut
diese grossen Savanengräser noch in den über 3000 Fuss liocli gelegeuen
Landschaften am Viktoria-Nyanza-See^) : in Uganda behinderten
sie die Viehzucht, weil die Ileerden nicht in sie eindringen
können, aber auf dem ITügellande im Norden des Sees gingen sie in
einen Käsen über, der nur 3 Fuss hoch war. Ebenso verhalten sich
die Aveiten Hocliflächen im Innern jenseits ä<dv südlichen Küstenterrasse
des Zambesigebiets, die von Savanen erfüllt sind, deren
Rasen Livingstone mit den reichen Wiesentriften Englands vergleicht
. Aehnlich ist aucli der Wecltsel hochwüchsiger und
niedriger Formen, wenn man sich den Grenzen des Gebiets gegen
die nubische Wüste hin nähert: im Süden der Bejudah-Savane, die
am linken Ufer des vereinigten Nils bei Chartum sich ausbreitet
(15—IS^N.Br.) erwälmtHartmann ein Andropogon, welches dem
Kameelreiter bis über den Kopf reicht, wogegen andere Arten nur
1 bis 3 Fuss hoch waren ; an manchen Stellen glicli hier die Savane
in der trockenen Jahrszeit »einem eng gesäeten, unermessliclien
Kornfeldei^ Steudner^^) sagt über die Savanen in Sennaar das
Nämliche, fügt aber hinzu, dass nur, wenn man sie aus der Entfernung
betrachte, die Vergleichung mit einem reifen Getraidefelde
völlig zutreffend sei, und dass in der Nähe die über Mannshölie reichenden
Gräser sich in getrennte Büschel auflösen, mit kleinen
ZAvischenräumen nackten Erdreichs, also sich die Rasen der Steppe,
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