
]r
-.i •Iii
-i
l'if
531 XXIV, Oceanischc Inseln.
letztern doch nur wenig über 200 g\ Meilen entfernten Kojitinent,
wie die antarktisclie Flora Amerikas zu den Panipas, wie ein waldreiches
und ergiebigem Kornbau geöflnetes Küstenland zu dürrem
Steppenboden, wo nur die Viehzucht blühen kann. Die Urbewoliner
Australiens blieben wegen der Schwierigkeit ihres Unterhalts wenig
zahlreich und verharrten auf der niedrigsten Stufe menschlichen Daseins
: in Neuseeland lebt der kräftige und bildungsfähige Stamm
der Maori's, dem die Natur zur Ernährung ein geselliges Farnkraut
{Fteris esozilenta), ein anderes Gewächs {Phormmm tenax) zur Bekleidung
gewährt hat. Wenn auch reich bewässert und zu vulkanischen
Berggipfeln, auf der Süd- oder Mittelinsel zu einer hochalpinen
Kette (124 00 Fuss) hoch über die Schneelinie sich erhebend, unterscheidet
sich Neuseeland doch dadurch von dem antarktischen Gebiete
Südamerikas, dass es nicht so dicht, wie Chiloe von Wäldern
bedeckt ist, sondern dass offene, keineswegs malerische Hügellandschaften
besonders an der Ostseite einen grossen Kaum einnehmen.
Hier werden die Farne zu Stellvertretern der Gräser, sie bedecken,
mit Gesträuchen wechselnd, unermessliche Strecken offenen
L a n d e s und auch der Wald ist überreich an Kryptogamen^'-^
Kein Land der Erde kommt Neuseeland an massenhaftem Farnwuchse
gleich, wodurch die Vegetation jenen ältesten Floren der
Vorwelt ähnlich wird, in deren üeberresten die kryptogamischen
Gefässpflanzen vorwalten. Durch die gleichmässige Wärme der
Jahrszeiten iii), welche Neuseeland mit den übrigen Ländern dieser
südlichen Breiten theilt, ist hier zugleich die Analogie mit dem Klima
tropischer Gebirge am grössten.
^ Der immergrüne Wald ist gemischt, wie unter den Tropen,
deren üeppigkeit und Fülle doch nicht erreicht wird, wenn auch,
mit Ausnahme der hier fehlenden Bambusen, die meisten Vegetationsformen
dieselben sind, wie in tropischen Gebirgen. Farnbäumo
[Cyathea, Dichsonia squarrosa), bis zu 40 Fuss sich erhebend, wachsen
verborgen unter der einförmigen Laubmasse der dikotyledonischen
Stämme; die Palmen sind durch eine einzige Art von geringer Grösse
vertreten [Areca sapida) ; auch bei den Liliaceenbäumen [Cordyline)
verkürzt sich der Stamm, bis er ausserhalb des Waldes in der
mächtigen Laubrosette von Schilfblättern bei dem neuseeländischen
Flachs [Phormiuw) ganz verschwindet. Unter den Waldlianen sind
Neuseeland. Vegetation. 535
auf der Nordinsel die Pandaneengattung der tropischen Archipele
[Freycinetia) und eine Smilacee i^Rvpogonum) die häufigsten. Die
Epiphyten auf den Baumstämmen sind grösstentheils Farne, die
atmosphärischen Orchideen zählen nur wenige Arten. So mannigfach
endlich die Laubhölzer selbst im Walde gemischt sind, so ähnlich
erscheinen sie doch in ihrer Belaubung, meist entsprechen sie
den Oliven- und Lorbeerformen, auch die Coniferen tragen zum
Theil flache Blätter [Bammara, Phyllodadus). Die Gesträuche haben
ebenfalls wenig individuelle Eigenthümlichkeit, sie reihen sich im
Allgemeinen an die Myrten- und Oleanderformen. Selbst den Blumen
fehlt es am Keiz der Gestaltung : häufig sind die Blüthen unansehnlich
und grün, in einem grossen Theil der Gattungen unvollständig
und oft eingeschlechtlich Den düsteren Waldungen ist das Thierleben
beinahe fremd, keiner farbigen Organe bedarf es, die Insekten
anzulocken, wenn die Befruchtung dem Winde überlassen ist.
Nur die Wälder Neuseelands, in denen durch das Unterholz,
die Farne und Lianen ein unzugängliches Dickicht gebildet wird,
tragen das Gepräge eines dem der Tropen verwandten Klimas.
Durch ansehnliche Bauhölzer bevorzugt, übertreffen sie in einzelnen
Fällen den Tropenwald an Höhe des Baumwuchses. Von der Kaurifichte
[Dammara australis), die, auf den nördlichen Theil der Nordinsel
beschränkt (34ö—37^ S. B.) daselbst in abgesonderten Beständen
vorkommt, wurden kolossale Stämme, Holzsäulen, die
unterhalb der ersten Aeste zuweilen bis hundert Fuss emporragen,
einer von 14 Fuss Durchmesser'»-i), beobachtet. Die eigentlichen
Nadelhölzer wachsen gewöhnlich in zerstreuten Gruppen und treten
daher in der Physiognomie der Laubwälder zurück : unter ihnen
erreicht eine Art der Cypressenform iPodocarpus dacrydioides) häufig
eine Grösse von 15ü^Fuss, und eben so hoch wird in der Reihe der
Laubhölzer eine Monimiee {At/ierosperma Novae-Zeelandüie), welche
an ihrem Fuss gewaltige Holztafeln, wie ein tropischer Baum, aussendet.
Auch eine der beiden einzigen Proteaceen Neuseelands
[linighüa exeeha) ist ein hoher Baum, der in seinem Wüchse der
lombardischen Pappel gleichen soll. Man hat über hundert grössere
(über 20 Fuss hohe) Holzgewächse kennen gelernt, darunter mehr
als 40 Nutzhölzer, aber nur einige wenige, namentlich eine Saxifragee
(Weinmmnia raaemosa) , treten in grössern, selbständigen