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244 XII. Waldgebiet des westlichen Kontinents.
dnrch Fhisstliäler nnterbrochen odor ihre Einsclinitto und Pässe
werden von den jenseits liegenden Gebirgen überragt, welche daher
von den fenchten Seewinden getroften werden, und so erklärt sich,
dass auf ihren Abhängen grosse Wälder an die tiefer gelegenen
Prairieen sich anschliessen, die nun von hier aus das Innere des Kontinents
bis zum Missisippi einnehmen.
Im Osten der nördlichen Prairieen treffen wir an den kanadischen
Seen die dritte Waldzone, die nacli ihrem ebenfalls kontinentalen,
aber durch den Einfluss dieser fast beispiellos grossen Süsswasserilächen
gemässigten Klima mit dem centralen und östlichen
Europa zu vergleichen ist. Sie begreift Kanada und die nördlichen
atlantischen Staaten, der Charakter ihrer Flora ändert sich bis zur
Mündung der Chesapeake-Bai in Virginien (37** N. B.) und bis zur
Südgrenze von Kentucky (36Y2 weder diesseits noch jenseits der
Alleghanys-^), die der Küste parallel ziehen. Es ist die Zone der
Laubhölzer mit periodischer Belaubung, die, am Winipeg-See zuerst
den Nadelwald nur hier und da verdrängend, südwärts allgemeiner
das Tiefland bekleiden und an Mannigfaltigkeit der Bestandtheile,
namentlich von Eichen und von Vertretern der Eschenform (Juglandoen)
z u n e hme n l l i e d u r c h unterscheiden sich diese Laubwälder
von den entsprechenden Buchen- und Eichenzonen Europas. Bereits
an den kanadischen Seen treten neben den Coniferen, den Tannen
und Weilunuthskiefern (z. B. 1\ canadensis, Slrobus), grosse Gehölze
von Eichen, Ulmen, Eschen und Ahorn auf, und diese sind es, die
nebst dem Laub tragenden Gesträuch in dem vielgerühmtcn kanadischen
Herbste durch die sich langsam entfärbejiden Blätter einen
Reichthum von seliönem Detail verleihen, einen Schmuck der Farben,
der durch alle Niiancen des Orange, des Gelb und Koth auf das
Mannigfaltigste sicli darbietet'J). In der Breite von Pennsylvanien
und Indiana (41 N. B.) sind die herrschenden Waldbäumevier
Arten von Eichen, die Kastanie und ein Wallnussbaum [Juglans
nigra), zu diesem gesellen sich die nordamerikanisclio Buche [Fagiis
ferniginea), der Tulpenbaum [TJriodendron) und eine Laurinee [Sansa-
/ras officinale), die jedoch ebenfalls im Winter das Laub verliert.
Je mehr verschiedene Arten zusammenwachsen, desto mannigfacher
werden auch die Farbentöne zur Zeit ihrer Entlaubung sein. Auf das
langsame Absterben der Blätter, welcljes in Oberkanada einen vollen
Zone der Laubhölzer. — Newfoundhind. — Südliche Waldzone, 245
Monat hl Anspruch n i m m t s c h e i n t die allmälige Abnahme der
Wärme im Herbste von Einfluss zu sein, die von den grossen Wasserflächen
zurückgehalten wird. bemerkte über dieses klimatische
Moment, dass in der ganzen Umgebung der kanadischen Seen
die Temperaturveränderungen sich mässigen und verspäten und auch
im Winter der Februar kälter sei als der Januar. Diese Wasserflächen
im Norden der Laubliolzzone dienen daher auch, die Dauer
der Vegetationsperiode in etwas höherem M a s s e a l s dies in Europa
der Fall ist, mit den südlicheren, ihrem liinfluss entzogenen Gegenden
auszugleichen und dadurch zu dem übereinstimmenden Charakter
der Flora mitzuwirken.
Die der Mündung des Lorenzstroms gegenüberliegende Insel
Newfoundland ist nach ihrer Lage und ihrem Klima mit Kamtschatka
zu vergleichen*). Sie bildet eine abgesonderte Zone'^^') , wo die
Bäume, Tannen [P, alha u. nigra), Lärchen und Birken, von geringer
Grösse (20—30 Fuss hoch) sind und die Waldungen auf dem
hügeligen, unvollständig abgewässerten Boden tiberall mit oifener
Landschaft abwechseln. Der nicht bewaldete Theil der Insel ist mit
Torfmooren aus Moostorf und auf den trockeneren Höhen mit den
Beeren tragenden Sträuchern dos Nordens bedeckt. Die Vegetation
ist wenig eigenthümlich und entbelu't durchaus jenes üppigen Gras-^
und Baumwuchses, der Kamtschatka auszeichnet und der dem ähnlichen
Verlauf der Jahrszeiten, sowie der Dauer der Vegetationsperiode
angemessen sein würde. Wahrscheinlich tragen Mangel an
Insolation, veranlasst durch die Nebel des arktischen Meeresstroms,
der die Insel bespült, und die unvollkommene Abdachung ihrer Oberfläche,
durch welche der sumpfige Boden erzeugt wird, gleichmässig
die Schuld an der öden und nordischen Natur der Landschaft.
Die eigenthümlichste klimatische Stellung nehmen die südlichen
atlantischen Staaten von Nordkarolina und Tennessee bis Louisiana
und Florida in Anspruch, die dem südlichen Europa in ihrer Temperatursphäre
entsprechen und durch ihren feuchten Sommer an
China erinnern, aber doch dessen Regenmenge nicht erreichen
und die Niederschläge ohne jene bestimmte Periodicität über das
Jahr vertheilen, durch welche das östliche Asien bevorzugt ist. An
Produktionsfähigkeit, durch ihre Baumwolle, ihren Keis, ihr Zuckerrohr
übertreflfen sie das Mittelmeergebiet, aber in der Sicherheit der
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