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Südamerikanisclies Gebiet diesseits des
Aeqiiators.
Klima. Südamerika empfängt den nördlichen Passatwind aus
dem karaibischen und atlantischen Meere und unterscheidet sich dadurch
vom tropischen Afrika, dass Sudan in der gleichen Richtung
dürre und im Sommer erhitzte Wüsten gegenüber liegen. Die Folge ist,
dass in Südamerika auch bei nördlichem Staode der Sonne das Wärmecentrum
auf dem Festlande sich behauptet und, da es nicht nach
dem Meere ausweichen kann, der Passat an den nördlichen Küsten
das ganze Jahr hindurch herrschend bleibt. Ununterbrochene nordöstliche
und östliche Winde werden an den in dieser Richtung geöffneten
Litoralen von Guiana und Central am erika beobachtet i). Dieser
Passat aber ist als Seewind an Wasserdampf so reich, dass schon
bei einer geringfügigen Abkühlung das Festland von Niederschlägen
benetzt wird. Da nun Gebirge den grössten Theil der Küsten des
karaibischen Meers begleiten, zuerst die Anden Centraiamerikas dem
Passat entgegentreten und dann hart am Litoral Südamerikas die
von Neu-Granada ausgehende Kette sich durch Venezuela bis Trinidad
fortsetzt, so wiederholen sich hier die klimatischen Verhältnisse
der mexikanischen Golfzone. Dichte Wälder bedecken den
Boden, und sie können mit öden Strecken abwechseln, wo die Böschung
gering ist, oder wo, wie in Cumana2), durch eine vorspringende
Landzunge dem Hinterlande die Feuchtigkeit entzogen wird.
Aber auch flache Landschaften sehen wir auf dem weiten Räume
vom Delta des Orinoko bis über Guiana hinaus von ununterbrochenen
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Waldzone d. Nordküste u. am atlant. Meer, des Isthmus u. am still. M. 359
Urwäldern bekleidet, deren Beschaffenheit eine lange Regenzeit voraussetzt.
Hier darf man annehmen, dass die Bewaldung des Tieflandes
zum grossen Theil die Bedingungen ihrer Erhaltung in sich
selbst trägt und dass die Erhebung des Bodens unmittelbar nur wenig
zu den Niederschlägen beiträgt. Wo so geringe Wärmeunterschiede
hinreichend sind, sie zu erzeugen, wird durch die tiefe Beschattung
des Bodens, durch die Baumkronen, welche die Wirkung der Sonnenstrahlen
hemmen, die erforderliche Abkühlung unterhalten. Dächte
man sich die Bäume entfernt, so würde der Wasserdampf sich nicht
so häufig verdichten, es würden Savanen entstehen, wie im Inneren
des Landes. Der Ausdehnung der Wälder in Guiana sind ferner die
gedrängten, mächtigen Ströme förderlich, die, von den diese Tiefebenen
in einem Halbkreis umspannenden Parime-Bergen genährt,
ihre Uferwaldungen unter einander verknüpfen. Die ungleiche Erwärmung
des Waldes und der ihn durchkreuzenden Wasserspiegel
erleichtert die Entstehung von Nebeln und Wolken. Mit dem Zenithstande
der Sonne wachsen diese Unterschiede und, da in diesen dem
Aequator schon genäherten Breiten (5 0—lOON. B.) die Perioden
der stärksten Erwärmung der Jahrszeit nach schon weit aus einander
rücken, so unterscheidet man in Guiana zwei Zenithregenzeiten 3),
in denen die Niederschläge sich verstärken, ohne jedoch von den
übrigen Monaten ganz ausgeschlossen zu sein.
Eine zweite zusammenhängende Waldzone erstreckt sich von
der karaibischen Küste Centraiamerikas über den Isthmus von Panama
und Darien und sodann längs des pacifischen Litorals bis zur Bai
von Choco (16 0—4 0 N. B.). Die Feuchtigkeit an den Abdachungen
zum karaibischen Meer steht, soweit die Fortsetzung der mexikanischen
Anden reicht, die dem Passatwinde sich entgegen strecken,
unter denselben Bedingungen, wie in Tabasco. Wo die Erhebung
des Isthmus zu höheren Gebirgen aufhört, überdeckt der Wald die
Landenge von einem Meer bis zum anderen und durch eine Menge
von kleinen Küstenflüssen wird eine nicht minder reiche Bewässerung
angezeigt. Hier machen sich ähnliche Einflüsse geltend, wie in
Guiana, aus dessen Wäldern ein von dorther fliessender Meeresstrom
manche Gewächse bis hieher verbreitet hat. An einigen Küstenplätzen
des karaibischen Meers umfassen die atmosphärischen Niederschläge
einen Zeitraum von zehn bis elf Monaten'^j, und in Darieu
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